Mitreißender Auftritt von „The Lumineers“ im Berliner Admiralspalast
Bestes musikalisches Storytelling

Die Folk-Rocker "The Lumineers" beendeten in Berlin ihre Frühjahrstour durch Deutschland mit einem fulminanten Auftritt. Bild: Stiegler

Berlin. Vor allem dreier Frauennamen nehmen sie sich derzeit an: Angela, Cleopatra und besonders Ophelia. Und sie singen über Liebe, über Verlust und über Freude. Über das Leben insgesamt, ihr eigenes Leben. Vier Jahre ist es jetzt her, dass "The Lumineers" auch in Europa aufgetaucht sind: Wer sie selbst nicht kennt, kennt doch zumindest ihren großen Hit "Ho Hey", der 2012 den Durchbruch bringt. Jetzt haben "The Lumineers" ihr zweites Album veröffentlicht: "Cleopatra" haben sie es genannt, die ersten Single-Auskopplungen "Ophelia" und "Angela" sind bereits auf dem Markt.

Überraschung im Gepäck


Die dazugehörige Tour führt sie auch nach Europa, zum Abschluss ihrer kurzen Frühjahrstour durch Deutschland elektrisieren sie am im Berliner Admiralspalast. Und haben nicht nur eine Überraschung im Gepäck: Wer die beiden Alben von Wesley Schultz, Jeremiah Fraites und Neyla Pekarek kennt, erwartet ruhigen bis sehr ruhigen Folk-Rock. Live ergänzt sich das Trio - je nach Song - um zwei bis drei weitere Musiker, so dass ein durchaus satter, rockiger Grund-Sound entsteht. Der Musik schadet dies nicht und dem Temperament von Sänger und Gitarrist Schultz kommt es entgegen - bereits der Opener "Flowers in your hair" unterstreicht dies.

"The Lumineers" kokettieren natürlich mit ihrem Ruf, kleidungsmäßig passen die Musiker aus Denver in jedes Folk-Bilderbuch: Der Hut von Schultz, die Hosenträger von Fraites, das Kleid von Pekarek. Die Optik muss aber nicht von der Musik ablenken. Denn die ist grandios, durch die Bank sind es Songs, mit denen es sich lohnt, um die Welt zu ziehen. Poetisch und zugleich geheimnisvoll sind sie auch in Berlin arrangiert. Und sie laufen niemals Gefahr, im Meer der Folk-Rock-Produkte auf dem Markt unterzugehen. "Ho Hey", "Submarines" oder "Dead Sea" werden auch in 20 Jahren noch unverwechselbare Nummern sein. So muss musikalisches Storytelling aussehen.

Hohe Textsicherheit


Die Fangemeinde der "Lumineers" ist mittlerweile stattlich, was auch an der hohen Textsicherheit im Publikum deutlich wird. Die Band gehört in den USA zu den Top-Bands im Folk-Bereich, in Europa bahnt sie sich den Weg dorthin. Das hat auch viel mit der grundsympathischen Art der Musiker auf der Bühne zu tun: Zu "Ophelia" steigt Schultz - und das ist wirklich spontan - nicht nur von der Bühne, sondern auch hinter die Absperrung: Er zieht durch das stehende Publikum, das bereitwillig Platz macht, setzt sich auf den Fußboden - und singt.

"Slow it down", "In the light", "Charlie Boy" und sogar das gut gemachte Bob-Dylan-Cover "Subterannean Homesick Blues" überzeugen auf ganzer Linie. Die dritte Zugabe des Abends - "Stubborn Love" - ist das Stück schlechthin für Cellistin Pekarek: Mit ihrem Instrument gibt sie Melodie und Tempo vor. Ein Meisterwerk, das den Namen verdient. Und Schlusspunkt in den 15 vorherigen Konzerten der Tour: Im Admiralspalast erklatschen sich die Besucher bei hellem Saal-Licht tatsächlich eine "echte" ungeplante Zugabe. Eine Seltenheit im Geschäft. Im Spätherbst kehren "The Lumineers" nochmals nach Deutschland zurück und gastieren am 22. November auch in Bayern - nämlich in München im "Kesselhaus".
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