Mogli kehrt auf die Leinwand zurück
"Das Dschungelbuch" startet im Kino

Die Bilder, die in der Dschungelbuch-Realverfilmung gezeigt werden, sind gigantisch. Trotzdem kommt die Neufassung nicht an die Zeichentrick-Version von 1967 heran. Bild: Walt Disney/dpa
 
Das "neue" Dschungelbuch ist weitaus düsterer angelegt, als der Disney-Klassiker. Bild: Walt Disney

"Das Dschungelbuch" gehört zu den Filmklassikern. Doch das Werk von 1967 wird bald 50 Jahre alt. Zeit für eine Neuauflage, dachte man sich wohl bei Disney. Das neue "Dschungelbuch" punktet mit tollen Bildern. Doch irgendwie fehlt auch etwas.

München. Neuauflagen und Fortsetzungen alter Filme liegen im Trend. "Star Wars", "Spiderman" oder "Ghostbusters" - alles schon mal da gewesen. Auch Disney setzt auf Altbewährtes wie "Cinderella", der 2015 ein Hit an den Kinokassen war. Nun kehrt ein weiterer Klassiker auf die Leinwand zurück: "The Jungle Book - Das Dschungelbuch". Disney legt seinen berühmten Zeichentrickfilm von 1967 neu auf, als visuell beeindruckende Mischung aus real gedrehtem Film und Computertechnik.

Inhaltlich ist es "Iron Man"-Regisseur Jon Favreau allerdings leider nicht gelungen, sich von dem alten Kultfilm zu lösen und Rudyard Kiplings Werk eigenständig zu interpretieren. So ist das neue "Dschungelbuch" zwar technisch hervorragend umgesetzt, letztlich aber doch nur eine Nacherzählung eines längst bekannten Stoffs. Auch die Leichtigkeit und den Charme der fast 50 Jahre alte Zeichentrick-Vorlage kann der neue Film über weite Strecken nicht erreichen.

Starke Akzente setzt Favreau dennoch. So ist Moglis Welt dieses Mal nicht so süßlich und gemütlich, wie in Disneys altem Film. Die Geschichte, wie der bei den Wölfen aufgewachsene Menschenjunge gegen den Tiger Shir Khan kämpft, ist wesentlich düsterer und aufregender erzählt - und rückt damit näher an Kiplings Bücher heran. Elefanten-Colonel Hathi ist auch kein trotteliger Anführer. Wenn er mit seiner grauen Herde anrückt, verneigen sich die Urwald-Bewohner ehrfürchtig.

Spektakuläre Bilder


Außerdem ist Moglis Verhältnis zu seinen Freunden in der neuen Fassung weniger sorglos. Balu (deutsche Stimme: Armin Rohde) etwa ist nicht nur der nette Onkel, mit dem er Spaß hat. Der Bär ist widersprüchlicher; unter seiner Freundlichkeit verbirgt sich einiges an Opportunismus. Auch mit dabei: die Schlange Kaa (Jessica Schwarz), der Panther Baghira (Joachim Król), der böse Shir Khan (Ben Becker) und der Affenkönig Louie (Christian Berkel).

Ein wichtiges Element im neuen "Dschungelbuch" ist die Spannung. Immer wieder gerät Mogli im Urwald in Gefahr, dramatische Szenen spielen sich ab, für jüngere Kinder vielleicht etwas beängstigend. Einige komische Momente lockern die Stimmung aber auf, ebenso wie die altbekannten Lieder, die durch den Zeichentrickfilm zu Kultsongs wurden. Angesichts der oft düsteren Tonalität des Films wirken sie allerdings eher aufgesetzt und fast fehl am Platz.

Wenn Balu im alten Zeichentrickfilm unbekümmert durch den Urwald trampelt, Ameisen unter Steinen aufleckt und sich mit Mogli amüsiert, kann er gar nicht anders, als vor Lebensfreude loszusingen: "Probier's mal mit Gemütlichkeit." In der Neuauflage ist das nicht so. Zwar freunden sich Mogli und Balu hier auch an, doch innig wirkt ihre Beziehung nicht. Balu ist ohnehin kein Ausbund an Frohsinn, dem man diesen Freudenausbruch so ohne Weiteres abnimmt. Authentischer wirkt Affenkönig Louie, wenn er neidvoll singt: "Ich wäre gern wie du." Hörenswert im englischen Original ist übrigens Scarlett Johansson als die Sinne verwirrende Riesenwürgeschlange Kaa.



Das Spektakulärste aber sind die Bilder, geschaffen von einem Team, das schon bei visuell überwältigenden Filmen wie "Avatar - Aufbruch nach Pandora" oder "Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger" dabei war. Real gedrehte Filmszenen mischen sich mit digitalen Dschungel-Welten und am Computer geschaffenen Tieren, die so lebensecht wirken, dass die Grenzen für die Zuschauer verschwimmen. Künstler in Indien schossen außerdem 100 000 Fotos, die als Vorlage für die Gestaltung des üppigen Urwalds dienten. Normal gedreht wurden dagegen die Szenen mit Mogli-Darsteller Neel Sethi. Keine leichte Aufgabe für den Schüler, dessen Spiel dann auch etwas distanziert wirkt. Da die Tiere nachträglich eingefügt wurden, hatte er keine echten Spielpartner am Set. Favreau engagierte deshalb Puppenspieler, die die Rolle der Tiere übernahmen, im Film aber nicht zu sehen sind.

Nächste Neuverfilmung 2017


Der Zeichentrickfilm von 1967 hatte in Deutschland Kultstatus. Ob der neue Film an diesen Erfolg anknüpfen kann, bleibt abzuwarten. Doch nicht zu lange. Denn bereits 2017 soll die nächste Neuverfilmung ins Kino kommen, dieses Mal aus den Studios Warner Bros. und inszeniert von Andy Serkis, der mit der Rolle als Schimpanse Caesar im "Planet der Affen - Revolution" selbst schon einschlägige Erfahrungen sammeln konnte.

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Regie: Jon Favreau - Mit den Stimmen von Ben Becker, Armin Rohde und Jessica Schwarz - Musik: John Debney - 106 Minuten - frei ab sechs Jahren - Im Internet: www.junglebook-film.de
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