Morgen präsentiert der Vatikan die Umwelt-Enzyklika - Macht Franziskus nun auch als Öko-Papst ...
"Laudato si" - ein Manifest aus Sorge um die Schöpfung

Papst Franziskus beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz: Wenn das Kirchenoberhaupt eine ganze Enzyklika der Verantwortung für die Schöpfung widmet, hat das Gewicht. Wenn sich der Papst auch zur Klimapolitik äußert, muss er mit Widerspruch rechnen. Bild: dpa
Der Vatikan war sauer: Schon vorab ist ein Entwurf der mit Spannung erwarteten neuen Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus an die Medien gedrungen. Offiziell wird das päpstliche Lehrschreiben erst morgen veröffentlicht. Was man jetzt schon weiß:

Was ist eine Enzyklika und warum ist sie so wichtig?

Eine Enzyklika ist eines der wichtigsten Lehrschreiben der katholischen Kirche. Sie soll den Gläubigen als Wegweiser dienen, auch wenn diese die oft etwas langatmigen Texte kaum komplett lesen werden. Sie sind aber wichtig für die Interpretation des "Programms" eines Papstes und seiner Schwerpunktsetzung.

Wie kam Franziskus' erste Enzyklika an?

"Lumen fidei" ("Licht des Glaubens") handelte von der Bedeutung des Glaubens und trug stark die Handschrift seines Vorgängers Benedikt XVI. Erstmals in der Geschichte der katholischen Kirche hatten zwei Päpste ein solches Werk gemeinsam vollendet. Die Reaktionen waren gemischt. Viele bemängelten, dass der Text zu viele Vorbehalte gegen die Aufklärung und Moderne enthalte und eher von Benedikt geprägt war.

Worum dreht sich das Schreiben dieses Mal?

Es geht um das Thema Umweltschutz und Klimawandel. Der Titel des rund 200 Seiten langen Schreibens ist "Laudato si, sulla cura della casa comune" (Gelobt seist Du - Über die Sorge um unser gemeinsames Haus der Schöpfung). Eine Referenz an Franziskus' Namensgeber Franz von Assisi, der ist mit seinem Sonnengesang "Laudato si" zum großen "Öko-Heiligen" der Kirche geworden ist.

"Diese Enzyklika richtet sich an alle. Möge ihre Verantwortung für das gemeinsame Haus wachsen, das Gott uns allen anvertraut hat", hat Franziskus angekündigt. Erwartet wird, dass der Papst argumentiert, dass vor allem ärmere Länder unter den Folgen der Umweltzerstörung leiden und dass jeder Mensch die Schöpfung schützen muss. "Der Papst wird auch bei diesem Thema die Verantwortung der Kirche, Anwältin für die Armen zu sein, wahrnehmen", sagte die Professorin für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Münster, Marianne Heimbach-Steins.

Wie viel Einfluss kann so ein Schreiben auf politische und wirtschaftliche Entscheidungen haben?

Experten betonen, dass es sich nicht um ein politisches "Manifest" des Papstes handeln wird. Aber: "Die Stimme des Papstes wird weltweit gehört", sagt Heimbach-Steins. Und weiter: "Der Papst will mit der Enzyklika ausdrücklich einen Beitrag zu der Weltklimakonferenz in Paris Ende dieses Jahres leisten."

Warum gibt es schon Kritik an dem Schreiben?

Schon oft wurde Franziskus angekreidet, dass er sich zu sehr in politische Geschäfte einmische. Weil er Auswüchse des Kapitalismus angeprangert hatte, bezeichneten ihn Kritiker als Marxist. Wenn er nun den Umweltschutz in den Fokus stellt, könnte er der Öko-Papst werden. "Es gibt jetzt schon Stimmen, die dem Papst - übrigens mit zweifelhaften Argumenten - die Kompetenz absprechen, zu den brisanten Fragen etwas zu sagen", sagt Heimbach-Steins. Vor allem in den USA hat die Enzyklika vorab konservative Kritiker auf den Plan gerufen, die bezweifeln, dass der Klimawandel menschengemacht ist oder überhaupt existiert.

Das Thema Umweltschutz ist für den Vatikan und Päpste nicht neu, was ist jetzt das Besondere daran?

Auch Franziskus Vorgänger Papst Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben sich für den Umweltschutz und die Bewahrung der Schöpfung eingesetzt. Aber es ist das erste Mal, dass eine ganze Enzyklika das Thema behandelt. "Wenn das Oberhaupt von mehr als einer Milliarde Katholiken weltweit die Bewahrung der Schöpfung und insbesondere den Schutz der Erdatmosphäre zum Mittelpunkt einer Enzyklika macht, ist das natürlich ein starkes Signal", so der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, der das Schreiben morgen mit vorstellen wird.
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