Motörhead-Frontmann
Lemmy Kilmister im Alter von 70 Jahren gestorben

Lemmy Kilmister verstand es, mit seiner Band Motörhead bei jedem Konzert - wie hier im Juni in Nürnberg bei Rock im Park - aufs Neue zu begeistern. Nun ist er im Alter von 70 Jahren an einer Krebs-Erkrankung verstorben, nur zwei Tage nachdem er die Diagnose erhalten hat. Bild: T. Schwarzmeier
 
Lemmy Kilmister und "die lauteste Band der Welt" prägten eine ganze Generation Heavy-Metal-Fans. Bild: Unger

Trotz - oder wegen? - Drogen, Alkohol und endlosen Frauengeschichten schien Motörheads Frontmann mit dem verwegenen Piratenbart unverwüstlich. Nach einem exzessiven Leben stirbt Lemmy Kilmister im Alter von 70 Jahren.

London. Hat es ihn also doch erwischt - den Unkaputtbaren des Rock 'n' Roll, die "größte Rampensau der Heavy Musik überhaupt", wie er sich selbst gerne bezeichnete, den singenden (oder eigentlich dauerheiseren) Sänger und Bassisten der lautesten Band der Welt namens Motörhead: Lemmy Kilmister.

Der Mann wirkte auf den Außenstehenden wie ein in Stein gemeißeltes Monument des Heavy-Rock, unangreifbar, unnahbar. Der fatalistische Lebens- wie Todesverächter, passenderweise am Weihnachtstag 1945 in Stoke-On-Trent im Westen Englands auf diesen Planeten geplumpst, war eine lebende Legende, eine Kultfigur, ein Monolith des Rock 'n' Roll.

Kilmister lebte die Sex-'n'-Drugs- und vor allem Rock-'n'-Roll-Nummer 24 Stunden am Tag, war pausenlos auf Tour, stets leichte Frauen um sich geschart, die Jack-Daniel's-Pulle in Griffweite, wahlweise auch eine laut dröhnende Bassgitarre. Was bei jedem anderen zum Klischee verkam, war bei Lemmy blutiger Ernst, das Dasein per se.

Jetzt also hat der Tod Einzug gehalten, rasend schnell: Heiligabend feierte Kilmister noch seinen 70. Geburtstag, zwei Tage später bekam er die Diagnose, dass ein extrem aggressiver Krebs-Tumor in seinem Inneren wütet, wiederum zwei Tage später war er tot. Bei einem Interview mit der Heavy-Rock-Ikone anno 2006 in der Suite eines Berliner Nobelhotels war alles wie immer: Die Jack-Daniel's-Flasche auf dem Tisch beinahe leer, der Aschenbecher quoll über.

Trotz solch kräftezehrender Umstände wirkte Lemmy damals kaum müde, dafür aufgeräumt, und ein zuvorkommender Gastgeber war er allemal - "Höflichkeit", hat er immer wieder in Gesprächen bekräftigt, "ist eine der wichtigsten menschlichen Stärken". Einen höflicheren Fatalisten als ihn kann man sich schwer vorstellen. Wie fühlt man sich denn als der ewige Außenseiter, der immer hart am Rand existiert? "Da ich keine andere Daseinsform kenne, fühle ich mich wirklich wohl dabei", sinnierte Lemmy. "Ich glaube an so was wie Karma, dass man sich also seine Existenz nicht aussuchen kann. Wir haben keine große Wahl. Insofern lässt man sich wohl besser auf das ein, was man hat und was man kennt."

Laster: Alkohol und Drogen


Wobei ihm offensichtlich auch Alkohol oder Speed halfen, um gelegentlich zu vergessen, dass man keine Wahl hat. "Logisch, sonst würde ich das Zeug nicht einschmeißen, wenn es keine Wirkung hätte", grinste Lemmy freundlich. "Obwohl", fügte er hinzu, "gerade Jack Daniel's trinke ich auch, weil ich seinen Geschmack mag. Und weil ich mich gelassen und gut fühle, wenn Jack durch meine Adern rauscht. Ich bin es gewohnt, Unmengen reinzupressen und stecke Alkohol ziemlich gut weg. Er ist wie Flüssignahrung für mich."

Hatte er keine Angst, dass ihn der Alkohol irgendwann nicht mehr motiviert, sondern zerstört? Da antwortete der Fatalist in Lemmy: "Über so etwas denke ich erst nach, wenn es soweit ist, dass ich darüber nachdenken muss. Und wer weiß, vielleicht muss ich nicht darüber nachdenken, weil ich es dann nicht mehr kann? Ich existiere stets für den Moment, so habe ich es immer gehalten. Und bin damit ziemlich alt geworden. Jedenfalls alt genug, wenn man meinen Lebensstil bedenkt."

Lemmy, der Mann, der mit sich im Reinen ist. "Auf alle Fälle", lachte er dröhnend und kippte seinen Drink. "Das Leben hat es letztendlich gut mit mir gemeint", philosophierte er. "Und da ich weder an Gott noch an den Teufel glaube, muss ich mich auch vor keinem der beiden Gesellen irgendwann rechtfertigen. Ich habe keine Angst vor dem Tod, denn der Tod ist letztendlich nur ein neuer Abschnitt. Irgendetwas wird mit mir passieren, wenn ich gestorben bin. Ich weiß nur nicht, was. Deshalb lasse ich mich einfach mal überraschen."

Danach packte Kilmister sich seine abgewetzte Lederjacke vom Sofa und machte sich daran, das Hotelzimmer zu verlassen. Auf der Rückseite der Jacke stand "Born To Lose" geschrieben. Was es damit auf sich hatte? Lemmy starrte einige endlos wirkende Sekunden vor sich hin. Dann meinte er nur: "Jeder Mensch ist auf die Welt gekommen, um zu verlieren. Es gibt keine Sieger." Dann ging er davon, grußlos. Nun ist er also aus dem Leben gegangen.

Sprüche von Lemmy KilmisterDer Bandleader der Heavy-Metal-Band Motörhead Lemmy Kilmister war berühmt für seine Sprüche. Eine Auswahl:

"Ich glaube nicht an den Teufel, und ich glaube auch nicht an Gott. In unserer Welt da draußen existieren aber sehr viele menschliche Teufel."

"Ich bin immer noch wütend und sollte es auch sein. In der Welt passiert so viel Scheiße, und es wird immer schlimmer, nicht besser."

"Rock'n'Roll ist definitiv nichts für alte Leute, das ist amtlich. Unser Geheimnis ist wohl, dass wir eigentlich immer noch Kinder sind."

"Ich bin von Whiskey auf Wodka umgestiegen."

"Rassismus ist das Übel unserer Welt. Nazi sein bedeutet, dass du verloren hast, bevor du anfängst. Du kannst nicht gewinnen. Du bist nur dumm."

"Ohne sie wäre niemand von uns hier. Sie haben das Prinzip Band erfunden. Vorher stand ein Mann vorn, hinter ihm spielten die Begleitmusiker." (Über die Beatles.)

"Es sah einfach gemeiner aus. Deutscher." (Über das ö im Bandnamen Motörhead.)

"Das war eine super Zeit, der Sommer von 1971. Ich kann mich nicht daran erinnern - aber ich werde sie niemals vergessen!"

"Wenn du denkst, dass du zu alt bist für Rock'n'Roll, dann bist du es." (dpa)
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