Nachruf Abschied vom Happy-Sound

Die Party ist unterbrochen, alle Lautsprecher schweigen. Es ist der Tag, an dem man sich vor einem Maestro zu verneigen hat, der uns mit seiner Musik so viele frohe und in Erinnerung bleibende Stunden beschert hat.

James Last ist tot. Doch der zu seinem Markenzeichen gewordene Happy-Sound bleibt. So, wie er sich das gewünscht hat, als wir vor ein paar Monaten letztmals mit ihm telefonierten.

Hansi, wie ihn seine Freunde nannten, freute sich auf seine Tournee 2015. Im Dezember, als er in seinem Hamburger Haus die Arrangements schrieb, sagte er mit trockenem Humor: "Du weißt ja, dass ich gerade noch von der Schaufel gesprungen bin." Nur eine Notoperation hatte sein Leben gerettet. Nach nur kurzer Rekonvaleszenz kehrte die alte Schaffenskraft noch einmal zurück. Und man merkte: James Last wollte diese letzte große Konzertreise. Ein Dirigent und Bandleader, der sich und seine Leute zu Höchstleistungen trieb. Auch wenn das Alter schon tiefe Spuren in seinen Körper gegraben hatte.

Die Welt war nicht nur morgens um sieben für ihn in Ordnung. Er wusste, dass sein Publikum wartete, gönnte sich keine lange Auszeit. So wurde dann diese Abschiedstour zu einem Triumphzug. Sie führte James Last nach Jahren auch wieder nach Regensburg. Mit alten Hits wie "Biscaya" und neuen Songs, die aus seiner Feder stammten. Plötzlich stürzte dieser so unverwüstlich scheinende Mann auf der Bühne. Ein lähmender Augenblick. Doch Hansi machte weiter. So, als ob nichts gewesen wäre. Die Show wurde auf sein Geheiß hin durchgezogen.

Regensburg war im April die vorletzte Station seiner Tournee. Am Abend darauf endete sie in Köln. An der Donau und am Rhein trat er ganz zum Schluss ans Mikrofon und stellte in Aussicht: "Vielleicht ist das ja doch kein Abschied und wir sehen uns in zwei Jahren wieder." Doch es war das letzte Farewell. Man ahnte es und war in Sorge.

Adieu, Hansi. Du warst der letzte große Big-Band-Leader, hast immer mit Respekt von Kollegen wie Billy Vaughn, Glenn Miller und Herb Alpert gesprochen. Jetzt hat der Tod einen endgültigen Schlussstrich gezogen.

kultur@derneuetag.de
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