Nachruf zum Tod von Sir George Martin, der "fünfte Beatle"
Sein Sound veränderte die Pop-Welt

Am 20. November 1995 kamen die "Beatles" (von links) Ringo Starr, Paul McCartney und George Harrison zusammen, um mit dem Produzenten George Martin den Lennon-Titel "Free As A Bird". neu einzuspielen. Der Song wurde rund 25 Jahre nachdem sich die erfolgreichste Band der Welt getrennt hatte und 15 Jahre nachdem John Lennon erschossen wurde, aufgenommen. Bild: dpa
 
1997 produzierte Sir George Martin Elton Johns neue Version von "Candle in the Wind" zum Tod von Prinzessin Diana. Das Lied wurde zur bestverkauften Single aller Zeiten. Bild: dpa

Kein Plattenlabel wollte die Beatles haben - bis George Martin im Jahr 1962 zuschlug und die künftigen Weltstars unter Vertrag nahm. Bald galt er als fünftes Mitglied der Band. Sein Tod bestürzt die Musikwelt.

London. Der Entdecker und Produzent der Beatles, George Martin, ist tot. Der Brite mit dem Spitznamen "Fünfter Beatle" starb am Dienstag im Alter von 90 Jahren in seinem Zuhause, wie sein Management mitteilte. Er sei ein "wahrer Gentleman und wie ein zweiter Vater" gewesen, schrieb Ex-Beatle Paul McCartney (73) am Mittwoch auf seiner Homepage. "Wenn irgendjemand den Titel fünfter Beatle verdient hat, dann war es George." Auch Bandkollege Ringo Starr trauert: "George wird vermisst werden", twitterte der Ex-Beatles-Schlagzeuger und dankte ihm für seine "Liebe und Güte".

Sohn eines Handwerkers


Martin hatte 1962 erstmals Probeaufnahmen der Musiker aus Liverpool gehört und gab ihnen ihren ersten Plattenvertrag. Der Sohn eines Londoner Handwerkers hatte an der renommierten Londoner Guildhall School of Music studiert, zunächst professionell Oboe gespielt und war 1955 mit nur 29 Jahren an die Spitze des Plattenlabels Parlophone gerückt. Im Oktober 1962 erschien dort "Love Me Do", die erste Beatles-Single. "Sir George Martin war ein Musik-Gigant - er arbeitete mit den Fab Four, um die beständigste Popmusik der Welt zu schaffen", schrieb der britische Premierminister David Cameron auf Twitter. Nachdem die Band sich aufgelöst hatte, baute Martin die berühmten Air Studios auf der Karibikinsel Montserrat, wo unter anderem Dire Straits, Phil Collins, Elton John und Michael Jackson Musik aufnahmen. 1997 war er an der Produktion von Elton Johns Megahit "Candle in the Wind" beteiligt, der bis heute meistverkauften Single.

Auch Roger Moore trauert


Doch mit der Musik der Beatles arbeitete Martin noch über Jahrzehnte - 2006 etwa produzierte er mit seinem Sohn Giles das Remix-Album "Love". "Das ist das allerletzte Mal, dass ich an irgendeiner Beatles-Platte arbeite", sagte er anlässlich der Veröffentlichung, "ich bin 80 Jahre alt, Himmelherrgott." Giles dankte seinem Vater auf Twitter für die gemeinsame Zeit. "Ich liebe dich. Ich bin so stolz, dein Sohn zu sein."

Auch James-Bond-Darsteller Roger Moore (88) trauerte am Mittwoch um den vielfach ausgezeichneten Produzenten, der die Musik von Moores erstem 007-Film "Leben und sterben lassen" (1973) komponiert hatte. "Wie sehr traurig, aufzuwachen mit der Nachricht, dass Sir George Martin uns verlassen hat. Er sorgte dafür, dass mein erster Bond-Film brillant klang!", twitterte der Schauspieler.

"So am Boden"


John Lennons Sohn Sean Ono Lennon (40) schrieb: "Ich bin so am Boden, ich habe nicht viele Worte." Martins Produzentenkollege Mark Ronson (40), der unter anderem mit Amy Winehouse gearbeitet hat, bedankte sich bei dem Verstorbenen: "Der größte britische Musikproduzent aller Zeiten. Wir werden nie aufhören, in der Welt zu leben, die du mitgeschaffen hast."

Der echte fünfte Beatle

Ein Nachruf von Stefan Voit

Seine Liebe galt der Klassik, und als er 1950 zum Schallplattenkonzern EMI kam, wurde er Assistent beim Plattenlabel Parlophone. Dort betreute er die Abteilungen Jazz und Comedy. Bis er 1962 Brian Epstein traf, der ihm die Musik von vier bislang unbekannten Jungs aus Liverpool vorspielte. "Es war ziemlich lausig", erinnerte sich Martin später. "Aber irgendetwas klang interessant".

Dieses "Irgendetwas" zog den Produzenten so in seinen Bann, dass er sich fortan um die Beatles kümmerte und einen Sound erschuf, der in die Ohren der Menschheit kroch. Ohne den Gentleman George Martin gäbe es weder das Klavier-Solo von "In My Life", noch das Feedback bei "I Feel Fine" oder die B-Piccolo-Trompete bei "Penny Lane".

Er hörte, was die Jungs nicht in Noten schreiben konnten und setzte es musikalisch um. Seine künstlerische Kreativität, sein Gespür für Rhythmus, Tempo und Melodie machten "Rubber Soul", "Revolver" und "Sgt. Pepper" erst möglich. Bis auf das von Phil Spector verhunzte "Let It Be", produzierte er alle Alben der Beatles: "Sie werden auch in 100 Jahren noch da sein. Aber ich nicht." Falsch! Wir werden immer George Martin in den Liedern der Beatles mithören.

stefan.voit@derneuetag.de

Ehrentitel "Fünfter Beatle"London. (dpa) George Martin, langjähriger Produzent der Beatles, galt fast als einer von ihnen - die britische Presse nennt ihn den "fünften Beatle". Diesen Spitznamen hatte der am Dienstag gestorbene Brite aber nicht exklusiv. Auch diese Männer wurden oder werden gerne als Nummer fünf der Fab Four aus Liverpool bezeichnet:

Brian Epstein: Ohne ihren Manager wäre aus den Beatles vielleicht nichts geworden. Epstein war es, der sie im legendären Covern Club in Liverpool entdeckte und von 1961 an unermüdlich bei Plattenfirmen anklopfte, um einen Vertrag für die vier (damals noch mit Schlagzeuger Pete Best) aufzutreiben. Sein Tod im Sommer 1967 gilt als Anfang vom Ende der Beatles als Band.

Pete Best: Betrat im Sommer 1962 mit John Lennon, Paul McCartney und George Harrison die heutigen Abbey Road Studios. Er wurde aber noch der Veröffentlichung der ersten Single "Love Me Do" ersetzt, erst durch Studio-Schlagzeuger Andy White, dann durch Ringo Starr.

Stuart Sutcliffe: War wirklich mal der fünfte Beatle - Sutcliffe war ihr Bassist, als sie vor ihrer großen Zeit in Liverpool und Hamburg zu fünft auftraten. Die Malerei war ihm allerdings wichtiger. Er starb 1962 im Alter von nur 21 Jahren.

Neil Aspinall: Der Schulfreund von George Harrison und Paul McCartney kutschierte als Roadmanager die Fab Four zu ihren Konzerten und leitete später ihr Unternehmen Apple Corps. Aspinall galt als einer der wenigen engen Vertrauten der Beatles. In "Yellow Submarine" sang er den Refrain mit. Er starb 2008 an Krebs. (dpa)


Der größte britische Musikproduzent aller Zeiten. Wir werden nie aufhören, in der Welt zu leben, die du mitgeschaffen hast.Produzent Mark Ronson
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