Nackedeien im Nachbarort

Gleich geht"s los: Toni Tobias Schmauß, von links), Holger (Ralf Legat), Rudi (Ruppert Grünbauer), Franz Xaver (Reinhard Kausler), Stefan (Bernhard Neumann) und Leonhard (Peter Wittmann) haben sich schon in Schale geworfen, um für ihren Auftritt als "Die glorreichen Sechs" die Frauen zu betören. Bilder: Tobias Schwarzmeier (2)

Die Chippendales können einpacken: Denn was die Oberpfalz zu bieten hat, davon kann Amerika nur träumen. In der "Ladies Night" ziehen "Die glorreichen Sechs" blank - im wahrsten Sinne des Wortes.

Respekt! Am Ende ist den Schauspielern die Erleichterung deutlich anzumerken. Obwohl sich die sechs Männer keine Gedanken zu machen brauchten: Völlig blank zu ziehen - und das im wahrsten Sinne des Wortes - verlangt schon viel Mut, wenn man dem gegenwärtigen Schönheitsideal entspricht. Wenn dies aber nicht der Fall ist und eher Waschbär- als Waschbrettbäuche zu den Astralkörpern gehören - dann braucht "Mann" schon wirklich viel Selbstbewusstsein.

"Ganz oder gar nicht"

Bei der Premiere der "Ladies Night" am Samstag Abend des Landestheaters Oberpfalz (LTO) verspricht Geschäftsführer Frank Kasch: "Sie werden kreischen." Und er sollte recht behalten. Nicht nur die weiblichen Besucher - ja, auch Männer haben sich mit unter das Publikum gemischt, das nicht zu knapp - sind ob des Striptease hellauf begeistert. Die Geschichte ist schnell erzählt: Die Freunde Stefan und Rudi sind arbeitslos und haben auch in der Liebe nicht gerade rosige Aussichten. Stefans "Ex" will ihm das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn absprechen, Rudis Frau beklagt sich über zu wenig körperlichen Kontakt. Als dann auch noch die Chippendales im Dorf auftreten, ist das Selbstbewusstsein der Männer völlig im Keller.

Dann aber kommt ihnen die Erkenntnis: Damit ist ja richtig Geld zu verdienen! "500 kreischende Weiber, die jeweils 30 Euro Eintritt zahlen!?", rechnet sich Stefan die Einnahmen schon zusammen. Ausgerechnet er, über dessen Bauch ein T-Shirt mit der Aufschrift "Bier formte diesen wunderbaren Körper" prangt.

Der Entschluss ist gefasst: "Das können wir auch." Schnell finden sich noch vier weitere Mitstreiter: der schüchterne Holger, der noch bei seiner Mutter wohnt, Franz Xaver, der seinem Leben als Rentner wieder mehr Schwung verleihen möchte. Leonhard, dessen vom Luxus verwöhnte Frau nichts von seiner Arbeitslosigkeit weiß, und der homosexuelle Toni, der einfach gerne auf der Bühne steht. Als "Die glorreichen Sechs" wollen sie die Damenwelt mit ihren Bier- und Leberkäs gestärkten Körpern betören. Während Toni mit seinem "besten Stück" überzeugen kann, treiben Leonhard Komplexe um: "Meiner is so kurz." Nach Rudis Meinung kann sich der Tanzlehrer da aber noch glücklich schätzen. "Mein sigt ma gor nird", sagt Rudi und klopft sich auf seinen Bauch.

Mit dem "Playboy" in der Hand wehrt sich Stefan gegen den "widerlichen Fleischbeschau" bei den Chippendales. Mit unterschiedlichen Tricks versuchen die Männer für ihren großen Auftritt ihre Körper fitzumachen: Während Toni und Holger im Fitnessstudio ihre Muskeln stählen, wickelt sich Rudi in Frischhaltefolie, um das Fett wegzuschmelzen. Leonhard plagen dagegen ganz andere Sorgen: Die Seniorentanzgruppe, die er unterrichtet, sitzt bei der Stripshow in der ersten Reihe!

Die Geschichte des englischen Films "Ganz oder gar nicht" hat Regisseur Till Rickelt in die heutige Oberpfalz versetzt. In tiefstem Dialekt hecken Stefan und Co. ihre Pläne für die Stripshow aus. "Mia zeing alles", spornt Stefan die anderen an.

Noch sechs Aufführungen

Geschickt umgesetzt hat Pascal Seibicke das Bühnenbild: Drei Schiffscontainer passen sich multifunktional als Schauplätze den Szenen an. Ein Ballettstudio wird so zum Beispiel zur Showbühne. Eine witzige aber auch nachdenkliche Inszenierung ist den Verantwortlichen des LTO mit dem Stück "Ladies Night" da gelungen.

In der nahezu ausverkauften Premiere in der Stadthalle Neustadt sind sich auch die Damen und Herren einig: Pfiffe, Kreischen und Applaus geben den Darstellern und Machern recht: Mit ihrer Darstellung haben sie genau den Geschmack des Publikums getroffen. Wer einmal wieder von Herzen lachen und sich gut unterhalten lassen möchte, ist bei der "Ladies Night" genau richtig. Noch sechs Mal gibt es die Gelegenheit, die Oberpfälzer Chippendales zu bewundern.

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Weitere Vorstellungen der "Ladies Night": Sonntag, 25. Januar, Schwarzachtalhalle Neunburg; Donnerstag, 29., Freitag, 30., Samstag, 31. Januar, sowie Freitag, 6., und Samstag, 7. März, Stadthalle Neustadt (Beginn jeweils 20 Uhr). Tickets beim NT/AZ-Ticketservice (Telefon 0961/85550 und 09621/306230) sowie unter www.nt-ticket.de.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.landestheater-oberpfalz.de
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