Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft
Wo das Meer den Wald holt

Einmalige Bilder bietet der eindrucksvolle Weststrand mit seinen umgestürzten, vom Meer geholten Bäumen. Man erreicht ihn nur zu Fuß oder mit dem Rad. Hier ist das Spiel der Elemente hautnah mitzuerleben. Die Bäume an der Küste beugen sich dem steten Westwind und wachsen schief nach Osten - das sind die berühmten "Windflüchter". Bilder: Gebhardt
 
Die Nordspitze der Halbinsel. Hier lagert das Meer den am Weststrand abgespülten Sand wieder an. Rechts unten ist der Darßer Ort mit dem Leuchtturm zu sehen. Ein reizvoller Dünenweg führt um ihn herum.
 
Solche alten Reetdachhäuser machen den Charme des Dorfes Born aus.

Der Strand ist unordentlich. Bäume liegen herum, die Uferkante bricht allmählich weg, Treibholz türmt sich. Der stürmische Wind treibt Sandwolken herum, die Wellen rauschen weißbezopft herein. Der Darß gehört zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Die See macht hier, was sie will. Sie darf das nämlich.

Wer die Region Fischland-Darß-Zingst von Süden her erreichen möchte, der hat mit dem Auto nur eine passable Möglichkeit: Bei Rostock geht es nach rechts auf der einzigen Bundesstraße vorbei an Ribnitz-Damgarten über eine schmale Landenge durch das Fischland ins Künstlerdorf Ahrenshoop auf den Darß. Gleichzeitig wechselt man dort von Mecklenburg nach Vorpommern. Im Osten schließt sich die Halbinsel Zingst an, ein europaweit wichtiger Kranich-Rastplatz. Der Darß selbst misst etwa zwölf mal zwölf Kilometer. Er zieht jedes Jahr Tausende von Naturliebhabern an.

Zwischen den Meeren


Während an die Westküste die Ostsee brandet, liegt im Westen die Boddenlandschaft: Flache, ruhige Seen mit einer Mischung aus Süß- und etwas Salzwasser. Der Angler freut sich hier über den Zander und den Hecht genauso wie über den Hering oder Dorsch im Norden, wo die Bodden-Kette mit der Ostsee verbunden ist.

Fast rundum vom Wasser umgeben, fasziniert die Landschaft durch urwüchsige Wälder und herrliche Strände. Man lebt inzwischen hauptsächlich vom Tourismus, von Ahrenshoop über Born bis Prerow, Saal, Fuhlendorf oder Barth - dort endet übrigens auch die Usedomer Bäderbahn. Langweilig wird es hier nicht, auch wenn abends meist der Gehsteig hochklappt auf dem Land. Aber das muss kein Nachteil sein. Gut möglich, dass das einzige Geräusch bei Sonnenuntergang auf der Ferienhausterrasse das Ticken der Uhr im Wohnzimmer ist.

Land geht, Land kommt


Die einzelnen Teile der Region waren früher Inseln, sie verbanden sich erst in den letzten Jahrhunderten zur jetzigen Form einer Halbinsel, wie ein nach Osten gerichteter rechter Winkel. Fast an der Ecke oben liegt der Darßer Ort mit seinem Leuchtturm. Von Fischland über den Weststrand bis dorthin wird heute noch von der Ostsee bei Sturmflut Sand abgetragen und nordöstlich wieder angespült - neues Land entsteht, der Weststrand bricht dagegen langsam, aber kontinuierlich weg.

Der Urwald auf dem Darß ist vom Menschen schon lange genutzt worden. Auf 5800 Hektar stehen gewaltige sogenannte Weidbuchen, die von früherer Viehhaltung zeugen. Aber auch Rotbuchen- und Kiefernwälder, Fichten, Lärchen und Douglasien sind gepflanzt worden, Roterlen-Bruchwälder säumen die sumpfigen Zonen. Der meterhohe Königsfarn gibt dem Wald seinen typischen märchenhaften Charakter.

Hier lebt eine große Rotwild-Population, Hirschbrunft am Ostseestrand gibt es sonst wohl nirgends. Hier weideten früher sogar Elche. Hermann Göring ließ auch Wiesente auswildern und ging viel zur Jagd, nach dem Krieg dann auch Erich Honecker.

Baden in der Natur


Autos dürfen im Darßwald nicht fahren, Fahrräder sind allgegenwärtig. Leider auch manchmal die unsäglichen Betonplatten-Wege aus DDR-Zeiten. Sie beanspruchen Wirbelsäule und Arme der Radfahrer teils schon enorm, werden nun aber endlich Zug um Zug ausgebaut. Ansonsten ist der urige, naturbelassene Wald ein Paradies für Radler und Wanderer, die sich dank der übersichtlichen, geometrisch angelegten Wege am Großen oder Kleinen Stern treffen. Zahlreiche Übergange führen hinaus an den Weststrand, wo auch gebadet wird - völlig ohne Kiosk, Autoparkplatz und manchmal auch Textilien.

Ferienwohnungen und -häuser dominieren in den Dörfern, was leider auch zu negativen Erscheinungen führt: So will ein Investor in dem verträumten Dorf Born mit seinen Reetdach-Häusern den sogenannte Borner Holm, eine Zone von überregionaler ökologischer Bedeutung zwischen Dorf und Bodden, mit Hotel, Häusern und Ferienwohnungen (insgesamt bis zu 670 Betten) bebauen.

Dagegen kämpft die "Bürgerinitiative zum Erhalt des unbebauten Borner Holm". Sie will das Landschaftsschutzgebiet und das Dorf in der heutigen Form bewahren. Der Charakter des 1100-Seelen-Dorfes mit seinen privaten Gastgebern wäre durch das Projekt wohl endgültig zerstört. Dabei gäbe es an anderer Stelle in Born genügend Platz für ein solches Vorhaben, ohne massive Eingriffe in die Natur.

Vielfalt an Museen


Doch noch lässt es sich hier herrlich wandern und Rad fahren rund um den Bodden, das hervorragende Essen genießen und auch die zahlreichen Museen und Ausstellungen bewundern. Ein Muss in dieser Region sind das Bernstein-Museum in Ribnitz-Damgarten, das Darß-Museum in Prerow, das Meeresmuseum und das Ozeanum in Stralsund. Gönnen sollte man sich auch die Aussicht vom Leuchtturm am Darßer Ort und die dortigen Ausstellungen.

Neben Boddenrundfahrten gibt es auch eine Schiffsverbindung von Prerow nach Hiddensee - immer eine (Tages-)Reise wert. Auf den insgesamt gut sechs Stunden Schifffahrt entdeckt der Beobachter Kormorane, Reiher, zahlreiche Möwenarten, Enten, Gänse, Schwäne und oft sogar den Seeadler. Am Horizont taucht Stralsund auf, dann geht es an der Küste von Rügen entlang.

Ausgedehnte Radtouren sind hier ein Genuss, auf meist gut ausgebauten Wegen, durch ausgedehnte Wiesen und Wälder. Und wenn man die richtige Ferienwohnung erwischt, dann ist es nachts wirklich extrem ruhig. Und das hat ja auch was für sich.

Kultur und KunstFischland-Darß-Zingst ist eine 45 Kilometer lange Halbinsel an der Ostseeküste zwischen Rostock und Stralsund. Sie trennt die Darß-Zingster Boddenkette von der offenen Ostsee. Den südwestlichen Abschnitt der Halbinsel bildet das Fischland, es folgt der Darß, an den sich nach Osten die Halbinsel Zingst anschließt. Die Halbinsel gehört zu großen Teilen zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.

Kunst und Kultur liegen auf Fischland-Darß-Zingst untrennbar beieinander. Ein abwechslungsreiches Angebot kultureller Veranstaltungen, zahlreiche einladende Galerien und Ateliers sowie regelmäßige Kunstausstellungen prägen die Orte der Halbinsel. Die einstige Künstlerkolonie Ahrenshoop inspiriert mit ihrer einzigartigen Landschaft und den besonderen Lichtverhältnissen seit über 100 Jahren Künstler aus aller Welt.

Die Zeesenboote zählen zu den schönsten Traditionsseglern weltweit. Während sie einst als Fischerboote die Boddengewässer befuhren, laden die liebevoll restaurierten Zeesenbooten heute zu Törns ein. Auf Fischland-Darß-Zingst liegen die Gemeinden Wustrow, Ahrenshoop, Born, Wieck, Prerow und Zingst. (ge)

Weitere Informationen im Internet:

www.fischland-darss.zingst.de
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