Neue CD der Blues Pills
Der Blues als Ganzes

 
Seit 2011 sind die international besetzten "Blues Pills" erst aktiv, nachdem sich die schwedische Sängerin Elin Larsson und die aus dem US-Bundesstaat Iowa stammenden (Halb-Brüder) Zack Anderson (Bass) und Cory Berry (Schlagzeug) in Kalifornien begegnet waren und ihnen in Frankreich der damals 16-jährige Gitarrist Dorian Sorriaux über den Weg gelaufen war. Bild: Peder Carlsson

Kaum ein Album einer Newcomer-Band wurde sehnlicher erwartet als das Zweitlingswerk des nach der Formation benannten Debüts Blues Pills. Das Quartett - französischer Gitarrist, amerikanischer Bassist und schwedischer Schlagzeuger sowie eine Sängerin aus demselben Land - war die Novizen-Sensation der letzten Jahre

Das liegt auch oder gerade daran, weil die Anfang- und Mitt-Zwanziger im Retro-Rausch schwelgen, irgendwo zwischen Janis Joplin, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane oder Cream. Fast zwei Jahre nach Erscheinen des Erstlings, der in Deutschland bis auf Position 4 in den Charts vorgeprescht war, kommt "Lady In Gold" (Warner).

Um für dieses Großereignis gebührend die Werbetrommel zu rühren, gibt die Band den Medien Interviews im 30-Minuten-Takt, ohne dabei gestresst zu wirken. Frontfrau Elin Larsson und Gitarrist Dorian Sorriaux sitzen einfach nur mit wachen Augen auf der Couch in einem Hotel im Herzen von München und warten auf Fragen.

Seit ihr in der Öffentlichkeit aufgetaucht seid, werdet ihr mal enthusiastisch, mal mitleidig als "Retro-Band" bezeichnet. Wie fühlen sich junge Leute wie ihr in dieser Ecke anno 2016?

Dorian Sorriaux: Wir haben absolut kein Problem mit dieser Definition. Denn tatsächlich ist die Hauptinspirationsquelle für unseren Sound die wilde, originäre Musik der 1960-er und 1970-er. So etwas Einzigartiges wird es nie wieder geben! Wobei "retro" in unserem Fall hoffentlich nicht bedeutet, dass die Leute glauben, wir würden stumpf kopieren. Tatsächlich sind wir Individualisten, besitzen eigenes kreatives Talent und spielen unseren eigenen Stoff.

Elin Larsson: Liebend gerne halten wir die "Woodstock"-Fahne hoch. Die Hippie-Generation war etwas Einmaliges und auch Unwiderstehliches, wenn man sich als Freigeist sieht. Nun, wir sind Neo-Freigeister.

Die männliche Fraktion der Blues Pills sieht die Band gerne in der Blues-, Psychedelik- und Hard Rock-Ecke angesiedelt, Elin hingegen fühlt sich im Soul zu Hause. Wie geht das zusammen?

Sorriaux: Für mich persönlich ist tatsächlich der Blues die Basis des Ganzen. Er hat so etwas Bodenständiges, jegliche Zeit Überdauerndes. Schließlich wollen wir keine Party-Mucke fabrizieren, keinen Bubblegum-Sound - Bubblegum im Sinne von "Kaugummi", auf dem man eine Zeitlang fröhlich herum kaut, um ihn nach kurzer Zeit auszuspucken.

Larsson: Ich kann mit den oben genannten Grundpfeilern der Jungs prima leben (lacht) - so lange sie mich singen lassen, wie es mir passt! Tatsächlich haben mir meine Eltern von Kindesbeinen an jede Menge Soul und Gospel vorgespielt. Diese Musik hat mich befeuert, ich habe stundenlang dazu geträllert. Ziemlich früh wurde mir klar, dass ich Sängerin werden möchte. Soul-Vokalisten haben ihre eigene Identität, sie müssen stark sein und originell klingen. Das ist der Weg, auf dem ich mich unbeirrt befinde.

Wenn man sich die Tourpläne der letzten Jahre seit eurer Gründung 2012 anschaut, kann einem schwindlig werden - es scheint, als wäret ihr unentwegt auf irgendwelchen Bühnen dieser Welt unterwegs. Wie habt ihr es geschafft, eure zwei Studioalben aufzunehmen?

Larsson: Tatsächlich sind die beiden Produktionen sehr konzentriert und fokussiert abgelaufen. Die Rohversionen von Musik wie von den Texten, für die hauptsächlich Bassist Zack und meine Wenigkeit verantwortlich zeichnen, entstanden entweder nachts in Hotelzimmern oder untertags im Tour-Bus. (lacht) Da gibt es ansonsten eh nicht viel zu tun! Und als wir überzeugt waren, dass die Demos ausgereift genug sind, verschanzten wir uns samt Produzenten im Studio und nahmen in relativ kurzer Zeit auf, um danach gleich wieder on the road zu gehen.

Was sind eurer Ansicht nach die Hauptunterschiede zwischen dem Debüt und dem aktuellen Nachfolgewerk?

Larsson: Eine Zeitlang plagte mich eine Schreibblockade, ich war kreuzunglücklich...

Sorriaux: Also haben wir unserer Sängerin etwas unter die Arme greifen müssen. (lacht) Wir haben viel mit ihr gejammt, damit ihr Kreativitäts-Motor wieder anspringt.

Larsson: Irgendwann war ich jedenfalls motiviert am Start, nachdem uns allen bewusst wurde, in welche Richtung die Reise auf "Lady In Gold" gehen sollte - noch mehr Soul und Psychedelik als bisher, ohne dabei die Blues Rock-Wurzeln zu vernachlässigen. Inhaltlich lassen wir uns dieses Mal von Termini wie "Fantasie", "Märchenhaftigkeit" und einer gewissen "Abgehobenheit" leiten.

Sorriaux: Wobei das Ganze soooo abgehoben auch nicht ist. Ich meine: Ich liebe Hawkwind und die frühen Pink Floyd. Aber auch bodenständiges Zeug wie Taste oder Muddy Waters. Wichtig ist uns, dass die Mischung stimmt.

Wer ist eigentlich diese "Lady In Gold", die eurer Scheibe den Titel verpasst hat?

Larsson: Sie ist Sinnbild für den Tod. Allerdings einer (lacht) sehr vitalen Version des Todes! Die "Lady In Gold" ist wunderschön, brandgefährlich, lasziv und verschlagen. Wer sich näher auf sie einlässt, für den endet diese Begegnung, nun ja, in der Regel tödlich. Aber das ist auf jeden Fall ein ziemlich spannendes Ableben.

Was ist für die nähere Zukunft geplant bei euch?

Sorriaux: Touren, Touren, Touren! Wir sind ja Rock & Roller - was also könnten wir sonst anstellen mit unserer Zeit? Na eben.

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Blues Pills spielen am 15. Juli im Airport in Obertraubling. Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0.

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