Neuer Film von Doris Dörrie
"Grüße aus Fukushima" läuft im Kino

Marie (Rosalie Thomass, links) hilft Satomi (Kaori Momoi) ihr völlig zerstörtes Haus im Sperrgebiet Fukushimas wieder auf Vordermann zu bringen. So unterschiedlich die zwei Frauen wirken, so sehr werden sie beide von den Geistern ihrer Vergangenheit gequält. Bild: Mathias Bothor/Majestic/dpa

Doris Dörries neuer Film "Grüße aus Fukushima" ist ein wunderschönes Porträt über die Menschen in und um das Sperrgebiet in Fukushima geworden. Die schwarz-weißen Bilder verleihen dem Werk die Poesie. Hinzu kommt eine wundervoll spielende Rosalie Thomass.

Berlin. Wohl nirgends spiegelt sich so viel Traurigkeit wider wie im Gesicht eines bedrückten Clowns. Wenn die junge Deutsche Marie (Rosalie Thomass) an ihre zerplatzten Lebensträume und an den Verlust ihrer großen Liebe denkt, hat sie eben jenen Ausdruck, der von all dem Schmerz zeugt. Wenn sie sich im Film als Clown geschminkt nach Fukushima aufmacht, schafft das wundervoll poetische Bilder, die all die Melancholie einfangen.

Dörrie, der Japan-Fan


In Japan trifft Marie auf die Geisha Satomi (Kaori Momoi), die in ihr völlig zerstörtes Haus in der Sperrzone zurückkehrt. Wie unterschiedlich die beiden Frauen sind, zeigt eine Szene, in der die zwei einen Tee trinken. Satomi zelebriert das, wofür sie Marie bewundert: "Du bist so elegant." Wenn die Deutsche allerdings zu Kanne und Tasse greift, klirrt's und klimpert's, wofür die Japanerin nur Spot übrig hat: "Und du bist ein Elefant." Letztlich verbindet die beiden jedoch, dass sie mit ihrer Vergangenheit hadern.

Doris Dörrie hat eine gute Entscheidung getroffen, dass sie den Streifen in Schwarz-Weiß gedreht hat. Das passt zu dem Werk, das seine Weltpremiere bei den 66. Internationalen Filmfestspielen Berlin in der Reihe Panorama Special feierte. Dort verriet die Regisseurin auch, weshalb sie sich gegen Farbe in ihrem Film entschied: "Weil es eine Verbindung zu den großen, alten japanischen Filmen herstellt. Außerdem sieht alles so viel besser aus in Schwarz-Weiß."

Dörrie gilt als großer Japan-Fan. 1985 flog sie zum ersten Mal in das Land. 25 weitere Reisen folgten. Sie kennt die Kultur und die Menschen, liebt das Land. Ein halbes Jahr nach der Atomkraftwerks-Katastrophe zog es Dörrie nach Fukushima. Sie musste feststellen: "Die Farbe war aus der Landschaft verschwunden." Kein Grün mehr, kein Blau, alles sehr bedrückend. Die Idee zum Film entstand bei Dörrie wegen zweier Begegnungen. Sie habe einen alten Mann gesehen, der auf den Fundamenten seines völlig zerstörten Hauses stand. Außerdem besuchte sie die Container-Unterkünfte, den "Temporary Housing Communities", in denen auch heute noch Opfer der Katastrophe untergebracht sind. Und auch dort traf sie auf alte Menschen, vornehmlich Frauen. Die Jungen hatten die Region verlassen.

Einfühlsam und politisch


Das hat Dörrie in ihrem Film verarbeitet. Sie hat die Statistenrollen sogar vorwiegend mit diesen Menschen besetzt. Um die Risiken für Schauspieler und Filmcrew abzuschätzen, arbeitete die Regisseurin mit einem Strahleninstitut zusammen: "Es stellte sich raus, dass es okay ist, dort mehrere Wochen zu bleiben." Herausgekommen ist ein bewegender Film mit vielen einfühlsamen Szenen und einem politischen Statement. Denn Dörrie sagt: "Die Leute sind von der Regierung absichtlich vergessen worden. Das ist erschütternd und beschämend." Mit "Grüße aus Fukushima" hat die Regisseurin, jetzt wo sich die Katastrophe zum fünften Mal jährt, nicht nur einen wunderschönen Film für die Leinwand geschaffen, sondern auch die zurückgebliebenen Menschen in Fukushima wieder in den Fokus gerückt.

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Regie: Doris Dörrie - Mit Rosalie Thomass, Kaori Momoi und Moshe Cohen - Musik: Ulrike Haage - 102 Minuten - frei ab 12 Jahren - Im Internet: www.gruesseausfukushima.de
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