Neues Album von Loreena McKennitt
Der Ewigkeit entgegen

 
Loreena McKennitts eklektische, keltische Musik - eine Mischung aus Pop, Folk und Weltmusik hat unzählige Fans weltweit und inzwischen mehr als 14 Millionen Alben verkauft. Bild: Ann Cutting

Die Musik von Loreena McKennitt wird nicht häufig im Radio gespielt. Denn sofern man sie begreifen, verstehen und schließlich verehren will, bedarf es eines hohen Aufmerksamkeitsgrads. Den aber setzen Mainstream-Radio-Macher äußerst selten voraus. Und so wird die Klangwelt der Kanadierin, wenn überhaupt, höchstens im Nachtprogramm eingesetzt.

Der Karriere der 59-Jährigen aus der Provinz Manitoba hat dieser Umstand nicht geschadet: Mehr als 15 Millionen Tonträger hat sie verkauft, jedes neue Album entert die Charts, ihre Konzerte sind durch die Bank ausverkauft. Was hauptsächlich daran liegt, dass Loreena McKennitt einen Trend bedient, der außerhalb der oberflächlichen Hörgewohnheiten zu Hause ist: Mystisch klingende Lieder, gespickt mit traditionell irischen, keltischen und orientalischen Motiven. Man fühlt sich beim Hören rasch in eine Welt von Elfen oder Hobbits versetzt, alles wirkt traumverwunschen und jenseitig.

Seit 20011 zieht die "bekennende Eskapistin" Resümee ihrer über 30-jährigen Karriere, indem sie auf dem eigenen Label "Quinlan-Road-Records" Stück für Stück ihre bislang 15 Alben digital remastert auf Vinyl herausbringt. Aktuell ist "The Visit" erschienen. McKennitt befindet sich auf einer Reise, die noch nicht zu Ende ist, wie die sympathische Kanadierin, mittlerweile in Ontario zu Hause, im Gespräch beteuert.

Sie haben weltweit rund 15 Millionen Alben verkauft, ausgerechnet als Kanadierin keltischer Musik zu einem modernen Anstrich verholfen und bringen jetzt Stück für Stück Ihre Alben auf altmodischem Vinyl heraus. Sind Sie stolz auf Ihre Karriere?

Loreena McKennitt: Ehrlich gesagt gibt es kaum etwas, das ich bereuen würde. Das mag arrogant klingen, doch so ist es nicht gemeint. Ich bin einfach nur all die Jahrzehnte über stur meinem kreativen Weg gefolgt. Es gab nie Alternativen, ich wollte in keiner Phase meiner abwechslungsreichen Karriere je etwas anderes spielen als das, was ich letztlich gespielt habe. Irgendwie bin ich stolz auf mich, schlicht auf den Umstand, dass ich durchgehalten habe. Denn meine Musik ist sehr speziell und alles andere als einem Trend entsprechend. Dennoch habe ich eine Unmenge an treuen Fans. Erstaunlich...

Würden Sie Ihren Sound eher als "keltisch" oder eher als "Ethno" bezeichnen?

Eine solche Definition ist für mich eine heikle Angelegenheit. Anscheinend brauchen die meisten Musik-Konsumenten irgendwelche Kategorisierungen, um sich in der weit verzweigten Welt der Kunst zurecht zu finden. Wie soll ich diesen Menschen eine Orientierungshilfe sein? Für mich ist der Stoff, den ich mache, schlicht "Loreena-Sound". Ich weiß, das ist die einfachste Lösung. Doch ich glaube in der Tat, dass niemand sonst auf der Welt Musik wie die meine spielt.

Ihr Sound ist jedenfalls sehr mystisch, geradezu spirituell. Ganz bewusst?

Ich drücke es mal so aus: Meine Musik ist sehr weit außen vor. Das liegt vor allem daran, dass es mir ein wichtiges Anliegen ist, mit mir selbst und mit den gewaltigen Mächten des Kosmos stets in Einklang zu stehen. In der Tat bin ich eine sehr spirituelle Person, ohne mich irgendeinem religiösen Dogma zu unterwerfen. Ich möchte der Ewigkeit, die uns ja alle umfasst und betrifft, ganz entspannt entgegen gleiten können. Musik ist auf diesem Weg mein wichtigster Ratgeber und Helfer.

Wie kam es dazu, dass Sie vor einigen Jahren beschlossen haben, Ihren Gesamtkatalog peu á peu auf Vinyl erneut veröffentlichen zu wollen?

Ich bin mit diesem Format groß geworden, es ist eine äußerst sinnliche Möglichkeit, dem Neugierigen seine Kunst zu präsentieren, finde ich. All dieses Unperfekte, wenn es gelegentlich knistert beim Abhören einer Schallplatte, all diese emotionale Wärme, die Vinyl einer sterilen CD voraus hat. Außerdem freue ich mich sehr, dass Vinyl seit einigen Jahren ein neues, vor allem junges Publikum findet! Eine Schallplatte ist, so pathetisch das klingen mag, eine Art Heiligtum für jeden ernsthaften Liebhaber von Musik. Insofern konnte ich gar nicht anders, wenn ich schon Chefin einer eigenen Plattenfirma bin, dass ich mich auf Vinyl-Veröffentlichungen zurück besinne.

Wie sind die Reaktionen auf diese Veröffentlichungs-Politik?

Absolut fantastisch, was ich im Vorfeld nie geglaubt hätte! Wir machen jedenfalls weiter. Und halten damit irgendwie eine etwas marode Industrie am Laufen, indem wir sie zurück zu ihren Wurzeln führen.

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Weitere Informationen:

www.loreenamckennitt.com

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