Neues von Elvis Presley
Songs aud dem "Jungle Room"

Elvis in seiner letzten Lebensphase: Von der Gestalt her nur mehr ein Schatten seiner selbst. Doch musikalisch noch immer ein Genie. Bild: George Hill
 

Er hatte oft die seltsamsten und ausgefallensten Ideen. Irgendwann ließ Elvis Presley in seiner Villa Graceland den Jungle Room einbauen. Mit üppigen Grünpflanzen und einem Wasserfall an den Wänden. Seine Vorstellung von amerikanischem Wohnkomfort.

Von Wolfgang Houschka

Heute eigentlich ein Relikt, das nur dadurch bei Besuchern prickelnde Gefühle weckt, weil dort der "King of Rock'n'Roll" mit seinen Kumpels und diversen Damen bisweilen wilde Partys feierte. Es geschah vor 40 Jahren. 1976, als er schon dick und vom Medikamentenkonsum aufgedunsen daherkam, ließ Elvis mit hohem Aufwand seine Villa so ausstatten, dass dort professionelle Studiorecordings entstehen konnten. Danach orderte er zusammen mit seinem Produzenten Felton Jarvis die Aufnahme-Trucks seiner Plattenfirma RCA.

Denn Presley, seinerzeit 41 Jahre alt, wollte unbedingt etwas in Szene setzen, das sich Home-Recording nannte. Daheim aufnehmen. Unbehelligt von Fans, in lockerer Runde mit seinen musikalischen Mitstreitern. Leute, die im Jungle Room dabei waren, sind unterdessen auch in der Oberpfalz durch diverse Konzerte bekannt: Der Gitarrist James Burton, Schlagzeuger Ronnie Tutt, dazu Pianist Glen D. Hardin, die Bassisten Norbert Putnam und Jerry Scheff. Männer, die zu jener Zeit mit dem King nahezu pausenlos durch die Staaten tourten, seine Gewohnheiten kannten und genau wussten, wie Elvis Presley durch und durch professionell seine Aufnahme-Sessions gestaltete.

Für Presley sollte es eine neue Schaffensphase werden. Keiner ahnte damals, dass er nur noch ein Jahr zu leben hatte. Im Jungle Room entstanden Aufnahmen, die das Material lieferten für seine letzten beiden Alben: "From Elvis Presley Boulevard in Memphis/Tennessee" und "Moody Blue". Wichtige Meilensteine in der sich dem Ende zu neigenden Karriere des Megastars. Zwischen Grünpflanzen, hawaiianischen Schnitzereien und dem kitschigen Wasserfall entstanden Songs, die noch einmal nach all den erst mehr und dann auch weniger erfolgreichen Jahren des Mannes aus Tupelo/Mississippi zeigten, wie unglaublich vielseitig er war. "Solitaire" nahm er auf, dann "Moody Blue", "Hurt", Coverversionen wie "Blue Eyes Crying In The Rain", "Danny Boy" und vor allem das unvergleichlich gute "Hurt".

Als Elvis am 16. August 1977 starb, war das ebenfalls im Jungle Room produzierte "Way Down" gerade weltweit in die Hitparaden-Charts gelangt. Jetzt, vier Jahrzehnte später, gibt es die komplette Jungle-Room-Session erstmals auf zwei CDs. Die eine enthält alle sogenannten Master-Takes, die später auf den Longplayern "From Elvis Presley Boulevard in Memphis/Tennessee" und "Moody Blue" erschienen.

Die zweite aber ist, nicht nur für Fans, weitaus interessanter. Sie enthält einzelne Stationen der mehrtägigen Zusammenkunft, die so bisher nie in die Läden kamen. Outtakes von bester Qualität samt Dialogen zwischen den Musikern. Immer im Mittelpunkt dabei: Der Hausherr von Graceland. Er trieb sie an, rastlos auf der Suche nach Perfektion.

"Way Down In The Jungle Room", (Legacy/Sony Music) wie sich die am 5. August weltweit in die Geschäfte kommende Veröffentlichung nennt, wurde von dem Grammy-prämierten Toningenieur Matt Ross-Spang in Memphis neu abgemischt. Er wollte, dass Gitarrist James Burton mit dabei war. Er kam dann auch und wurde Zeuge eines Ereignisses, das vier Jahrzehnte nach dem Meeting im Jungle Room deutlich macht: Elvis Presley war schlichtweg ein Genie.

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Weitere Informationen:

www.elvis.de www.legacy-club.de

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