New Yorker "MoMA" zeigt Skulpturen von Picasso - Oft aus Schrott und Abfall gefertigt
Als Bildhauer ein Autodidakt

Das Kunstwerk "Bust of a Woman" (links) in der New Yorker Ausstellung "Picasso Sculpture". Bild: dpa
Da ist dieses Mädchen. Es hat lange Haare und trägt eine Schleife auf dem Kopf. Das Kleid ist kurz, die Schuhe sind sehr schick. Fast aufpoliert wirken sie. Das Mädchen springt Seil. Es scheint zu schweben, hängt mitten in der Luft. Nur die Hände umklammern das dicke, U-förmige Sprungseil. Fast beweglich mutet das Werk an. Doch fußt das Seil auf einem schweren, bronzenen Fundament.

"Little Girl Jumping Rope" ist ein Kunstwerk von Pablo Picasso. Doch blickt das junge Mädchen nicht von einer Leinwand auf seine Betrachter herab. Vielmehr steht es mitten im Raum und ist von allen Seiten zugänglich. Das seilspringende Mädchen ist eine Skulptur, eine der zahlreichen plastischen Arbeiten des weltberühmten Künstlers, die ab heute in der Ausstellung "Picasso Sculpture" im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) zu sehen sind. Den Kuratoren gelingt eine faszinierende Schau, die einen Blick auf ein bislang fast unbekanntes Werk des Künstlers ermöglicht.

Für sich behalten

Denn Pablo Picasso (1881-1973) war vor allem als Maler tätig, seine Gemälde erzielen noch heute astronomische Summen. So wurde "Les femmes d'Alger" kürzlich für fast 180 Millionen Dollar versteigert. Den Großteil seiner Skulpturen behielt Picasso Zeit seines Lebens lieber für sich, anstatt sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. "Er hat mit seinen Skulpturen zusammengelebt, als seien es Möbel, Haustiere, gar Familienangehörige", erklärt Ausstellungs-Kuratorin Ann Temkin.

Dafür mag es einen guten Grund gegeben haben. Denn die Skulpturen spiegeln auch persönliche Geschichten wider. So schätzen Kunstkenner wie Ann Temkin, dass es sich bei dem kleinen Mädchen mit dem Sprungseil um Picassos Tochter Paloma handeln könnte. Denn die Skulptur entstand 1950, ein Jahr nach ihrer Geburt.

Auf einen anderen Lebensabschnitt Picassos verweist die einzige mehrteilige Skulptur. 1955 zog Picasso mit Partnerin Jacqueline Roque in eine Villa nahe Cannes. Dort gab es keinen Schrottplatz in der Nähe - viele von Picassos frühen Skulpturen entstanden aus Materialien, die er auf der Straße oder auf Schrottplätzen zusammengesucht hatte - und so begann er verstärkt mit Holz zu arbeiten. Es entstanden "The Bathers", eine Gruppe von sechs Figuren, allesamt aus Besenstielen, Möbelresten oder Holzresten gefertigt. Die Figuren sind gemeinsam auf dem Weg zum Strand .

Insgesamt 140 von Picassos Skulpturen zeigt die Ausstellung bis zum 7. Februar 2016. Die Schau gilt laut Museum als umfassendste Ausstellung von Picassos Skulpturen in den USA seit rund einem halben Jahrhundert. Sie folgt einem chronologischen Aufbau, aufgeteilt in die verschiedenen Kapitel seines Schaffens von 1902 bis 1964. Rund 50 der gezeigten Objekte sind Leihgaben des Picasso-Museums in Paris.

Verschiedene Phasen

Jeder der sieben Räume auf der gesamten vierte Etage des Museums zeigt die Werke einer - meist abgeschlossenen - Schaffensphase, die sich durch jeweils andere Techniken, Materialien und Werkzeuge auszeichnen. "Man kann fast nicht glauben, dass es sich bei den einzelnen Werken um ein und denselben Künstler handelt", schwärmt Anne Umland, die die Ausstellung gemeinsam mit Ann Temkin kuratierte.

Doch was zeichnete Picasso als Bildhauer aus? Warum sind diese Werke, neben der persönlichen Bedeutung für den Künstler, auch für die Kunstwelt von Wert? "Picasso hat die Bildhauerei nicht gelernt", erklärt Ann Temkin. Er habe die Regeln nicht gekannt. Dies habe ihm eine besondere Freiheit gegeben. Für "Guitar" (1914) hat Picasso beispielsweise Metallteile mit Drähten zusammengenäht, um die Form einer Gitarre nachzubilden, anstatt sie zu schweißen. Für Ann Temkin ein Schlüsselwerk seiner Bildhauerei: "Picassos Gespür für Innovation und sein enormes Vorstellungsvermögen wird nirgendwo so deutlich wie in seinen plastischen Arbeiten."
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