Oberpfälzer Kultfiguren bei der "Fastnacht in Franken" in Veitshöchheim
Altneihauser blasen den Marsch

Altneihauser-Kommandant Norbert Neugirg (links) begrüßt Horst Seehofer. Der Ministerpräsident bat um milde Worte bei dem Auftritt der Oberpfälzer. Bild: Helmut Kunz

Veitshöchheim. (dpa) Akrobatische Tänze, scharfzüngige Büttenreden und viel Klamauk - das ist die Fernseh-Prunksitzung "Fastnacht in Franken" aus Veitshöchheim. Die 28. Ausgabe besticht zudem durch viel Ernst. Der Höhepunkt ist wieder ein Auftritt von Oberpfälzer Kultfiguren.

"Idiotische Europäer" und "doofe Vollpfosten": Kaum ein Künstler von "Fastnacht in Franken" wollte am Freitagabend dieses Thema außen vor lassen. Ob singend, büttenredend, johlend oder ganz nebenbei - die Stars der Sendung stellten sich während der Fernseh-Prunksitzung vor einem Millionenpublikum sehr deutlich gegen die islamkritische Bewegung Pegida, Fremdenhass und Fanatismus.

"25 000 Vollpfosten"

So lästerte Wortakrobat Oliver Tissot über die islamkritische Bewegung als "Pegida-Perfida-Verarschung", Klavierspieler Matthias Walz sang von den "25 000 Vollpfosten" in Dresden, die doofer seien als sie dächten. Und auch der Schweinfurter Büttenredner Peter Kuhn, seit mehr als 20 Jahren eine feste intellektuelle Größe bei der "Fastnacht in Franken", wurde deutlich: "Wie halten wir's drum streng genommen, mit Flüchtlingen, die zu uns kommen? So mancher ist schon alarmiert und sieht das Land islamisiert, wenn zweimal pro Monat ganz konkret ein Halbmond dort am Himmel steht." Doch trotz aller Ernsthaftigkeit gab es für die rund 600 Zuschauer im Veitshöchheimer Saal und das Fernsehpublikum auch den traditionellen Klamauk und die lockerleichten Lästereien über die bayerischen Politiker.

Lieber Markus als Aigner

Finanzminister Markus Söder ist und bleibt dabei die Lieblings-Zielscheibe für die scharfzüngigen Komiker. Er kam als friedfertiger Mahatma Gandhi, der "geduldig seinen Weg gehen" will. Nicht nur wegen seines Seifenoper-Auftritts im Bayerischen Fernsehen musste sich Söder einiges anhören ("Da nützt auch der Ilse kein schönes Dekolleté, ich bin der George Clooney vom Wördersee"). Auch als möglicher Seehofer-Nachfolger wurde er immer wieder gern installiert. So war sich Sitzungspräsident Bernd Händel sicher, dass die Abkürzung "LMAA" bedeute in Franken nicht "Leck mich am Arsch", sondern "Lieber Markus als Aigner".

Ork Rinderspacher

SPD-Fraktionsvorsitzender Markus Rinderspacher kam als blutrünstiger Ork, Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein als Froschkönig, CSU-Staatssekretärin Dorothee Bär als schnelles Internet im blinkenden Outfit und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt als Gärtner. Weil die Franken nicht nur genüsslich über andere herziehen, sondern auch selbst einstecken können, durfte zu guter Letzt die Altneihauser Feierwehrkapell'n ihren Senf abgeben. "Alles freut sich so, endlich kommt was mit Niveau", kündigte die ihren eigenen Auftritt an und wurde wie gewohnt mit Buh-Rufen begrüßt.

Unbeeindruckt davon bekamen die Franken von den Gästen verbal gehörig auf die Mütze. "Der Heizölpreis brach völlig ein, billiger als Frankenwein, was den ganzen Erdball schreckt, wo doch das Heizöl besser schmeckt", war nur eines von vielen Beispielen.
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