Olivier Sanrey nimmt in seinem Programm "Alle garstig!" den deutschen Alltag aufs Korn
Belgien wie Bauchspeicheldrüse

Hervorragende Stand-Up Comedy servierte der smarte Belgier Olivier Sanrey dem Schmidt-Haus-Publikum in seinem Programm "Alle garstig!". Der Newcomer hat in diesem Genre schon viele Preise eingeheimst und war am gleichen Abend im Bayerischen Fernsehen im "Schwabinger Vereinsheim" zu sehen. Bild: prh
Nabburg.So garstig, wie es sein Programmtitel vermuten lässt, ist er dann doch nicht. Im Gegenteil: Wenn Olivier Sanrey ein typischer Vertreter der Spezies Belgier ist, dann kann man sich zu solchen Nachbarn beglückwünschen. Mit belgischem Humor und Charme und französischem Akzent nimmt der sympathische Kabarettist am Freitagabend den deutschen Alltag im Nabburger Schmidt-Haus in seinem Programm "Alle garstig!" gehörig auf die Schippe.

Brutale Märchen

Den genießt und kennt er seit 2005 in München. Damals zog es in weg aus seinem Heimatland, dem es wie einer Bauchspeicheldrüse ergeht: "Man hat davon gehört, man weiß nicht wo sie sich befindet, was ist, wenn es sie nicht gibt?" Wegen der Liebe und aus beruflichen Gründen kehrte er damals dem "Asylland und Gnadenhof der Politik" den Rücken und wanderte nach Bayern aus. Seine ersten Erfahrungen mit Deutschland machte er im ICE, in dem er mit 300 Kilometer pro Stunde durch die Landschaft bretterte. In Belgien wird der Beruf des Zugbegleiters dagegen wörtlich genommen: "Die Züge fahren so langsam, dass sie vom Zugpersonal neben den Schienen begleitet werden können". Seinem Ruf, ausgezeichnete Stand-Up Comedy zu servieren, wie man sie vielleicht in London oder New York geboten bekommt, wird der smarte Newcomer gerecht und zwar mit belgischem Ton und französischem Akzent.

Inhaltlich unterscheidet sich die Stand-up-Comedy vom Kabarett vor allem durch die innere Haltung des Comedians gegenüber seinen erzählten Geschichten: Während Kabarettisten ihre pointierte Sichtweise des Weltgeschehens schildern, beschreiben Stand-up-Comedians eher ihre eigenen komischen Konflikte mit der Umwelt und dem Alltag.

Über die kann Sanrey zur Genüge erzählen. So beleuchtet er Grimms brutale Märchenwelt in "Hänsel und Gretel", in dem Gretel zur jüngsten Inquisitorin wird. Im Fitness-Studio gilt er mangels Muskelmasse zur "Van-Damme-Schande". Komisch kommen ihm auch die Nikolausbräuche vor: "Wie kann man Lebensmittel in stinkende Stiefel stecken?". Amüsant findet er auch die Tatsache, dass hierzulande Germanus von Auxere als Patron des Durchfalls gilt und Noah als Schutzpatron der Betrunkenen.

Mit Opa zum Kiffen

Der Kabarettist geht der Frage nach, warum Eltern Junkies sind. Sein Fazit: Die Entstehung bereitet viel Vergnügen, sind die Kinder da, bist du immer müde, die finanzielle Situation verschlechtert sich und du wirkst immer ungepflegter. Mit einer Prise Selbstironie und überzeugender Gestik und Mimik bringt der vielfach ausgezeichnete Belgier das Publikum zum Lachen. Ob er Yoga-Übungen vorführt, die Probleme der Unbeweglichkeit der "Playmobil"-Figur darstellt oder mit seinem Opa, der der Oma nach 50 Ehejahren noch einmal die Treue versprechen wollte zum Junggesellenabschied und Kiffen nach Amsterdam fährt.

Schließlich stellt er fest, dass Frauen in der Liebe keine Komiker wollen. In der geht es ihm daher ähnlich wie mit belgischen Pralinen: "Man hofft immer, die nächste Schachtel ist besser". Am Ende bekommt der sympathische und so gar nicht garstige Belgier großen Applaus.
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