"Orchester am Singrün" gestaltet im Festsaal Wöllershof ein Konzert mit einem weltberühmten und ...
Beeindruckendes Zusammenspiel

Das "1. Klavierkonzert b - moll" op 23 von Peter Iljitsch Tschaikowsky beginnt mit einem dreifachen Hornsignal, Akkordschlägen des Orchesters und bereits im sechsten Takt mit Akkordtürmen des Klaviers, die der Melodie der 1. Violinen und der Violoncelli den feierlichen Rahmen geben. Es soll schließlich "maestoso" klingen.

Noch einmal ertönt dieses Thema, jetzt aber im Klavier. Die Genialität dieser Anlage hat Musikgeschichte geschrieben. Mit dieser großartigen Einleitung begann das Sommerkonzert im Festsaal des Bezirksklinikums Wöllershof mit dem "Orchester am Singrün" unter Dirigent Lutz Landwehr von Pragenau und mit dem Solisten Alexander Maria Wagner.

Das folgende "Allegro con spirito" ermöglichte dem Pianisten ein unruhig drängendes erstes Thema, den Holzbläsern ein sensibles zweites Thema, den Streichern (mit Dämpfer!) dazu eine noch innigere Antwortmelodie. All das erfährt eine grandiose Steigerung zu einer ersten Kadenz und am Ende der mit den Themen spielenden Durchführung zu einer zweiten Kadenz. Nicht nur diese Soli bewältigte der Pianist hinreißend, auch seine Mitwirkung im Zusammenspiel mit dem Orchester war tadellos. Das "Andantino semplice" ist von einfühlsamen romantischen Klängen erfüllt.

Fast kammermusikalisch bieten erst die Flöte, dann das Klavier, schließlich zwei Solocelli eine weitgespannte Melodie dar, zu der das Klavier 16tel-Akkorde beiträgt. Plötzlich mündet alles in ein eingeschobenes "Prestissimo", in dem das leicht abgewandelte Thema rasend unruhig klingt. Alexander Maria Wagner gelingt es faszinierend, den Kontrast darzustellen. Das "Allegro con fuoco" bringt nochmals ein Feuerwerk an Ideen vor, gönnt sich nie einen Ruhepunkt und mündet nach eindrucksvoller Steigerung in ein Thema nach einem russischen Volkslied, das hymnisch in großer Klangfülle ertönt.

Fulminanter Schluss

Und als ob das nicht genug wäre, folgt noch eine Beschleunigung zum fulminanten Schluss. Es war Erstaunen und Hochachtung zugleich, dem 20-jährigen Alexander Maria Wagner zuzuhören, wie er technisch die Anforderungen bewältigte, weiterhin aber den Spielfiguren einen Sinn gab, der über die Bewältigung virtuoser Ansprüche weit hinausging. Als Zugabe spielte der Pianist " Patetico", die Etüde dis - moll op 8/12 von Alexander Scriabin in der fetzigen Art, wie sie gedacht ist.

Nach der Pause ein leider bis heute wenig beachtetes Werk von Sergei Prokofjew, seine "6. Sinfonie es - moll" op 111 . Sie erfordert eine große Besetzung bis zu Englischhorn, Kontrafagott, sechs Hörnern, Harfe, vierfachem Schlagwerk und Klavier. Dementsprechend gibt es voluminöse Klangstrukturen, aber feine und innige Ausdrucksweisen fehlen auch nicht. Neue Tonkombinationen, jedoch ohne Atonalität, zeichnen das Werk aus. Das gilt für den unruhigen ersten Satz, die gewaltigen Tonsteigerungen im "Largo" bis zu einer erhabenen Hymne und die lebendig miteinander verknüpften Episoden des "Vivace". Nur drei Sätze, die sollten aber eigentlich viel öfter aufgeführt werden, denn das Kennenlernen lohnt sich. Erst recht, wenn ein so feinsinniger Dirigent wie Lutz Landwehr von Pragenau dieses Werk vorstellt. Er vermittelt seinen Musikern die Begeisterung, die ein Laienorchester auszeichnet. Ob dabei ganz selten ein Bläserton nicht ganz klappt oder die Pauke mal etwas laut herüberkommt, das ist unerheblich gegenüber dem ständig spürbaren intensiven Engagement für die Musik. In den beiden Zugaben, dem "Tanz der Ritter" aus der 2. Suite "Romeo und Julia" op 64 von S. Prokofjew und dem "Slawischen Tanz g - moll" op 46/8 von Antonin Dvorak hörte man das ebenfalls. Ein wunderbarer Konzertabend, so lautet das Gesamtresümee!
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