"Oscar für Dokumentarfilm ""Citizenfour"" - Chance für Whistleblower-Doku?"
Oscar krönt Spretis Lebenswerk

Professor von Spreti war an einer Vielzahl von Produktionen beteiligt, für die es Auszeichnungen gab. Bild: BR/Natasha Heuse (Archiv)

Amberg/Los Angeles. (hou) Daumendrücken schon Tage zuvor. Das Produzententeam mit Andreas Hense, Dirk Wilutzky, Mathilde Bonnefoy sowie die für den Bayerischen Rundfunk arbeitenden Co-Produzenten und Redakteure Sonja Scheider und Hubert Graf von Spreti hatten bei einem Empfang des deutschen Generalkonsulats in Pacific Palisades (Kalifornien) den Film vorgestellt. Doch konnte eine dokumentarische Arbeit über den in USA als Verräter geltenden Edward Snowden, weltweit bekannt geworden als Whistleblower, tatsächlich bei der Oscar-Verleihung eine realistische Chance haben?

"Ich glaube schon", sagte der deutsche Regisseur Wim Wenders, der ebenfalls für einen Dokumentarfilm nominiert war und auf dem roten Teppich vor dem Dolby Theatre in der Nacht zum Montag (deutsche Ortszeit) sinngemäß äußerte, immer dann, wenn es um ein politisches Thema gehe, habe das letztlich die Nase vorn. Wenders sollte Recht behalten. "And the Oscar goes to: Citizenfour!": Als diese wenigen Worte ertönten, sprangen die in einem Nebenraum wartenden Hubert von Spreti, Sonja Scheider und alle anderen an der Produktion maßgeblich beteiligten Leute auf und gerieten in einen wahren Freudentaumel.

Umarmungen, Küsse auf die Wangen, Händedrücken und dabei in den Gesichtern ein noch immer ungläubiges Staunen. Es war geschafft. Spreti, der gebürtige Amberger, hatte im Jahr seines 65. Geburtstages ein Geschenk erhalten, das durch nichts zu toppen sein wird. Preise stellen für den Leiter der Redaktion "Kinofilm" beim BR keine Seltenheit dar. Arbeiten, an denen er beteiligt war, sind in den vergangenen Jahren immer wieder ausgezeichnet worden. Jetzt, zusammen mit einem vielköpfigen Team, ist sein Mitwirken mit dem Oscar bedacht worden - die Krönung eines beachtlichen Lebenswerks.

"Alle hier sind happy"

"Wir sind noch am Feiern", sagte Hubert von Spreti zwei Stunden nach dem Ende der Oscar-Verleihung zu unserer Zeitung und fügte hinzu: "Danke für die Glückwünsche. Alle hier sind happy." Das Außergewöhnliche, so fügte der Sohn des ehemaligen Amberger Bürgermeisters Carl Graf von Spreti hinzu, sei ja, "dass erstmals die ARD und hier in Sonderheit der Bayerische Rundfunk und der Norddeutsche Rundfunk einen Oscar in der Kategorie Dokumentarfilm gewonnen haben." "Wichtig ist", so Spreti, "dass wir neben unseren regionalen Verpflichtungen nicht die globalen Dinge aus den Augen verlieren. Ein regionaler Sender muss auch immer den Blick in die Welt haben, denn auch unsere Zuschauer sind in der Welt unterwegs." Von daher sei "ein Film wie Citizenfour für uns alle von Bedeutung". Zuvor hatte seine Kollegin Sonja Scheider geäußert: "Ein Zeichen an Präsident Obama. Er muss Edward Snowden begnadigen."
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