Park-Kino wird in Zukunft gastronomisch genutzt
Ziemlich schwerer Abschied

Ein Bild, das längst Vergangenheit ist. Ein Hauch von Berlinale wehte durch Amberg, wenn dei Betreiber-Familie Wörz an den Faschingswochenenden zur langen Filmnacht einlud. Schauplatz war jeweils das Park-Kino-Center, das mittlerweile verkauft und geschlossen ist. Bild: Unger (Archiv)
Amberg. (tk) Schauspieler wie Dieter Borsche und Ruth Leuwerik mobilisierten in Amberg die Massen. Es war der 22. Dezember 1953, als das Ring-Theater mit dem Film "Königliche Hoheit" eröffnete. Das Park-Kino-Center ist Baujahr 1938 und damit noch älter. Nach diesem Wochenende sind beide Lichtspielhäuser ein Teil der Geschichte.

Das Park-Kino ist bereits geschlossen. Der neue Eigentümer Michael Fellner möchte es gastronomisch nutzen (wir berichteten). Heute schlagen auch die letzten Stunden des Ring-Theaters. Betreiber Andreas Wörz (48) öffnet ab 19 Uhr zur Abschiedsvorstellung. Zu sehen ist ab 20.30 Uhr "Ziemlich beste Freunde". Morgen zieht noch einmal Leben ein, wenn die Projekthilfe Dr. Luppa und Socialis for the Gambia ab 14.30 Uhr die Dokumentation "Auf dem Weg zur schule" zeigen. Dann ist Schluss. Im Interview schildert Wörz seine Gefühlslage. Er beschreibt, wie er sich die letzten Tage "im Ring" und die Zukunft vorstellt.

Herr Wörz, an diesem Wochenende schließt das Ring-Theater nach 62 Jahren. Wie schwer fällt Ihnen dieser Schritt?

Andreas Wörz: Beim Ring sind es 62 Jahre, beim Park waren es 77. Natürlich ist es nicht einfach, wenn man praktisch im Kino aufgewachsen ist. Demzufolge fällt es mir schon schwer. Noch schwerer wäre es mir allerdings gefallen, zuzusehen, dass immer weniger Gäste kommen.

Zum Abschied läuft heute Abend "Ziemlich beste Freunde". Warum gerade dieser Film?

Wörz: Er hat unsere Gäste und auch mich in den letzten Jahren wohl am meisten beeindruckt. Er vermittelt eine wirklich gute Botschaft. Zum einen, dass man nie aufgeben sollte, egal, in welcher Situation man sich befindet. Und zum anderen den Wert der Freundschaft.

Was erwartet die Besucher außerdem, die heute Abend kommen?

Wörz: Das bestimmen sie selbst. Wir bieten einen tollen Film, gute Gespräche und Musik, für die Tom Scheimer als Discjockey sorgt.

Der Eintritt ist frei. Der Ansturm dürfte garantiert sein.

Wörz: Das ist schwer einzuschätzen. Jeder, der will, ist willkommen und kann bleiben, so lange er will.

Was passiert mit den Gummibärchen- und Popcorn-Vorräten?

Wörz: Wir hoffen, dass heute noch ganz viel weggeht. Soweit wir die Sachen nicht zurückgeben oder weiterverkaufen können, haben wir an die Amberger Tafel gedacht.

Steht schon fest, wie die Kinos künftig genutzt werden?

Wörz: Das Park gehört mir ja nicht mehr. Es wird voraussichtlich als Gastronomie weiterbetrieben. Für das Ring ist für die Zukunft eine kulturelle Nutzung geplant. Derzeit lasse ich gerade die Kosten ermitteln, die eine Nutzungsänderung mit sich bringen wird. Dann müssen wir uns Gedanken über die Finanzierung machen. Wir hoffen, dass hier die Stadt Amberg mit ins Boot kommt. Wir werden es jedenfalls anbieten.

Bis dahin droht der Innenstadt ein weiterer Leerstand.

Wörz: In der Zwischenzeit werden wir immer wieder mal eine cineastische Sonderveranstaltung einstreuen, wenn es sich anbietet.

Wird sich Andreas Wörz im neuen Cineplex, das in der ersten März-Hälfte öffnen soll, jemals einen Film anschauen?

Wörz: Warum nicht? Ich habe ja nun endlich Zeit, mir auch mal Filme anzusehen. Das Cineplex ist ein neues und hoffentlich schönes Kino mit sicherlich guter Qualität. Also warum nicht reinschauen?

Sie sind 48 Jahre alt und haben einen Großteil ihres Lebens in den beiden Kinos verbracht. In diesen Tagen endet also auch ein Teil ihrer ganz persönlichen Geschichte. Wie gehen Sie damit um?

Wörz: Ich blicke auf viele gute Jahre mit den Kunden und Mitarbeitern zurück und möchte eben diesen Danke sagen für die gute Zeit. Das ist nun Vergangenheit. Es ist an der Zeit, wieder nach vorne zu schauen und das Leben zu leben.
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