Pfahlbauten-Ausstellung
Zeugnisse einer untergegangenen Kultur

Eine Ausstellungs-Mitarbeiterin bestaunt im Kloster in Bad Schussenried (Baden-Württemberg) eine Radscheibe aus Ahorn und Esche (2900 bis 2500 v. Chr.). Sie wurde in Allershausen-Grundwiesen im Kreis Biberach gefunden. Die Ausstellung "4000 Jahre Pfahlbauten" wird bis zum 9. Oktober im Kloster Schussenried und im Federseemuseum in Bad Buchau gezeigt. Bild: dpa

Gut erhaltene Werkzeuge, Textilien und Waffen aus der Jungsteinzeit gelten in der Forschung als Sensation. Bei den Ausgrabungen der Pfahlbauten sind solche Funde Alltag. Nun werden sie ausgestellt.

Vor 7000 Jahren lebten die Menschen nicht in Steinhäusern, sondern bauten Pfahlbauten, die auf Holzstämmen standen. Die Unterkünfte der Jungsteinzeit und Bronzezeit lagen meist am Wasser, etwa an Flüssen, Seeufern, in Sümpfen oder am Meer. Genau dies erweist sich heute als Glück für Archäologen: Denn unter Wasser oder in Mooren haben sich organische Materialien aus der damaligen Zeit vielerorts gut erhalten. Bei Kontakt mit Sauerstoff aus der Luft wären sie zerfallen. Der Kultur der Pfahlbauer widmet sich nun die große baden-württembergische Landesausstellung 2016. "4000 Jahre Pfahlbauten" ist im Kloster Schussenried und im Federseemuseum Bad Buchau zu sehen. Dabei zeigt Schussenried Entdeckungen aus der Jungsteinzeit, und Bad Buchau widmet sich der Bronzezeit.


___ Internationale Stücke
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In Europa wurden Pfahlbauten zwischen dem fünften und ersten Jahrtausend vor Christus, vor allem im alpinen Raum errichtet. Aus dieser Zeitspanne zeigt die Ausstellung rund 1200 internationale Stücke aus 100 Jahren Pfahlbauforschung und will damit einen Überblick über die Geschichte der Pfahlbauer geben. Sie geht der Frage nach: Was können uns die Pfahlbauten über das damalige Leben sagen?

In der Jungsteinzeit greift der Mensch zum ersten Mal massiv in die Natur ein. Er fällt und verbrennt ganze Waldabschnitte, um seine Pfahlbausiedlungen zu errichten, pflanzt Getreide an, züchtet Nutztiere und stellt so auch seine Ernährung um: Erstmals wird Brot gebacken und eine Art Mozzarella hergestellt.

Auch wenn die Menschen zu dieser Zeit bereits sesshaft waren, siedelten sie höchstens 80 Jahre lang am gleichen Ort. Dann wurde ein neues Gebiet erschlossen und eine neue Pfahlbausiedlung errichtet. Warum dies so war, ist in der Forschung umstritten. Der wissenschaftliche Berater der Ausstellung, Helmut Schlichtherle, vermutet, dass die Gründe im Wirtschaftssystem und der Waldnutzung liegen. Wenn der umliegende Wald gerodet war, musste umgesiedelt werden. Das war ein enormer Aufwand, denn bis zu 1000 Menschen lebten in einer Pfahlbausiedlung.

Inzwischen wurden an rund 1000 Orten Überreste solcher Siedlungen gefunden. Zudem entdeckten die Archäologen Holzwerkzeuge, Fischernetze, Musikinstrumente, Kleidung und Nahrungsmittel. Alles in einem erstaunlich guten Zustand.

Solche jahrtausendealte Funde gelten in der Forschung als selten. "Bei den Pfahlbauten gehören diese aber zum Alltag", erklärt Schlichtherle. Ein Grund, warum 111 Siedlungen dieser Art aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und Slowenien zum Unesco-Weltkulturerbe zählen.

Die bekanntesten Grabungsstätten befinden sich in Unteruhldingen und Ludwigshafen am Bodensee sowie im oberschwäbischen Bad Schussenried und Bad Buchau. Die Fundschichten, in denen die Überreste der Pfahlbauten gefunden wurden, liegen jedoch unter der Erde. "Wenn man an die Seen und Moore kommt, sieht man gar nichts", erklärt Schlichtherle. "Alles muss ausgegraben werden."


___ Das älteste Rad
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Zu den Höhepunkten gehört ein mehr als 5000 Jahre altes Holzrad aus Slowenien - das älteste Rad, das bisher in Europa gefunden wurde. "Auch wenn der Schwabe sehr fleißig ist, das Rad hat er nicht erfunden", sagt Schlichtherle. Denn auch im deutschen Südwesten wurden steinzeitliche Holzräder gefunden, die sind jedoch rund 400 Jahre jünger und laut Schlichtherle Nachbauten des slowenischen Originals.

Der Ausstellungsteil im Federseemuseum Bad Buchau widmet sich dann den Neuerungen in der Bronzezeit. Kurator Fabian Haack hat diesen Teil konzipiert: "Durch die Bronzenutzung entwickelte sich ein Fernhandelsnetzwerk, die Werkzeuge wurde stabiler und praktischer", erklärt er. So zeigt das Museum zum Beispiel Sicheln, die einen ergonomischen Handgriff haben und deren Klinge in eine perfekte Form gebracht wurde.

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Weitere Informationen:

pfahlbauten2016.de
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