Pfarrer Devadass kehrt nach 15 Jahren zurück nach Indien
Curry-Duft im Pfarrhof

Senfsamen, Kurkuma, Marsala und die berühmten Curry-Mischungen aus Indien bestücken das Gewürzregal im Kaltenbrunner Pfarrhaus. Bild: blu
Kaltenbrunn. (blu) Es ist wieder Montag. Der köstliche Duft fremder Gewürze schwebt durch das Haus. Pfarrer Devadass steht am Herd und kocht Pfefferwasser und Hähnchencurry. Seit 15 Jahren ist er in Kaltenbrunn. Das Oberpfälzer Dorf ist sein Zuhause geworden. Nun kehrt er nach Indien zurück.

"Heimat ist Heimat", antwortet der Geistliche Irudayaraj Devadass auf die Frage, warum er weg geht. Sofort schiebt er doch hinterher, dass die Pfarrei Kaltenbrunn seine zweite Heimat sei. Anfangs hätte er nicht gedacht, dass er 15 Jahre in Kaltenbrunn bleiben würde. Doch er bereue keine Minute.

Der katholische Priester kommt aus Indien. Im südlichsten Teil des Subkontinents, im Bundestaat Tamil Nadu mit 72 Millionen Einwohnern, hat er den größten Teil seines Lebens verbracht. Sein Dorf Andichuriani ist nicht viel größer als Kaltenbrunn. In seinem Bistum Sivagangai leben die meisten Menschen von der Landwirtschaft. Gerade beginnt dort die Monsunzeit, die Durchschnittstemperatur schwankt das ganze Jahr über zwischen 24 und 39 Grad. "Dort ist es warm, wärmer, am wärmsten", erzählt er.

"Missionare" aus Indien

Seit 1998 ist er in Europa, zuerst zum Studium der Pastoralen Theologie in Brüssel und seit 2000 als Pfarrer in Kaltenbrunn. Er war einer der ersten indischen Geistlichen im Bistum Regensburg. 18 Priester aus Indien hatte das Bistum, jetzt sind es 84. "Früher reisten die europäischen Missionare nach Afrika und Asien, jetzt missionieren die Menschen aus den Ländern hier", sagt Pfarrer Devadass mit einem Seitenhieb auf die Geschichte. Portugiesen hatten um 1500 Indien kolonialisiert und das Christentum als drittgrößte Religion neben Hinduismus und Islam etabliert.

Nun kommen die Menschen nach Europa und gleichen den starken Schwund an Priesternachwuchs aus. Die Zahl der Neupriester ging in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zurück. In Indien ist die Zahl noch stabil, sagt Devadass. Am Anfang, als er nach Kaltenbrunn kam, war alles "ganz neu". Die Berichterstattung über seinen Empfang in Kaltenbrunn zeigt er stolz her. Mit einem Kurkumastrauß und einem Reisberg haben ihn die Oberpfälzer nach indischem Brauch empfangen. Siegfried Bock war als damaliger Gemeinderatsvorsitzender dabei und ist ihm stets ein treuer Weggefährte geblieben.

Predigten mit Wörterbuch

Mit Laptop und Wörterbuch schrieb der neue Pfarrer seine Predigten. Zwar hatte er zuvor zwei Monate Deutschkurs in Bamberg. Doch da gab es keine Extrastunden oberpfälzisch. "Das klingt für Außenstehende fast wie chinesisch", kann Bock die Sprachprobleme nachvollziehen. Aber der Pfarrer verstand die Sprache im Eiltempo. "Ich habe Interesse, deswegen lerne ich schneller", sagt er. Als Inder ist er außerdem Dialekte gewohnt. 122 Sprachen und mehr als 1000 Dialekte gibt es in Indien. Mit Kollegen aus der Nachbarprovinz Kerala kann sich Devadass nur in Englisch verständigen. Auch mit der Kirchengemeinde, der Kirchenverwaltung und dem Pfarrgemeinderat habe er sehr gut zusammengearbeitet. Viele Projekte haben sie zusammen durchgezogen: die Innen- und Außensanierung der Pfarrkirche St. Martin und der Marienkirche in Dürnast, den Bau eines neuen Pfarrheimes und die Renovierung der Aussegnungshalle am Simultanfriedhof. Bock betont, dass das erfolgreiche Miteinander auch auf die Freundlichkeit des Pfarrers zurückgehe.

"Devadass heißt Diener der Barmherzigkeit, und das hat er auch gelebt. Er war immer barmherzig, wie Jesus es vorgelebt hat." In seiner Gemeinde organisierte der Pfarrer auch Spendensammlungen und Patenschaften für Waisenkinder in seiner Heimat. So kam immer auch ein Stück Indien in die Oberpfalz.

Obwohl sich die Kaltenbrunner herzlich um den Pfarrer bemühten, sei es trotzdem nicht immer einfach gewesen für ihn als einzigen Inder. Nach zwei Jahren kamen dann Pfarrer Antony Soosai Soosaiah und Pfarrer Edward Sebastian Jeyakumar in die Oberpfalz. Das war der Beginn der legendären Kochabende in Kaltenbrunn. Am Montag, seinem freien Tag, lädt Pfarrer Devadass seit Jahren seine Kollegen aus Indien ein. Bis zu acht Geistliche tummeln sich dann im Pfarrhaus. Und der Gastgeber kocht indische Leckereien.

Kontakt reißt nicht ab

Schon jetzt bedauert Siegfried Bock, dass das große Pfarrhaus bald leerstehen wird. Das Gemeindeleben findet dann in der Pfarreiengemeinschaft mit Weiherhammer statt. Auch der indische Priester bedauert die Veränderung, doch er hat seine Entscheidung getroffen. Der Kontakt wird jedoch nicht abreißen. Bock und andere Gemeindemitglieder besuchen ihn 2016 in Tamil Nadu. Und Devadass kann sich sehr gut vorstellen, zu Urlaubsvertretungen wieder in die Oberpfalz zu kommen. "Wir Priester arbeiten dort, wo wir gebraucht werden."
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