Pilsheim-Carving in der Pilsheimer Freizeithalle
Schnitzen ohne einen Schnitzer

Ludmilla Ens (links) und Achim Pochert (rechts) zauberten am Wochenende einen stolzen Steinbock aus einem massiven Pappelstamm. Bild: bö

Es waren die zarten Saiten der Motorsägen, die am Wochenende in Pilsheim den Ton angaben. Und zum Schluss wurden die Kunstwerke noch gebürstet, geschliffen und geölt.

"Pilsheim-Carving, die Kunst des Schnitzens mit der Motorsäge", so lautete das Zauberwort in der Pilsheimer Freizeithalle. Was mit Kettensägen alles machbar ist, das rief bei etlichen Gästen ein staunendes Raunen hervor. Sie bewunderten das Geschick der Frauen und Männer an den Schneidwerkzeugen, die wahre Kunstwerke aus Holz entstehen ließen.

Der gewisse Blick

Da der klobige Baumstumpf mit aufgezeichneten Rissen, die für den Laien nur schemenhaft das zeigen, was ein paar Stunden später wie eine präzise herausgearbeitete Skulptur, eine kunstvoll verzierte Gartenbank oder das Fabelwesen eines Wolpertingers aussieht. Aber: Einen Schnitzer beim Schnitzen können sich die Akteure nicht leisten. Denn eine Korrektur ist meistens nicht möglich. Doch dafür haben die Experten an der Kettensäge alle einen Blick, dass ihnen so etwas nicht passiert. Wie der Pilsheimer Kettenschnitzer Christian Kutzer erzählt, werden die hergestellten Figuren ausschließlich mit der Kettensäge aus einem Stammholzstück gefertigt. Doch da muss das Werkzeug passen: Mit herkömmlichen Führungsschienen lassen sich die kleinen Radien nicht oder nur schwer schneiden.
Mit der Kettensäge kann man mehr machen als nur Bäume fällen: Das zeigen Experten in Pilsheim beim ersten Kettensägenschnitzen rund um die Freizeithalle. Bilder von Paul Böhm

Spezielle Carving-Schienen

Anders ist dies bei speziellen Carving-Schienen: "Die haben einen besonders kleinen Radius an der Spitze der Schiene. Diese Spezialschwerter wurden in Amerika für das Schnitzen mit der Kettensäge entworfen und ermöglichen einem erst, solch fein gegliederten Werke herzustellen."

Schnitzen mit Kettensägen findet immer mehr Anhänger. Das war in Pilsheim zu spüren. Auch wenn manchmal der Sound von elf Kettensägen gleichzeitig für eine ganz eigene Art von Musik sorgte, war es toll, den Holzkünstlern über die Schulter zu schauen. Eine besondere Sache ist dabei stets die Holzauswahl, meinte Philipp Schad aus Lonsee bei Ulm, der sich mit seinem mannshohen Braunbären sicherlich auch in Pilsheim ein Denkmal hätte setzen können. "Nein, der Bär geht nicht nach Berlin, sondern das ist eine Auftragsarbeit, die schon in den nächsten Tagen nach Österreich kommt."

Für den groben Schnitt

Mehrere Kettensägen der verschiedensten namhaften Hersteller haben die Künstler für die diversen Schnitttechniken und Bearbeitungsmethoden sorgfältig aufgereiht. Dabei ist meist auch ein Gerät, wie es überall verwendet wird. "Das ist für den groben Schnitt", meint Christian Kutzer. "Sonst verwenden wir Kettensägen mit Spezialschwertern und Ketten, die, verglichen mit einer herkömmlichen Sägekette, doch einiges mehr an Treibgliedern haben." Dadurch werde der Schnitt dieser Ketten feiner, die Schnittleistung aber durch die kleineren Zähne etwas weniger.

Muskelkater kommt

Seit gut 15 Jahren haben sich Achim Pochert und Ludmilla Ens dieser Kunst am Holz verschrieben. "Es ist ein reizendes Werkzeug, wenn man damit umzugehen weiß", erzählt er. "Dazu sind aber unbedingt Schutzkleidung, Schutzbrille, besondere Schuhe und Gehörschutz erforderlich." Als Teampartner haben sich die beiden vorgenommen, einen Steinbock in zwei Tagen aus einem mächtigen Baumabschnitt herauszuarbeiten. "Dazu nehmen wir gerne langlebiges Holz wie Eiche oder auch Pappel, das sich sehr gut verarbeiten lässt."

Anstrengende Arbeit

Es ist eine anstrengende und fordernde Arbeit, die sie verrichten. "Aber über den Muskelkater reden wir erst meist einen Tag später", meinten Ludmilla Ens und Achim Pochert. Die Allgäuerin Martina Gast aus Missen-Wilmas hat sich schon seit Jahren diesem ungewöhnlichen Hobby verschrieben. "Ich habe Motorsägenschnitzkurse bei Sigurd Bratzel und Harald Kolb belegt. Dann habe ich selbst angefangen zu sägen", erzählt die zierliche Frau, die im Berufsleben als Erzieherin arbeitet. Unter dem Begriff Allgäu-Carving sind ihre Arbeiten in der Kettensägerszene zum festen Begriff geworden.

Sie waren beim 1. Pilsheim Carving die Akteure: Hausherr Christian Kutzer, Martina Gast, Felix Kroiß, Achim Pochert, Ludmilla Ens, Dirk Born, Philipp Schad, Martin Bloching, Nobert Lehner, Sebastian Lehmer und Markus Ertl.
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