Pop als Provokation

Für diese Gruppe nahm Peter Hermann Frauen und Männer aus dem Freundeskreis zum Vorbild. Bild: Wolke

Der Maler Andreas Amrhein und der Bildhauer Peter Hermann sorgen im Regensburger Kunstkabinett für "Glänzende Aussichten". Die Arbeiten bewegen sich oft in einem Spannungsfeld zwischen Kitsch und Populärkultur.

Regensburg."Ich mag das Poppige", sagt Andreas Amrhein. Auf den Bildern des Berliner Künstlers tummeln sich nicht nur Comicfiguren und Alltagsgegenstände. Den Vordergrund dominiert dort meist eine Figur aus feinstem Porzellan. Glänzend, rotbackig, niedlich, elegant: Die Püppchen, Hasen und Hirsche gibt Amrhein in großer malerischer Virtuosität wider. Zu sehen sind die Acrylbilder derzeit in der Regensburger Galerie Kunstkabinett. "Glänzende Aussichten" lautet dort der Titel der aktuellen Schau. Andreas Amrhrein bewegt sich in den gezeigten Arbeiten mit einer schwer auszulegenden Darstellungsweise zwischen Kitsch und Populärkultur. Die Wiedergabe von vermeintlichem Nippes stößt bei dem ehemaligen Rosenthal-Designer auf ehrlichen Respekt vor einer 200 Jahre währenden Porzellangeschichte.

Auf Konfrontation

Provokativ und ironisch führt Amrhein dem Betrachter ein Stück eigene Lebenswelt vor Augen. Donald Duck, Meister Lampe und Konsorten gehen dabei auf Konfrontation. Die wütende Ente schwingt den Säbel, der Hirsch röhrt vor einem geradezu blutrünstig aufs Blatt geworfenen roten Farbklecks. Der Kontrast zwischen fotografisch exakter Darstellung im Vordergrund und flüchtig hingeworfenem Hintergrund ist Amrhein wichtig. Gerade das macht für ihn das Poppige aus.

Im Regensburger Kunstkabinett präsentiert sich Amrhein zum zweiten Mal gemeinsam mit einem Kollegen aus dem Bereich der Bildhauerei. Peter Hermann zeigt in der Ausstellung Skulpturen aus Holz und Bronze, die ebenfalls Momente des Alltags und der Kulturgeschichte wiedergeben.

Schnörkellos und kompakt beeindrucken die Figuren Hermanns durch ihre Klarheit. Auf bildhauerische Weise fängt der Künstler mit ihnen Momente und Wahrnehmungen ein.

Drei Zyklen

Die Hauptexponate im Kunstkabinett gliedern sich in drei Zyklen: zunächst eine Gruppe von Damen. Hermann hat hier - und das ist eigentlich untypisch für den zur Stilisierung Neigenden - Frauen aus seinem privaten Umfeld porträtiert. "Take a walk" lautet der Titel einer weiteren Figurengruppe. Hermann, dessen Skulpturen bisher wie in den Boden gepflanzt dastanden, gewährt seinen Schützlingen hier erste vorsichtige Schritte.

Hinzu kommt eine recht eigenwillige Adaption von Albrecht Dürers "Adam und Eva". Peter Hermann hat die beiden als "Normalos" in die Gegenwart verpflanzt. Eine Mischung aus längst zum Allgemeingut gewordenen Bild und alltäglicher Darstellungsweise also - und somit Populärkultur in doppelter Form.
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