Prince ist tot
Gigant der Popmusik

Ganz der Gentleman: Prince auf dem Montreux Jazz Festival 2007.
 
Prince starb am Donnerstag im Alter von 57 Jahren auf seinem Anwesen in Minnesota. Bild: Warner Music 2014 /dpa

Ein genialer Gitarrist, begnadeter Sänger, fantastischer Songwriter, einfallsreicher Arrangeur: Prince war stets ein Hochbegabter der Rockmusik. Und doch wirkte seine Karriere schon zu Lebzeiten seltsam unfertig. Nun wird es das erhoffte große Alterswerk nicht mehr geben.

Chanhassen. Der US-Popmusiker Prince ist tot. Er sei am Donnerstagmorgen im Alter von 57 Jahren in seinem Anwesen in Minnesota gestorben, sagte eine Sprecherin des Sängers. "Es gibt bislang noch keine weiteren Informationen über die Todesursache." Vor wenigen Tagen kam er ins Krankenhaus, nachdem sich sein Zustand nach einer Grippe verschlechtert hatte. Zuletzt hatte Prince aus gesundheitlichen Gründen Medienberichten zufolge auch zwei Konzerte abgesagt.

Es gab Zeiten in den 80er und frühen 90er Jahren, da war Prince auf Augenhöhe mit den ganz Großen des Pop - künstlerisch sowieso, aber auch kommerziell. Wohl nur Madonna, Michael Jackson und U2 übertreffen die Plattenverkäufe und Konzerterfolge des aus der Industriestadt Minneapolis stammenden Amerikaners.

Seine brodelnde Mixtur aus Funk, Pop, Blues und Rock, das explosive Gitarrenspiel, diese so sinnliche wie hochflexible Soul-Stimme, die frechen, teilweise frivolen Texte elektrisieren die Massen - und natürlich seine Hits wie "Purple Rain", "Kiss" oder "Sign O' The Times". Die aufwendigen Shows des kleingewachsenen Prince Roger Nelson - Sohn eines schwarzen Jazz-Musikers und einer weißen Sängerin - waren knallbunte Messen eines exzentrischen Musikgenies.

"Sklave" der Musikindustrie


Doch es blieb nicht so großartig. Und das hatte viel mit jener bizarren Sprunghaftigkeit zu tun, die den enorm begabten Künstler zunächst zu größter Kreativität antrieb und später zu wenig karrierefördernden Entscheidungen. So überwarf sich Prince mehrfach mit Plattenfirmen, schrieb sich im Ringen um Selbstständigkeit "Slave" (Sklave) auf die Wange und änderte diverse Male seinen Künstlernamen - schrägstes Beispiel: TAFKAP, "The Artist formerly known as Prince". Zuletzt waren seine Platten bisweilen nur noch online zu beziehen. Und die Welthits blieben aus. Dennoch hatten Fans und Musikkritiker immer die Hoffnung, dass da noch eine künstlerische Überraschung, womöglich sogar ein überragendes Alterswerk, in Prince schlummert. Dazu wird es nun nicht mehr kommen. Sein Tod mit 57 macht fassungslos und traurig - auch weil da eine Abrundung fehlt in diesem Künstlerleben.

Prince, geboren am 7. Juni 1958, galt seit seinem Debüt mit dem Album "For You" (1978) als musikalisches Wunderkind. Mit 19 Jahren war der Multi-Instrumentalist der jüngste Künstler, dem das Label Warner ein Album in völliger Eigenregie gestattete. Die Texte der ersten Platten lasen sich wie feuchte Träume eines Teenagers, die Musik dazu - inspiriert von James Brown, Jimi Hendrix, Curtis Mayfield oder Sly Stone, aber auch den Beatles - klang indes enorm reif.

"Batman" verstört Kritiker


Mit dem ambitionierten Doppel-Album "1999" und Tanzflächenfegern wie dem Titelsong oder "Little Red Corvette" kam 1982 der Durchbruch. Der Soundtrack zum Film "Purple Rain" vollendete zwei Jahre später den Aufstieg zum Superstar. Mit "Nothing Compares 2 U" (auch gesungen von Sinead O'Connor) komponierte er eine der schönsten Balladen der Pop-Historie.

Ohne wagemutige, überbordende Pop-Wunderwerke wie "Around The World In A Day", "Parade", "Sign O' The Times" oder "Lovesexy" wären die musikalisch oft öden 80er Jahre noch viel öder gewesen. Mit dem wuchtigen, aber von Selbstzitaten geprägten "Batman"-Soundtrack gingen die Kritiker erstmals auf Distanz zu Prince, der gleichwohl seine für ihn typische Arroganz beibehielt.

In den 90ern, erst recht in den Nullerjahren, waren die Hits und kreativen Höhepunkte des Prinzen an einer Hand abzuzählen, obwohl er live weiterhin einer der ganz Großen war. Bis zum Schluss sah er aus wie ein Mann von ewiger Jugend. Auch deswegen rechnete niemand mit der traurigen Nachricht, dass nach David Bowie ein weiteres Pop-Chamäleon sterben würde.

Greatest Hits - die größten Prince-Erfolge"Purple Rain" (1984): der wohl größte Hit des Musikers. Der Trennungssong ("Purpur-Regen") wurde unzählige Male gecovert, erschien auf dem gleichnamigen Album zu einem gleichnamigen Film.

"Kiss" (1986): Riesenhit und Ohrwurm, der in der von The Art Of Noise produzierten Coverversion 1988 das Comeback von Tom Jones ermöglichte.

"When Doves Cry" (1984): Das Lied (auf Deutsch: "Wenn Tauben weinen") war ein großer Erfolg und sein erster Nummer-eins-Hit in den USA.

"1999" (1982): Lied mit apokalyptischem Text ("Als ich heute Morgen aufwachte, hätte ich schwören können, es sei der Tag des Jüngsten Gerichts").

"Sign O' The Times" (1986): Das Stück beschreibt die Gegenwart mit Aids, Armut und kriminellen Banden, vorgetragen in einem absichtlich ausdruckslosen Sprechgesang.

"Nothing Compares 2 U" (1985): Der Song für die Gruppe The Family wurde vor allem dank der Coverversion der irischen Sängerin Sinéad O'Connor zum Welthit. (dpa)
Die Leute denken, ich tue das, weil ich so klein bin. Ich ziehe hohe Hacken an, weil Frauen das mögen.Prince über seine Schuhe




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