Queen-Frontmann Freddie Mercury wäre am 5. September 70 Jahre alt geworden
Schillernder Paradiesvogel

Freddie Mercury lebte für die Bühne, die Musik und seine Fans. Bild: dpa

Freddie Mercury hat mit der Band "Queen" und seiner unglaublichen Stimme die Rockmusik der 70er und 80er Jahre geprägt. Für viele Homosexuelle ist der charismatische Sänger, der 1991 an Aids starb, eine Ikone - und Ermutigung für ein Coming-out.

Frankfurt. Freddie Mercury hätte es wohl kaum glauben können, wenn er das erlebt hätte: Nach seiner Kür zum US-Präsidentschaftskandidaten lässt Donald Trump die Hymne aller Sieger in den Sportarenen spielen: "We Are The Champions" von "Queen". Geschrieben hat sie der indischstämmige englische Sänger Farrokh Bulsara, einer der größten Entertainer des Rock und eine Ikone der Schwulenbewegung. Freddie Mercury, so sein Pseudonym, wurde vor 70 Jahren auf der ostafrikanischen Insel Sansibar geboren, am 5. September 1946. Er starb 1991.

Perfekt scheint der Song mit der Gröler-Zeile "Keine Zeit für Verlierer, denn wir sind die Gewinner" für den Wahlkampf des US-Immobilienmilliardärs zu passen. "Wir hätten nie die Genehmigung gegeben", ärgert sich Brian May, "Queen"-Gitarrist und enger Freund Mercurys. Trump wisse wohl nicht, dass es in dem Song subtil auch um die Befreiung Homosexueller geht, merkt der kanadische Musikhistoriker Ken McLeod an, der ein Buch über die Beziehung von Sport und Popularmusik geschrieben hat.

320 Millionen Tonträger


Freddie Mercury war einer der schillerndsten Paradiesvögel der Rockmusik, der gemeinsam mit seiner 1970 gegründeten Band "Queen" zahllose Musiker beeinflusst hat. Bis heute hat die Gruppe aus London rund 320 Millionen Tonträger mit ihrem theatralischen Poprock verkauft, der harte Gitarrenriffs mit Opernharmonien und auch Tanzhallen-Rhythmen verschmolz.

Im Mittelpunkt stand der exzentrische Showman Mercury, der mit seiner Ausnahmestimme zwischen rüdem Proleten-Gebell und süßem Falsett changierte. Mercury starb mit 45 Jahren im November 1991 an den Folgen seiner langjährigen Aids-Erkrankung. So mehrdeutig wie sein Künstlername "Mercury" (Quecksilber) war der Mann selbst, der das Spiel mit Masken und Rollen liebte. Der ehemalige Kunststudent war quirlig wie Quecksilber und kokettierte damit, wie der Gott Merkur ein Bote der Götter zu sein. Den Oberkörper frei, in einen Hermelinmantel gehüllt und mit Krone auf dem Kopf, stolzierte er zum Ende der bombastischen "Queen"-Shows gerne als König über die Bühne.

Mercury liebte Männer und Frauen, spielte mit seinem bisexuellen Image. Im Video zu "I Want To Break Free" (1984) gibt er die schnauzbärtige Hausfrau, die lasziv den Staubsauger durch die Wohnung schiebt und ihre Freiheitsträume besingt. Der 20-minütige Auftritt beim Live-Aid-Benefizkonzert für Afrika (1985) in London zeigte "Queen" und Mercury auf dem Höhepunkt des Erfolgs: Als überdrehter Macho im Muskelshirt wirbelte er über die Bühne.

Radikaler Stilwechsel


Neben kraftstrotzenden Reißern wie "We Will Rock You" mit Mitmach-Chor waren es vor allem Songs mit grandiosen Gesangsharmonien, die "Queen" adelten. Der Film zur operettenhaften "Bohemian Rhapsody" (1975) gilt als eines der frühesten Musikvideos. 1980 vollzogen Mercury und seine Mitmusiker einen radikalen Stilwechsel: Mit radiotauglichen Songs wie "Radio Gaga" oder dem funkigen "Another One Bites The Dust" erreichten sie die breite Masse - und verprellten manche alten Fans.

Mitte der 80er Jahre infizierte sich Mercury, der zeitweise in New York und München lebte, mit dem HI-Virus: "Liebe ist für mich wie Russisches Roulette", sagte der Sänger, "ich kann das nicht kontrollieren." Ratschläge von Freunden, sich zu schützen, hatte er ignoriert.

Musikalisches Testament


Trotz seiner Erkrankung arbeitete Mercury fieberhaft an Studioalben weiter, 1986 war die "Queen"-Band in Originalbesetzung letztmals live zu sehen. 1987 nahm er mit der spanischen Opernsängerin Montserrat Caballé den Song "Barcelona" auf.

Auf seine Aids-Erkrankung spielte das letzte "Queen"-Album "Innuendo" (1991) an. Mit Titeln wie "These Are The Days Of Our Lives" - und vor allem "The Show Must Go On" - lieferte Mercury sein musikalisches Testament. "Auch wenn mein Make Up abblättert, bleibt mein Lächeln", heißt es dort. Mercurys Tod war ein Schock für seine Fangemeinde - und rückte das Thema HIV-Prävention mehr in den Blickpunkt. Die "Queen"-Musiker, die bis heute mit wechselnden Sängern aktiv sind, gründeten den "Mercury Phoenix Trust". Der Spendenfonds sammelte in den vergangenen 21 Jahren knapp 14,5 Millionen Euro für mehr als 700 Projekte im globalen Kampf gegen Aids. Mercury sei bis heute ein Vorbild für homosexuelle Menschen, ihr Coming-out zu wagen, sagt Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland. Noch immer trauten viele sich aus Angst vor Diskriminierung und persönlichen Nachteilen nicht, zu ihrer Homosexualität zu stehen. Auch Mercury hatte erst einen Tag vor seinem Tod öffentlich erklärt, an Aids erkrankt zu sein.
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