Redewendungen auf der Spur: Ausstellung im Museum für Kommunikation Nürnberg
Essig macht sich einen Reim

Jemandem den Buckel herunter rutschen oder ihm die Nase zeigen? Der Bamberger Germanist Rolf-Bernhard Essig ist Sprichwort-Experte und Kurator der Ausstellung "Mein Name ist Hase!" im Museum für Kommunikation in Nürnberg. Foto: Kusch

Von Günter Kusch

Nürnberg. "Der späte Vogel fängt den Wurm", begrüßt er den Journalisten, der etwas später zur Pressekonferenz erscheint. "Aber gut Ding, gut Weil", fügt Rolf-Bernhard Essig hinzu, um sich gleich wieder seinen Exponaten zu widmen. Ob der renommierte Germanist wohl im Ausstellungsraum des Museums für Kommunikation nur in Sprichworten reden kann? Das passt auf jeden Fall zum Motto der Veranstaltung. "Mein Name ist Hase! Redewendungen auf der Spur", so ist die wortreiche Schau übertitelt, die dort bis 5. Juni zu bewundern ist. Und es ist sprichwörtlich wahr: Niemand sollte sie sich durch die Lappen gehen lassen.

Wortwunder verstehen


Der gebürtige Hamburger mit dem würzigen Namen Essig lebt seit seinem dritten Lebensjahr in Oberfranken. "Ich wollte mir schon als Kind einen Reim auf diese Wortwunder-wesen machen und ihre Bedeutung verstehen", erklärt er. Mittlerweile hat er schon mehrere Bücher zu dem Thema verfasst.

Gemeinsam mit der Architektin und Bühnenbildnerin Franziska Isensee entwickelte er die Ausstellungsarchitektur. Die Frage war, wie man ein solch abstraktes Sprachthema anschaulich präsentiert. Ihre Idee ist, sämtliche Exponate in Form eines bunten Jahrmarktes in Szene zu setzen. Neben alten Bibeln und Büchern gibt es Rätselspaß am Bildschirm, ein Sprüchekarussell, ein preußisches Entermesser und Filmausschnitte aus bekannten Streifen wie Casablanca: "Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft."

Bei dieser Ausstellung darf man also Bauklötze staunen und manch einem wird ein Licht aufgehen. Woher kommt zum Beispiel die Äußerung, dass jemand "Lampenfieber hat"? Richtig, aus der Welt des Theaters. Die dortige Beleuchtung strahlte neben Licht auch starke Wärme aus. Sie allein kann Schauspieler ganz schön ins Schwitzen bringen. Wenn ihnen der Schweiß aber schon aus Aufregung ausbrach, dann verspottete man sie eben mit jenem Satz. Viele Sprichwörter und Redensarten stammen aus der Bibel, dem Handwerk, der Jagd oder der Körpersprache, etwa wenn jemand mit dem Kopf durch die Wand will.

Redensarten: "Yes we can"


Die Reformationszeit und das 19. Jahrhundert waren besonders produktiv. Aber auch aktuell sind Sprichwörter in politischen Reden zu entdecken. Wolfgang Mieder, der wohl bekannteste Sprichwort-Forscher weltweit, untersuchte Barack Obamas Reden, Artikel und Interviews aus der Zeit vor seiner Präsidentschaft. Sein Ergebnis: Der US-Präsident verwendete neben dem berühmten "Yes we can" über 1700 weitere sprichwörtliche Redensarten, um seine Landsleute von seiner Eignung für das Präsidentenamt zu überzeugen. Wobei ein Zuviel dieser kunstvollen Rhetorik auch wieder abschrecken kann, gibt Kurator Rolf-Bernhard Essig zu. Wenn er zu oft Zitate verwendet, sagt seine Frau zu ihm: "Lass es, das ist doch alles nur Essig!"

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Sonderausstellung "Mein Name ist Hase! Redewendungen auf der Spur" von 19. Februar bis 5. Juni im Museum für Kommunikation Nürnberg. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 9-17 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 10-18 Uhr.

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Weitere Informationen:

www.mfk-nuernberg.de
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