Regensburg: Die Städtische Galerie versucht Selbstporträts mit berühmten Künstlern, Schauspieler etc.
Was der Louvre nicht will, nimmt der Leere Beutel

Regensburg.Es gibt sie ja, die vielseitig talentierten Künstler. Ausstellungen von Armin Mueller-Stahl und Kevin Coyne in Regensburg und Weiden belegen dies in der Region. Eros Ramazzotti allerdings gehört nicht zur Riege der mehrfach Gesegneten. Punkt, Punkt, Komma, Strich - das Selbstporträt des Sängers macht keinen Hehl daraus: Eros Ramazzotti fehlen zum Zeichnen sowohl das Talent als auch die Lust.

Namen statt Kunst

Macht ja auch nichts. Der Mann kann singen und ist allein dadurch schon den meisten von uns überlegen. Was das Gekritzel allerdings in einer Städtischen Galerie zu suchen hat, ist schleierhaft. Allerdings: Bei besagter Galerie handelt es sich um den "Leeren Beutel" in Regensburg. Und dort setzt man schon seit einiger Zeit mehr auf prominente Namen denn auf qualitative Kunst.

Nach den Stöckelschuhen von Marilyn Monroe sind nun also Zeichnungen berühmter Musiker an der Reihe. Qualität hin oder her: Die Ausstellung "Musiker-Selbstporträts internationaler Weltstars aus der Sammlung Matejka" soll durch Namen wie "Metallica", "Guns N' Roses" oder "Dire Straits" punkten.

"Take it to the Louvre!" Das Zitat des Jazzers Al Jarreau nebst dem von ihm gezeichneten Strichmännchen ist blanke Ironie. Weder die Kuratoren des Pariser Kunsttempels noch Al Jarreau selbst dachten wohl je im Traum daran, die Filzstiftzeichnung dort oder irgendwo sonst auszustellen. Anders der "Leere Beutel". Der als Witz gemeinte Satz betitelt hier nun die derzeit präsentierte Sammlung des Musik-Journalisten Gunther Matejka. Der kam im Jahre 1993 auf die Idee, jeden von ihm interviewten Star um ein Selbstportrait zu bitten.

Die Blätter sind von den Befragten freundlicherweise hingeworfen. Mit Kugelschreiber, Bleistift oder Fineliner auf ein weißes Blatt Papier, das manchmal auf der Rückseite bedruckt ist. Dass der Einführungstext zur Ausstellung in Regensburg darin "Einblicke in die Persönlichkeit des Menschen und Raum zu Interpretationen" ausmacht, ist allein dem guten Willen zuzuschreiben.

Gewisse Zweifel scheinen aber auch den Ausstellungsmachern selbst gekommen zu sein. Dass die Schau der Musiker-Selbstporträts ergänzt ist durch Bestände des Museums an "echten" Künstlerselbstporträts gleicht einer Art Legitimation für die ganze Sache. Außer dem Motiv des Selbstporträts gibt es keinerlei Gemeinsamkeiten, etwa zwischen Thomas Anders und Otto Dix.

Nannini, Reim, Väth

Eingehende Bildbetrachtungen scheinen überflüssig bei dem ersten Teil dieser Kunstausstellung, die keine ist. Es reicht ein Blick auf die Namensliste der Musiker. Mit dabei sind unter anderem Iggy Pop, Gianna Nannini, Matthias Reim und Sven Väth. Dass Sammler Matejka vor mehr als 20 Jahren mit dem Zusammentragen der Bilder begann, zeigt sich nicht zuletzt in der mangelnden Aktualität. "Scooter" oder Mr. Big sind nicht gerade die Interpreten, die derzeit die Massen bewegen.

Die Ausstellung "Take it to the Louvre! Musiker-Selbstporträts internationaler Weltstars aus der Sammlung Matejka" ist ergänzt durch die Präsentation "Fokus Sammlung 1 / Die Selbstporträts". Beides läuft bis zum 1. März in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel, Bertoldstraße 9, in Regensburg.

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Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 16 Uhr. Geöffnet ist am 26. Dezember und am 6. Januar, geschlossen am 24., 25. und 31. Dezember und am 1. Januar. Weitere Infos unter Telefon 0941/5072440.

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Weitere Informationen im Internet:

www.regensburg.de/Kultur/Museen
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