Rock'n Roll Musiker Jerry Lee Lewis feiert seinen 80. Geburtstag
Der "Killer" haut weiter in die Tasten

Er kam nur ein einziges Mal in die Oberpfalz. Das war vor fast genau 22 Jahren. In der Neumarkter Jurahalle trat Jerry Lee Lewis auf die Bühne, haute in die Tasten seines Klaviers und ließ "Great Balls of Fire" explodieren. Heute feiert er seinen 80. Geburtstag.

Die Geschmäcker sind verschieden. Manche halten Elvis für den Besten, andere sind bis heute eingeschworene Fans von Fats Domino oder Little Richard. Dabei steht fest: Kaum einer hat die Rock'n'Roll-Szene so aufgemischt wie ein Mann aus dem Dorf Ferriday in Louisiana. Er heißt Jerry Lee Lewis. Seine Wege kreuzten sich zu Karrierebeginn mit denen anderer, die wie er zu Legenden wurden. Als junger Mann kam Lewis in das Sun-Records-Studio von Sam Phillips in Memphis/Tennessee. Dort machte er Bekanntschaft mit Elvis Presley, er traf Johnny Cash, Roy Orbison und Carl Perkins. Jeder hatte seinen eigenen Stil. Sam Phillips erkannte das. Er ließ sie machen, gab Ratschläge, trug zu Entwicklungen bei. 1956 entstand "Whole lotta shakin' goin' on". Mit Jerry Lee am Klavier und seiner Band im Hintergrund formte sich ein Song für die Ewigkeit. Bis heute gilt dieses Lied als ein Symbol für den Aufbruch in eine neue und bisweilen sehr wilde Zeit.

Mit Elvis und Cash

Der "Killer", wie sie ihn nannten, war ein Ereignis. Auf seinem Hocker hielt es ihn nur für wenige Sekunden. Dann sprang er auf, hämmerte in die Tastatur, meißelte den Text ins Mikrofon. Oft wurden seine Lieder kopiert. Doch erreicht hat den Mann aus Ferriday keiner. 1964 trat Jerry Lee Lewis im Hamburger Star-Club auf, machte dabei auch Country-Musik, ließ dem Rock'n'Roll aber die ihm zustehende breite Plattform. "Chantilly Lace", "Great Balls of Fire": Nichts davon ist in Vergessenheit geraten. Zusammen mit Elvis, Cash und Perkins spielte er das legendäre Album "Million Dollar Quartet" ein.

1958 hatte Jerry Lee Lewis seine erst 13 Jahre alte Cousine geheiratet. Das konnte keiner verstehen. Doch diese eher kurzfristige Ehe, wie auch sein Hang zu Drogen, waren Zeichen eines exzessiven Lebens. Ausufernd, wild und zügellos wie viele seiner Songs. Nur mühsam konnte er sich von den Skandalen erholen. Fast vier Jahrzehnte später gab es das Album "Last man standing". Ein musikalisches Juwel, bei dem ihm Leute wie Jimmy Page, Tom Jones, Rod Stewart und Bruce Springsteen zur Seite standen. Sie huldigten damit einem Mann, der Zeichen setzte.

Mit seiner Tochter Phoebe lebt Jerry Lee Lewis heute auf einer Ranch in Nesbit/Mississippi. Nur selten empfängt er Gäste. Einer davon war unlängst der Österreicher Andreas Gabalier. Man erklärte ihm dabei, was ein "Volks-Rock'n'Roller" ist. Jerry Lee Lewis hat es wohl so recht nicht verstanden. Dabei trifft diese Bezeichnung am ehesten auf ihn selbst zu. Denn das, was er zu machen pflegte, war Rock für die Leute. Schnörkellos, laut und in der Botschaft deutlich.

Rares Exemplar

Jerry Lees Konzerte waren kurz. 50 Minuten. So wie damals vor 22 Jahren in Neumarkt. Nach einer Stunde standen die Leute wieder auf der Straße. Niemand murrte. Alle waren hellauf begeistert. Keine Autogramme. Nur manchmal, wenn er Lust hatte. Das rare Exemplar hängt bis heute an der Wand. Zwischen Elvis Presley und Fats Domino.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.jerryleelewis.com
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