Römische Schätze in Trier - Forscherteam untersucht antike Grabdenkmäler
"Jeder wollte das Größte"

Anja Klöckner (Professorin für Klassische Archäologie an der Goethe-Universität Frankfurt, von links), Marcus Reuter (Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier), Markus Scholz (Professor für Provinzialrömische Archäologie an der Goethe-Universität Frankfurt) und Hartmut Müller (Professor im Fachbereich Technik der Hochschule Mainz) präsentieren im Rheinischen Landesmuseum von Trier ein Relief aus Sandstein aus dem 2./3. Jahrhundert nach Christus. Bild: dpa

Trier hat viele römische Schätze. So viele, dass etliche von ihnen noch gar nicht wissenschaftlich erfasst sind. Ein Forscherteam knöpft sich nun die antiken Grabdenkmäler vor. Da ist der Trierer Fundus einmalig.

Von Birgit Reichert, dpa

Wer konnte, ließ sich im antiken Trier nach seinem Tod ein Grabdenkmal setzen. Gebaut wurde nach Status und Geldbeutel: Die knallbunten Monumente waren zwischen einem Meter und 30 Metern hoch. "Jeder wollte das Größte", sagt Markus Scholz, Professor für Provinzialrömische Archäologie an der Universität Frankfurt, in Trier. Es entstanden Gräberstraßen mit zig Denkmälern, denn Trier war zu römischen Zeiten nicht nur ein wichtiges Finanzzentrum, sondern zeitweise auch Hauptstadt des Weströmischen Reiches.


___ Vieles noch unbekannt
___


Doch viel ist bei den Trierer Grabdenkmälern noch unbekannt. Das soll sich nun mit einem Forschungsprojekt ändern, das gerade gestartet ist. Wissenschaftler erfassen erstmals rund 1500 Steinblöcke und Fragemente von antiken Grabmonumenten, die seit Jahren in den Depots des Rheinischen Landesmuseums Trier lagern. "Wir können nun ganz systematisch die Grabdenkmäler einer der wichtigsten Städte des römischen Imperiums aufarbeiten", sagte Anja Klöckner, Professorin für Klassische Archäologie an der Universität Frankfurt.

Der Trierer Fundus sei einmalig, betonen die Wissenschaftler, deren über drei Jahre laufendes Projekt von der Deutschen Forschungsmeinschaft mit rund 600 000 Euro gefördert wird. "Was in Trier so besonders ist, ist die schiere Fülle des Materials. Wir haben aus Rom auch viel, aber nicht so viel", sagt Klöckner. Die Grabdenkmäler seien von handwerklich hoher Qualität gewesen. Und: Trier sei mit seinen außergewöhnlichen Bildreliefs auf den Monumenten "Trendsetter" gewesen.

Da sind Alltagsszenen zu sehen, ebenso wie Verweise auf die Quellen des Reichtums: Der Tuchhändler bildete Händler mit Tüchern ab, der Weinhändler Szenen mit Weinfässern. "Von der Bildsprache erhoffen wir uns Einblicke in das Alltagsleben jener Zeit", sagt Scholz. "Bisher ist Trier vor allem aus spätantiker Sicht wahrgenommen worden, das frühe erste Jahrhundert ist noch kaum erforscht."

Im römischen Imperium habe es "von der Fülle und Detailfreudigkeit" nichts Vergleichbares gegeben, sagt der Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier, Marcus Reuter. Die Macher hätten nichts idealisiert: "Da sind Menschen mit Halbglatzen und Hasenscharten abgebildet. Alles ganz realistisch." Die bekanntesten Grabdenkmäler aus der Moselregion sind das größte erhaltene römische Pfeilergrabmal nördlich der Alpen, die Igeler Säule bei Trier, und das "Neumagener Weinschiff" eines römischen Weinhändlers.


___ Tonnenschwere Objekte
___


Bei dem Projekt werden die teils tonnenschweren Objekte gesichtet, fotografiert und dann wissenschaftlich beschrieben. Dabei versuchen Wissenschaftler herauszufinden, welche Stücke möglicherweise zu einem Monument gehören. Experten der Hochschule Mainz werden von besonderen Objekten 3-D-Rekonstruktionen erstellen. "Diese können dann hinterher der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden", sagte Professor Hartmut Müller vom Fachbereich Technik der Mainzer Hochschule. Nach drei Jahren soll es eine Ausstellung geben.

Es sei die große Masse an Stücken gewesen, die bislang verhindert habe, dass man sich dem Thema widme, sagt Scholz. Dazu habe es eines Sonderprojekts bedurft. "Wir haben es mit lauter Einzelteilen zunächst zu tun, von denen ein jedes, wenn es woanders gefunden worden wäre, schon großes Aufsehen erregt hätte." Die Experten, die ein 15-köpfiges Team aufstellen, sind sicher, dass im Museumsmagazin noch mehr Steinblöcke von Grabdenkmälern schlummern als bisher bekannt.

Für Museumschef Reuter ist das Projekt ein Glücksfall. "Es blutet einem immer das Herz, wenn man durch die Depots geht und sieht, was man alles nicht ausstellen kann: ob Mosaike, Reliefs oder anderes." Es sei schlichtweg zu viel. "Und ständig kommen Neufunde dazu."
Weitere Beiträge zu den Themen: Ausgrabungen (22)Grabdenkmal (1)Antiker Dolch (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.