Roger Cicero mit nur 45 Jahren gestorben
Beswingt und beliebt

Roger Cicero (Mitte) beim Jazz-Konzert im "Gwäxhaus" bei Fuchsmühl vor genau einem Jahr. Archivbild: Werner
 
Roger Cicero bei der Generalprobe des European Song Contests im Mai 2007 in Helsinki. Archivbild: dpa

Er war "Mr. Swing": Roger Cicero hat den deutschsprachigen Swing salonfähig gemacht. Der Jazzmusiker landete Hits und sang für Deutschland beim ESC. Mit nur 45 Jahren ist er völlig unerwartet gestorben.

Hamburg. Die Scheinwerfer sollten gerade wieder angehen für den Mann, der sich mit Swing, Charme und Hut in die Herzen seiner Fans gesungen hat - jetzt ist Roger Cicero tot. Mit gerade mal 45 Jahren gestorben nach einem Hirninfarkt. Familie, Fans und Kollegen stehen unter Schock. Auch wenn schwere Wochen hinter Cicero lagen, er wegen eines akuten Erschöpfungssyndroms mit Verdacht auf Herzmuskelentzündung für eine lange Zeit alle Termine abgesagt hatte: Die große Bühne wartete wieder auf "Mr. Swing".

Tourpläne für den April


Gleich zwei seiner Projekte wurden für einen Echo nominiert, im April wollte er wieder Konzerte geben. "Er hatte sich unglaublich auf seine ausverkaufte Tournee gefreut", berichtete das Management, das am Dienstag mitteilte, dass der Sänger am Donnerstag vor Ostern gestorben ist.

Seit rund zehn Jahren gehörte er zu den Stars der Musikszene. Mit seiner Mischung aus Pop, Jazz und Swing, gewürzt mit frechen und amüsanten Texten, traf er den Nerv der Deutschen. Sein Album "Männersachen" (2006) eroberte die Charts, er gewann den Musikpreis Echo als bester Rock/Pop-Sänger (2007). Kurz danach ruhten alle deutschen Hoffnungen beim Eurovision Song Contest (ESC) auf ihm und seinem Lied "Frauen regier'n die Welt". Im Finale im Mai 2007 in Helsinki landete er zwar nur auf Platz 19. Doch jemand wie er konnte dem auch Positives abgewinnen: "Die Empörung über den 19. Platz war so groß, dass ich in aller Munde war", sagte er später mal. "Das hat mir sehr geholfen."

Elegante Wortspielereien


Denn Cicero kannte auch andere Zeiten. Bis zu seinen "Männersachen" war der Sohn des Jazz-Pianisten Eugen Cicero außerhalb der Jazz-Szene kaum bekannt. Dabei hatte er schon mit zwölf Jahren seinen ersten Bühnen-Auftritt, später studierte er Musik in den Niederlanden und finanzierte mit Clubauftritten sein Leben. Die Begegnung mit Texter Frank Ramond und Komponist Matthias Hass - beide schon mit Annett Louisan erfolgreich - verhalf ihm zum Durchbruch. Mit Swing und Wortspielereien entdeckte er eine Nische, der Song "Zieh die Schuh aus" katapultierte ihn in die Hitparade. "Dass das so einschlägt, hat uns selbst überrascht. Nicht mal die Strategen in der Plattenfirma wussten, welche Zielgruppe wir erreichen können", sagte er mal.

"Mr. Swing" überraschte nicht nur mit ungewohnten Klängen und Texten, auch optisch machten seine Auftritte etwas her. Elegant mit Hut und Lackschuhen kam er mit seinen Big-Band-Musikern ganz im Stil der großen Swing-Künstler auf die Bühne. Als er zuletzt mit seinem Programm "Cicero Sings Sinatra" auftrat, lieferte nicht nur eine beleuchtete Showtreppe Las-Vegas-Flair. Die in Hamburg - langjährige Wahl-Heimat des gebürtigen Berliners - aufgezeichnete Show wurde für den Echo nominiert, der am 7. April vergeben wird. Mit seinem Album "The Roger Cicero Experience" schaffte er eine Nominierung für den Jazz-Echo am 26. Mai in Hamburg.

Alle seine Alben landeten seit "Männersachen" weit vorn in den Charts. Mit "Artgerecht" (2009), auf dessen Cover Cicero im knallroten Anzug und mit einem Hahn unterm Arm posierte, lieferte er einen ganz persönlichen Gruß an die feministische Zeitschrift "Emma", die ihn zum "Pascha des Monats" gekürt hatte.

Einen Song auf "Artgerecht", "Für 'nen Kerl", hatte der Musiker, der auch als Schauspieler ("Hilde") vor der Kamera stand und mal zum "Krawattenmann des Jahres" und zum "Hutträger des Jahres" gekürt wurde, seinem 2008 geborenen Sohn Louis gewidmet. Von dessen Mutter trennte sich der Musiker 2013. Diese Trennung wurde zum Leitmotiv des Albums "Was immer auch kommt" (2014), auf dem er Themen von Selbstfindung bis zu eigener Sterblichkeit aufgriff.

Er habe nie einen Plan B gehabt, auch in schweren Zeiten habe es immer nur die Alternative "Weitermachen!" gegeben, erzählte er. Von Durchhalteparolen geprägt war das Album. "Hab die Kontrolle verlor'n, bin gekentert im Sturm und zum ersten Mal schau ich nur nach vorn", sang er darauf im Lied "Wenn es morgen schon zu Ende wär'".

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Weitere Informationen über Roger Cicero im Internet: www.onetz.de/1591857

HirninfarktBei einem Hirninfarkt, an dem der Jazz-Sänger Roger Cicero gestorben ist, wird ein Blutgefäß verstopft. Somit ist die Sauerstoffversorgung des Gehirns eingeschränkt. Bei diesem Infarkt handelt es sich um eine Form des Schlaganfalls, der aber auch durch eine Hirnblutung ausgelöst werden kann. Zu den Risikofaktoren für eine Hirnblutung zählen das Alter, Bluthochdruck, Diabetes, hohe Cholesterinwerte, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel. Ganz wichtig sind eine schnelle Diagnose und Behandlung, damit das Gehirn wieder mit Sauerstoff versorgt wird. Symptome sind etwa die Lähmung einer Gesichts- oder Körperhälfte, Taubheitsgefühl sowie Sprach- oder Schluckstörungen. Nach Informationen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erleiden pro Jahr fast 270 000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Etwa 20 Prozent der Patienten sterben innerhalb von vier Wochen, 37 Prozent innerhalb eines Jahres. (dpa)


Cicero in der RegionRoger Cicero trat mehrfach in der Oberpfalz auf. Zuletzt swingte er Ende März 2015 im "Gwäxhaus" in Fuchsmühl (Kreis Tirschenreuth) mit seinem "Jazz Experience". 550 Fans jubelten auch ohne seine Hits. Bei den Schlossfestspielen in Regensburg spielte Cicero zweimal - im Juli 2012 bei strömendem Regen und mit einer tanzenden Fürstin Gloria vor der Bühne sowie im Juli 2007 mit den Swing-Größen Max Greger, Paul Kuhn und Hugo Strasser, ebenfalls bei Dauerregen. Auch in Bayreuth begeisterte der Sänger zweimal: Im Januar 2013 und im Januar 2008 jeweils in der ausverkauften Oberfrankenhalle. (we)
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