Royaler Rekord

Queen Elizabeth II. winkt seit über 63 Jahren ihrem Volk zu. Bilder: dpa (3)

Mehr als 63 Jahre auf dem Thron, und sie winkt weiter. Seit dem heutigen Tag hat kein britischer Monarch länger regiert als Königin Elizabeth II. Doch groß gefeiert wird nicht, die 89-Jährige geht lieber arbeiten.

Während sie ihre Ur-Ur-Großmutter Victoria überholt und zur Monarchin mit der längsten Regierungszeit in der britischen Geschichte wird, macht die Queen Dienst nach Vorschrift. Heute, 9. September, eröffnet die 89-Jährige eine schottische Bahnlinie. Sie hat in ihren mehr als 63 Jahren auf dem Thron Aufregenderes durchgemacht als das, auch wenn die Zahl der echten Krisen überschaubar bleibt.

"Das lange Leben der Königin ist eine wichtige Quelle für ihre Stärke und Beliebtheit", sagte die britische Historikerin Kate Williams. "Viele Menschen kennen gar keinen anderen Monarchen." Wie jeden Sommer hält die Queen sich zur Zeit in Schottland auf - erst am Samstag besuchte sie mit Ehemann Philip (94) und Thronfolger Charles (66) gut gelaunt die "Highland Games". Ihre Ausdauer hat die Queen längst ins Guinness-Buch der Rekorde gebracht. Einige Höhe- und Tiefpunkte der Regierungszeit:

Krönung:Die pompöse und sehr traditionelle Feier am 2. Juni 1953 war das erste große Fernseh-Ereignis in Europa. Die BBC übertrug live - damals eine Sensation und kritisch beäugt von vielen im Establishment. Die Verkaufszahlen für Fernseher gingen in Großbritannien durch die Decke. Dass es geradezu altmodisch zuging bei der Zeremonie, soll ein persönlicher Wunsch der jungen Königin gewesen sein.

Philip: Im November werden es 68 Jahre sein, die Elizabeth und Philip (94) verheiratet sind. Der Prinzgemahl war immer an ihrer Seite, tat sich mit der Rolle als "Mann von" aber schwer. Verliebt hat die Queen sich in den gebürtigen Prinzen von Griechenland und Dänemark schon als Teenager. Im Gegensatz zu ihr fällt Philip oft mit flapsigen bis unverschämten Bemerkungen auf - die Königin trägt es mit Fassung.

Familie: Thronfolger Prinz Charles (66) und seine Schwester Anne (65) kamen zur Welt, als Elizabeth noch Prinzessin war. Nach einigen Jahren, in denen sie sich voll den Regierungsgeschäften widmete, bekam sie mit Andrew (55) und Edward (51) zwei weitere Söhne. Die Queen hat acht Enkel, darunter Prinz William (33) und Prinz Harry (30), sowie fünf Urenkel. Die Geburt von Prinz George 2013 ließ die Briten jubeln. Zuletzt kam im Sommer Prinzessin Charlotte dazu.

Reisen: In ihrer langen Regierungszeit hat die Queen bisher 97 Staatsbesuche im Ausland absolviert, davon gingen fünf nach Deutschland - zuletzt im Juni. Zum ersten Mal kam sie 1965 auf Staatsbesuch in die Bundesrepublik. Das war 20 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, eine wichtige Geste der Versöhnung. Auch als Gastgeberin ist die Queen fleißig. Bisher hat sie 109 Staatsbesuche empfangen.

Commonwealth: Die Queen erbte 1952 kein Weltreich mehr, die endgültige Auflösung des britischen Empires fiel aber in ihre Regierungszeit. Viele der ehemaligen Kolonien sind mit den Briten noch über das Commonwealth verbunden, dessen Oberhaupt Elizabeth II. ist. 173 Mal hat sie Commonwealth-Länder besucht.

Ihre erste Reise nach Kenia trat sie als 25 Jahre alte Prinzessin an und erfuhr am 6. Februar 1952, dass ihr Vater gestorben war. Seitdem haben nur zwei Länder den Staatenbund verlassen, Simbabwe 2003 und Gambia 2013.

Krisenjahr 1992: "Annus horribilis" hat die Queen das Jahr genannt, in dem besonders viel Ungemach zusammenkam. Da war erstens die Sorge um die Kinder: Prinzessin Anne ließ sich scheiden, Charles und Diana trennten sich offiziell, Prinz Andrew und Sarah "Fergie" Ferguson gingen ebenfalls auseinander. Außerdem brach auf Schloss Windsor ein Feuer aus und richtete gewaltigen Schaden an. Für den sollten erst die Steuerzahler aufkommen - ein Sturm der Entrüstung erhob sich. Seitdem zahlt die Queen "freiwillig" Einkommens- und Kapitalertragssteuer.

Diana: Die Mutter der Prinzen William und Harry war 36, als sie im August 1997 nach einem Autounfall in Paris starb. Ein ganzes Land versank in Trauer - und die Queen tat sich schwer, ihrem Volk gerecht zu werden. Viele fanden, dass ihr Auftritt und ihre Ansprache zu spät kamen. Die Beliebtheit des Königshauses, dem manche die Schuld am Schicksal der "Prinzessin der Herzen" gaben, sank auf einen Tiefpunkt. Doch das ist längst verziehen. Das britische Königshaus ist auch dank des jüngsten Nachwuchses beliebt: Prinz William und seine Kate (beide 33) entzücken mit ihren Kindern die Öffentlichkeit: Prinz George (2) und Prinzessin Charlotte, die im Juni zur Welt kam.
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