"RTL-Sendung ""Mein Traumjob: Die Chance meines Lebens"" in Amberg"
Mit mutigem Schnitt zum Job

Und Action. Auch wenn es kein echtes Modell, sondern nur ein Puppenkopf war: Einfach so drauflos zu schneiden, kostete die Kandidatinnen - hier Anna-Sophie beim Dreh im Salon - schon viel Mut.

Amberg. (eik) Es wird schwieriger, fürs Handwerk noch Nachwuchs zu finden. Da kam der Hairothek die RTL-Sendung gerade recht: "Mein Traumjob: Die Chance meines Lebens."

Dieser Titel galt eigentlich drei potenziellen Azubis. Doch das Chef-Duo sah darin auch eine gute Gelegenheit, junge Leute für den Friseur-Beruf zu begeistern. Deshalb haben sich Sabine Wilms und Oliver Nagel entschlossen, mitzumachen - obwohl sie, wie sie zugeben, zunächst "superskeptisch" waren: Ihr Friseurbetrieb im Nachmittagsprogramm von RTL II? Die Zweifel sind längst verflogen. "Am Ende waren wir begeistert. Und für uns war das auch spannend", bilanziert Nagel nach den drei Drehtagen in Amberg.

TV-Sendung als Anregung

Die beiden haben selbst dazugelernt: Wilms und Nagel haben sich aus dem TV-Wettstreit einiges abgeschaut für ihre künftigen Einstellungstests. Besonders gut gefallen hat den Friseurmeistern, dass die Bewerber gleichzeitig arbeiten. Bislang hätten sie Interessenten für eine Lehrstelle immer getrennt voneinander begutachtet. Das wollen sie künftig ändern. Zum Konzept der Sendung gehört, dass sich die möglichen künftigen Ausbilder ungewöhnliche Praxis-Aufgaben als Test ausdenken. Auch das kam bei Wilms und Nagel sehr gut an - und weckte die Kreativität der beiden. Sie schauen sich sonst an, wie angehende Nachwuchskräfte mit Kunden umgehen, ob sie sich ungefragt nützlich machen und lassen sie Haarewaschen.

Für die Sendung haben sie sich echte Herausforderungen ausgedacht: Unvorbereitet eine Brautfrisur stecken und flechten, Haarfarben genau im gewünschten Ton mischen - und damit auf einer Leinwand zu malen. Richtig ans Eingemachte ging es aber, als die drei Kandidatinnen aufgefordert waren, zur Schere zu greifen. Was sie eigentlich ja erst in ihrer Ausbildung lernen. Völlig unbedarft einen Haarschnitt zu wagen, wenn auch nur an einem Puppenkopf, das verlangte dann schon einigen Mut von den jungen Frauen, haben die beiden Chefs festgestellt - und fanden's richtig gut, wie die damit umgegangen sind. "Wir waren völlig geplättet", gibt Sabine Wilms zu: "Die Mädels haben sich mehr getraut, als Auszubildende im zweiten Lehrjahr." Bei einer solchen Herausforderung, die noch dazu zeitgleich mit anderen Bewerbern gemeistert werden muss, sehe man sehr gut, wer sich nicht scheut, zuzupacken im Job - und wer den Ausbildungsplatz wirklich haben will.

Lohn: Eine echte Lehrstelle

Bekommen hat ihn am Ende eine der drei Bewerberinnen. Wer, das dürfen Wilms und Nagel vor der Sendung nicht verraten. Aber es ist Teil des Konzepts, dass es im TV-Wettstreit um eine echte Lehrstelle geht. Die war in der Hairothek für dieses Jahr schon besetzt. Deshalb beginnt die RTL-Gewinnerin ihre Friseurlehre dort im nächsten Jahr. Und ihre künftigen Chefs hoffen, dass die Sendung vielleicht weitere junge Leute für ihren Beruf begeistern kann. "Wir brauchen Mitarbeiter", auf diesen einfachen Nenner bringt es Nagel - doch genau das werde in Handwerksberufen zunehmend schwierig. Dass in der aktuellen Mindestlohn-Debatte immer Friseure an erster Stelle genannt werden, sei da wenig hilfreich. Natürlich gebe es Betriebe, die ihre Mitarbeiter schlecht bezahlen. Aber deshalb alle Unternehmen der Branche in einen Topf zu werfen, sei unfair: "Bei uns war der Mindestlohn noch nie ein Thema", distanziert sich Wilms von solchen Gepflogenheiten.

Eine weitere Entwicklung bereitet den beiden Friseurmeistern Kopfzerbrechen - die Tatsache, dass seit einiger Zeit Realschule und Gymnasium so stark propagiert werden. Die Folge: "Keiner kommt mehr ins Handwerk." Wer Abitur macht, geht danach studieren - und zeigt normalerweise kein Interesse für eine Handwerksausbildung. Bislang haben die beiden ihre Lehrstellen immer noch gut besetzen können. "Aber das wird noch richtig spannend", formuliert es Nagel fast ein wenig beschönigend mit Blick auf die sinkenden Geburtenzahlen: Im Fränkischen hätten Handwerker schon in riesigen Zeitungsanzeigen um Azubis geworben.
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