Santana wieder in Urbesetzung
Richtig alte Haudegen

 
Einer der größten Rock-Gitarristen kehrt zurück zu seinen Ursprüngen. Carlos Santana lässt eine Karriere, die vor 47 Jahren mit Woodstock begann, in einer leidenschaftlichen neuen Platte kulminieren. Und er schart dafür genau die richtigen Leute um sich. Bild: dpa

Die Latin Rock-Könige Santana melden sich im Rampenlicht zurück mit dem sensationellen Album "IV" - in der Urbesetzung, die schon das "Woodstock-Festival" 1969 gehörig aufmischte.

Zumindest für die nicht wenigen Anhänger von Latin Rock und der Pioniere dieses Genres - Santana - war es eine gewaltige, äußerst positive Überraschung, dass sich dieses Urgestein für das schlicht "IV" betitelte Album wieder zusammen gerauft hat. Als da wären: Maestro und Namensgeber Carlos höchstpersönlich, Gitarrist Neal Schon, Schlagzeuger Michael Shrieve, Perkussionist Mike Carabello sowie Keyboarder Gregg Rolie.

Erinnern wir uns zurück an die Ur-Santana, etwa an den von Halluzinogen befeuerten, ekstatischen "Woodstock Festival"-Auftritt von 1969, bei dem Latin Rock endgültig einen unwiderruflichen Stempel in die Annalen der Rock-Historie einbrannte. Oder an die ersten drei Santana-Geniestreiche, längst Klassiker, die ein ganzes Genre begründeten. In dieser einmaligen Tradition ist "IV" verankert. Davon sind nicht nur Millionen Santana-Fans überzeugt, die jene Platte weltweit in die Top Ten der Charts hievten. Sondern auch Keyboarder Gregg Rolie im exklusiven Gespräch.

Santana in der Beinahe-Originalbesetzung - war dieser Überraschungsstreich von langer Hand geplant?

Gregg Rolie: Überhaupt nicht, das passierte reichlich spontan! Wir alten Haudegen standen zwar in den letzten Jahren immer irgendwie in Kontakt zueinander. Aber jeder hatte eigene Projekte am Laufen, ich etwa spielte in der Live-Band von Ringo Starr. Den Stein ins Rollen gebracht hat Neal Schon, als er verlauten ließ, dass er und Carlos ein gemeinsames Projekt auf die Beine stellen möchten. Als nächstes haben wir mitbekommen, dass Carlos für diese Sache nur bereit steht, wenn auch die anderen, noch lebenden Mitglieder der legendären "Woodstock-Besetzung" mitmischen würden. Das war 2013 und wir ließen uns dazu nicht zwei Mal bitten!

Wie liefen die Aufnahmen zu dem Album ab?

Die ersten Rehearsals fanden im selben Jahr statt, wir waren sofort wieder ein Herz und eine Seele. Und wenn es danach die Zeit zuließ, traf man sich, um an neuen Stücken zu arbeiten, um immer wieder intensiv zu jammen. Und mit einem Mal hatten wir ein Album von 75 Minuten Länge zusammen. Wir sind selbst noch ganz überrascht von der Sache. Aber die Magie von einst ist wieder da, ist offensichtlich nie erloschen, so viel steht für mich fest.

Du hattest nie Zweifel daran, dass die Sache nicht mehr funktionieren würde?

Nein, die hatte ich nie - stattdessen habe ich auf der Stelle zugesagt, als es konkret wurde, dass wir die alte Maschine nochmals anschmeißen würden. Das hängt mit der alten Hippie-Mentalität zusammen: Man geht immer von positivem Denken aus und schaut, was letztlich passiert. Wenn etwas nicht klappt, ist man zumindest in Würde gescheitert. Übrigens sind Carlos und ich, seit wir wieder zusammen in einer Band sind, erneut dicke Freunde. Das war eine Zeitlang nicht so, man hatte sich etwas aus den Augen verloren. Aber gemeinsam Musik zu machen, das verbindet doch immens.

Die aktuelle Scheibe nennt sich "Santana IV", um darauf hinzuweisen, dass sie in der Tradition der ersten drei eurer Alben steht. Was verbindet die vier Werke tatsächlich miteinander?

Die Lieder auf der Neuen basieren wie in unseren Anfangstagen rein auf Improvisation. Dadurch klingen sie ungeheuer lebendig. Im Anschluss haben wir aus den Ergebnissen der Jams handfeste Melodien heraus geschält. Es bereitet wahnsinnige Freude, auf diese Art zu arbeiten.

Dein Part im Rahmen des Bandgefüges, also Keyboards zu spielen, war immer ein wesentlicher. Ist das weiterhin so?

Ich bin schon so arrogant zu behaupten, dass Santana aus einem Triumvirat von drei gleichberechtigten Instrumenten-Säulen besteht: Gitarre, Perkussion, Tasten. Ich besitze seit jeher genug Dickköpfigkeit, um mich mit meinem Einsatz durchzusetzen. Wenn man mir meinen Teil vom Sound-Kuchen nicht abgegeben hätte, wäre ich sofort ausgestiegen.

Du unterstützt also den rhythmischen Aspekt auf deine Weise?

Das mache ich sehr gerne, denn ich liebe diesen Aspekt über alle Maßen! Wir sprechen an dieser Stelle von Sinnlichkeit und Erotik im Klangbild. Definitiv nicht vom stumpfen Klatschen Fleisch-auf-Fleisch. Santana-Sound ist seit jeher eine unglaublich körperliche Angelegenheit. Und mal ehrlich: Was gibt es für einen Musiker prickelnderes, als wenn sich Menschen zu deiner Musik ekstatisch aneinander reiben, egal wo sie das tun?

Wie geht es weiter mit Santana in der näheren Zukunft?

Wir haben bereits einige Konzerte gespielt, etwa im "House Of Blues" in Las Vegas oder im "Madison Square Garden" in New York. Ich kann nur beglückt feststellen: Die Atmosphäre bei diesen Gigs war verdammt ähnlich zu der bei unseren frühen Auftritten. Jedenfalls sind weitere Shows in den USA noch in diesem Jahr geplant. Und wenn alles gut läuft, kommen wir im Frühjahr nach Europa.

Wir sind selbst noch ganz überrascht von der Sache. Aber die Magie von einst ist wieder da, ist offensichtlich nie erloschen.Gregg Rolie
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