Schauspieler mit Charakter

Der damals 71-jährige Kabarettist Dieter Hallervorden (unten) in der Rolle des Francois Pignon wird von Eberhard Prüter als Doktor Wolf während der Boulevardkomödie "Die Nervensäge" gewürgt.

Sein "Palim, Palim" reizte die Lachmuskeln einer ganzen Nation. Als blödelnder "Didi" schrieb Dieter Hallervorden TV-Geschichte. Doch der Mann ist auch heute noch viel mehr als nur Kult-Komiker. Morgen feiert er seinen 80. Geburtstag.

Nonsens als "Didi". Scharfzüngiges als Polit-Kabarettist. Warmherziger Charakterkopf in Kino-Erfolgen wie "Honig im Kopf" und "Sein letztes Rennen". Dieter Hallervorden ist Komiker, Schauspieler, Kabarettist, Theaterleiter - und vor allem ein Original.

Der Mann mit dem zerknautschten Gesicht schrieb mit der Slapstick-Serie "Nonstop Nonsens" bereits in den 70er Jahren Fernsehgeschichte. Zuletzt gelang ihm ein viel beachtetes Comeback auf der Kinoleinwand. Am Samstag, 5. September, feiert Hallervorden seinen 80. Geburtstag - und am selben Tag in seinem Berliner Schlossparktheater auch die Premiere der neuesten Bühnenproduktion: "Amadeus" über das Musikgenie Mozart. Hallervorden wird also nicht langweilig. Er selbst wird in dem Stück von Peter Shaffer, das von Milos Forman 1984 verfilmt wurde, allerdings nicht auf der Bühne stehen. Dafür hat der Allrounder für seine Fans einen neuen Song aufgenommen: "Ihr macht mir Mut (in dieser Zeit)" kann ab Freitag, 4. September, im Internet heruntergeladen werden, wie Hallervorden auf seiner Facebook-Seite ankündigt.

Witz und Tiefgang

Und in der ARD ist der Entertainer an seinem Geburtstag (20.15 Uhr) in der Komödie "Chuzpe - Klops braucht der Mensch" zu sehen. Darin spielt er einen Holocaust-Überlebenden, der nach Jahrzehnten in Australien zu seiner Tochter (Anja Kling) nach Berlin zieht - und dort mit seiner neuen, aus Polen stammenden Freundin ein Klops-Restaurant aufmachen will. Eine Geschichte mit Witz und Tiefgang.

"Ich wusste schon immer, dass ich auch ernste Rollen spielen kann. Mich hat einfach nur keiner gelassen", kommentiert Hallervorden in der Zeitschrift "TV Movie" seine späte Karriere als Charakterdarsteller. "Es war unheimlich schwer, aus der "Didi"-Schublade rauszuklettern und zu meinen eigentlichen Wurzeln zurückzukehren. Ich komme ja ursprünglich vom klassischen Theater", sagte er einmal über sein Image als Spaßmacher. Ob mit seinem legendären "Palim, Palim!" im Gag über die "Flasche Pommes Frites", dem schwarzhumorigen Butler-Auftritt im Sketch "Die Kuh Elsa" oder dem mit Helga Feddersen gesungenen Ulksong "Die Wanne ist voll" - Hallervorden hat einen Platz im kollektiven Witze-Gedächtnis der Deutschen. Bissiger und politischer war Hallervorden schon früh in seinen Kabarettprogrammen und von 1994 bis 2003 in der TV-Reihe "Hallervordens Spott-Light".

Mit 78 Jahren schaffte er dann als Marathonläufer in "Sein letztes Rennen" ein Comeback als Charakterdarsteller. Eine Rolle, die seiner Lebensphilosophie entsprach: "Mindestens einmal mehr aufstehen als hinfallen". Mit Til Schweiger drehte Hallervorden 2014 die enorm erfolgreiche Tragikomödie "Honig im Kopf". Darin spielt er sehr anrührend einen alten Mann mit Alzheimer. Sein schauspielerisches Können hatte Hallervorden auch als eiskalter Killer in Wolfgang Menges spektakulärem TV-Thriller "Das Millionenspiel" (1970) gezeigt.

Eigentliches Ziel: Journalist

Seit mehr als 55 Jahren steht der gebürtige Dessauer, der 1958 in den Westen ging, auf der Bühne. Wie viele seiner Kollegen aus dem komischen Fach ist Hallervorden ein nachdenklicher und sensibler Mann. Er studierte Romanistik und wollte eigentlich Journalist werden. Die Anfänge seiner Karriere liegen im politischen Kabarett der 60er Jahre, als er mit gerade mal 25 Jahren die "Wühlmäuse" gründete.

Wie Harald Juhnke war Hallervorden eines der bekanntesten Gesichter des alten West-Berlins. Heute leitet er zwei Bühnen in der Hauptstadt: das Schlossparktheater in Steglitz für anspruchsvolle Unterhaltung und die "Wühlmäuse" am Funkturm, bis heute eine wichtige Adresse für gutes Kabarett.

Manchmal eckt Hallervorden auch manchmal an. Als er im Frühjahr 2015 bei der Verleihung des Romy-Filmpreises auf den Nazi-Slogan "Heim ins Reich" anspielte, löste das Irritationen aus. Es sei eine Satire gewesen, verteidigte er sich. Hallervordens Motto lautet "Ein Narr gibt niemals auf". Er habe aus einem Hobby einen Beruf gemacht, sagte er einmal. "Glücklicherweise traf meine Liebe zur Bühne beim Publikum auf Gegenliebe." Hallervordens zweite Wahlheimat ist ein Schloss in Frankreich. Er ist in zweiter Ehe verheiratet und hat vier Kinder.
Weitere Beiträge zu den Themen: Thriller (817)Berlin (7520)September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.