Schnitte und tote Ratten: Shahid ist Müllsammler

Du musst noch nicht arbeiten, um Geld zu verdienen. Zum Glück! In manchen Ländern der Erde aber sind die Eltern so arm, dass sie ihre Kinder zur Arbeit statt in die Schule schicken. Zum Beispiel in dem Land Indien in Asien.

Shahid steht vor einem verrosteten Müllcontainer. Daraus quellen Papier, Plastik, Essensreste und anderer Abfall heraus. Die halbe Straße ist mit buntem, stinkendem Müll bedeckt. Darin steht eine Kuh und sucht nach etwas zu fressen. Am Rand des Müllteppichs arbeitet die Familie von Shahid. Mit bloßen Händen sortieren sie Milchtüten, Plastikflaschen, Glasflaschen und Metallstücke in einen riesigen Sack.

Shahids Eltern sind Müllsammler in dem Land Indien. Das liegt in Asien. Viele Menschen dort sind sehr arm. Für die dreckige Arbeit bekommen die Eltern von Shahid nur drei Euro am Tag. Damit die Familie ein bisschen mehr Geld bekommt, musste der Zehnjährige bis vor Kurzem auch mithelfen.

"Manchmal waren die Glasflaschen zerbrochen, dann habe ich mich geschnitten", erzählt er. Der Junge zeigt auf die Narben an seinen Händen. Ab und zu fand er auch eine tote Ratte im Müll. "Die musste ich dann hochheben und wegwerfen", sagt er angeekelt.

Eigentlich ist Kinderarbeit in Indien verboten, genauso wie in Deutschland. Aber Shahid wohnt ganz am Rand der Hauptstadt Neu Delhi in einer Armensiedlung. So eine Siedlung heißt Slum. Dort kontrolliert niemand, ob Kinder arbeiten. Auch alle Freunde von Shahid waren Müllsammler.

"Als ich vor ein paar Jahren angefangen habe zu arbeiten, fand ich das sehr schmutzig. Aber dann habe ich mich daran gewöhnt", sagt Shahid. Manchmal fand er auch etwas Nützliches im Müll. Zum Beispiel das rote T-Shirt, das er trägt. Und auch die viel zu großen Plastikschuhe an seinen Füßen.

Shahids Freund Hela ist auch zehn Jahre alt. Trotzdem kann er seinen Namen noch nicht schreiben. "Ich kann das ABC, aber die Buchstaben nicht zusammenfügen", sagt er. Shahid und Hela gingen nie in die Schule, solange sie gearbeitet haben. Doch seit April haben sie nun Unterricht.

Die beiden Jungs müssen sehr viel aufholen. Sie wollen lernen, doch in ihren winzigen Hütten ist das schwierig. Diese sind nur aus Bambus und Plastikplanen gebaut. Sie heizen sich also wie ein Zelt auf. Wenn die Sonne darauf scheint, ist es drinnen mehr als 40 Grad heiß.

Deshalb gehen die beiden in das Lern-Zentrum der Organisation "Pahal". Dort können sie Hausaufgaben machen und besser Lesen und Schreiben lernen. Jeder in dem Zentrum hat große Träume. Die Jungen und Mädchen wollen Doktor, Lehrer oder Polizist werden. Shahids Berufswunsch ist Fußballspieler. Hela will Kricket-Spieler werden.
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