"Schreiber und Störenfried"

Familie, Freunde und Weggefährten haben am Sonntag in Lübeck Abschied von Günter Grass genommen, der am 13. April im Alter von 87 Jahren in Lübeck gestorben war. Unter den Gästen der Gedenkfeier im voll besetzten Theater Lübeck waren Bundespräsident Joachim Gauck, Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Grass werde fehlen, "als Schreiber und Störenfried, als Mahner und Mutmacher", sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) in seinem Grußwort.

In Schleswig-Holstein war für Sonntag Trauerbeflaggung angeordnet worden. Doch eine Trauerfeier habe sich Günter Grass ausdrücklich verbeten - eine Gedenkfeier sollte es stattdessen sein, sagte Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Unter den Gästen waren auch Alt-Kanzler Gerhard Schröder und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (beide SPD). Kulturstaatsministerin Grütters sagte, Grass stehe mit seinem Lebenswerk für die Unabhängigkeit der Kunst und der Künstler.

US-Schriftsteller John Irving (73) erinnerte in einer sehr persönlichen und mit Anekdoten gespickten Rede an seine diversen Treffen mit Grass, mit dem er seit Mitte der 70er Jahre befreundet war. Er erinnerte daran, dass Grass erst 31 Jahre alt war, als er die "Blechtrommel" schrieb. Das sei eine beeindruckende Leistung gewesen. Grass habe sich zeitlebens diverse Feinde gemacht, sagte Irving. Aber Feinde seien "das Zubehör jeden stärkeren Lebens".

In seinem letzten Brief an ihn habe Grass allerdings mehr als besorgt geklungen: Ihm als "kriegsgebrannten Kind" kämen angesichts der aktuellen Weltlage "düstere Erinnerungen", zitierte Irving aus dem Schreiben. Schauspieler Mario Adorf las das Gedicht "Kleckerburg", Andreas Hutzel vom Theater Lübeck rezitierte die Grass-Verse "Trotz allem", und Helene Grass las das Gedicht ihres Vaters mit dem Titel "Mir träumte, ich müsste Abschied nehmen."
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