Schriftsteller Navid Kermani erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
Kein Blatt vor den Mund nehmen

Der deutsch-iranische Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani (links) wurde von Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Bild: dpa
. (epd) Die jüngste deutsche Zeitgeschichte scheint den Schriftsteller Navid Kermani zu bestätigen. Deutschland habe genug Ressourcen, die Verantwortung für Flüchtlinge nicht auf Drittstaaten abzuwälzen, hatte Kermani der Politik 2014 bei der Grundgesetz-Feierstunde des Bundestags ins Stammbuch geschrieben. Heute reisen täglich Tausende Flüchtlinge ins Land. Am Sonntag wurde der Deutsch-Iraner mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels würdigte ihn als "eine der wichtigsten Stimmen" der Gesellschaft.

Religionen respektieren

Der 47-jährige Autor und Islamwissenschaftler setzt sich seit langem für eine offene europäische Gesellschaft ein, die auch Flüchtlingen Schutz bietet. Nicht nur in seiner Bundestagsrede, auch in seinen Romanen, Essays und Reportagen aus Krisengebieten tritt er seit Jahren für Menschenwürde und den Respekt von Religionen und Kulturen untereinander ein.

Der Sohn iranischer Eltern, der 1967 in Siegen geboren wurde, setzt sich immer wieder mit dem Verhältnis von Glauben und Gesellschaft und mit den Beziehungen zwischen den Ländern des Westens und des Nahen Ostens auseinander: etwa in seiner Analyse des Selbstopferungsgedankens im westlichen und östlichen Kulturkreis, "Dynamit des Geistes - Martyrium, Islam und Nihilismus" (2002), die er nach den Anschlägen vom 11. September 2001 verfasste. Er schrieb aber auch Kinderbücher, Theaterstücke und Romane wie "Große Liebe" (2014) über seine Jugendliebe als 15-Jähriger. In dem Band "Ausnahmezustand. Reisen in eine beunruhigende Welt" veröffentlichte er 2013 Reisereportagen aus Syrien, dem Iran und dem Irak.

Rede im Bundestag

Der Islam in Deutschland ist für Kermani, der von 2007 bis 2010 der Deutschen Islam-Konferenz angehörte, ständiges Thema: Er plädiert für einen differenzierten Blick auf Religionen und kritisiert islamischen Fundamentalismus ebenso wie das Vorurteil vom antimodernen Islam. In "Wer ist wir? Deutschland und seine Muslime" machte er 2009 vor allem soziale Gründe für das Entstehen von Parallelgesellschaften aus. 2014 kam seine Stunde, als er seine "große, aber einseitige Rede" ("Welt") im Deutschen Bundestag hielt: eine Lobrede auf das Grundgesetz und eine einzige Kritik der deutschen Asylpolitik.
Weitere Beiträge zu den Themen: Frankfurt (2447)Oktober 2015 (8435)
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