Schwäne, ein See und ganz viel Gefühl

Mit ihrer tänzerischen Leistung überzeugten die Akteure des Russischen Staatstheater für Oper und Ballett Astrachan bei ihrer Aufführung von "Schwanensee" in der Max-Reger-Halle. Bild: Kunz

Nicht nur als Verfilmung feiert "Schwanensee" große Erfolge. Vor allem als Ballett verzaubert das Stück Generationen. Trotz kleinerer Tücken überzeugt die Inszenierung durch tänzerisches Können auch in der Max-Reger-Halle.

Weiden.Der weltbekannte Ballettklassiker "Schwanensee" hat es schon zu Oscar-Ehren gebracht. 2011 erhielt Natalie Portman die höchste Auszeichnung der Filmbranche für ihre Rolle als Primaballerina in "Black Swan", wo sie den schwarzen Schwan mit äußerster Hingabe bis zur Selbstvernichtung tanzte.

Am späten Samstagnachmittag gastiert das Russische Staatstheater für Oper und Ballett Astrachan mit der dramatischen Geschichte um Prinz Siegfried und Odette in der Max-Reger-Halle. Präsentiert wird die Aufführung vom Klassik Konzert Dresden. Viele der 600 Besucher haben ihre Eintrittskarten unterm Weihnachtsbaum gefunden.

Tanz ohne Musik

"Schwanensee" gilt gemeinsam mit dem "Nussknacker" als das wohl berühmteste Märchen der Ballettgeschichte und ist geradezu prädestiniert dafür, an Weihnachten aufgeführt zu werden. Die Inszenierung strahlt vor allem durch seine detailreich gestalteten Kostüme, seine tänzerische Perfektion und sein märchenhaftes Bühnenbild mit dem düsteren Seepanorama im Hintergrund.

Die Musik kommt nicht aus dem Orchestergraben, sondern wird über eine CD zugespielt, die wohl ihre besten Tage schon hinter sich hat. Denn sie zeigt Tücken im ersten Teil. Ein paar Aussetzer und unmittelbar vor Ende des ersten Akts gibt sie überhaupt keinen Ton mehr von sich, so dass der zarte, weiße Schwan ohne Taktvorgabe, dafür aber mit viel unterstützendem Applaus, in die Pause tippeln muss. Trotzdem: Das Ensemble begeistert die großen und kleinen Fans des anspruchsvollen klassischen Tanztheaters mit diesem populären Ballettstück, zumal im zweiten Teil alles wie am Schnürchen funktioniert.

Wie Generationen vor ihnen, erleben die Zuschauer einen Nachmittag, der mit galanten Schritten der feinen Gesellschaft, akrobatischen Sprüngen eines Clowns und durch eine präzise Choreographie glänzt. Am Ende lässt sich das Publikum zu Beifallsstürmen hinreißen.

Erzählt wird die Geschichte von Prinz Siegfrieds Geburtstagsparty und der Präsentation eines Schwanentheaters am See durch Baron von Rotbart, wo sich der Prinz in die Grazie und Reinheit der Schwanenmädchen, besonders in Odette, verliebt. Er verspricht ihr die Ehe. Doch er soll das Versprechen brechen, indem er durch eine Intrige des Barons Odile erwählt. In der Folge tritt der See über seine Ufer und begräbt das Schwanentheater unter sich.

Peter Tschaikowsky hat den musikalischen Rahmen geschaffen und die Musik dazu komponiert. Lew Iwanow und Marius Petipa zeichneten für die literarischen Märchenmotive verantwortlich. Insgesamt eine gelungene Symbiose für die Darstellung von Gut und Böse. Hinter der Frohsinnsfassade taucht immer wieder der furchtbare Baron von Rotbart (Alexander Zverev) auf, der für den Hauptkonflikt verantwortlich zeichnet.

Tänzerische Leichtigkeit

Mit schwebender Leichtigkeit lassen die Balletteusen und Tänzer die exakte Arbeit und athletische Strenge vergessen. Dank der bravourösen Ausdruckspräsenz von Daniel Sokolov als Prinz Siegfried, Nathalia Korobeinikova als Odette und Maria Stec als leidenschaftliche Odile, vor allem aber wegen der tanztechnisch so brillanten Sprung- und Bewegungssinfonie von Igor Lichanov, der den Clown tanzt, gerät die Aufführung zu einer prachtvollen Inszenierung.
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