Serie: Spaziergang durch Ateliers heimischer Künstler - Herbert Lankl in Thanhausen
Momentane Zustände in Stein gemeißelt

"Aus Wien!", antwortet Herbert Lankl spontan auf die Frage nach der Herkunft seiner Kopfbedeckung. Markenzeichen sind sie mittlerweile für ihn geworden, die "Kappen", wie er die Spezialanfertigungen aus Filz selbst nennt.

Der akademische Bildhauer hat als Schüler nichts lieber getan, als gemalt, hat ursprünglich Holzbildhauer gelernt, studierte dann an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und ist seither dem Stein "verfallen". Besonders der Flossenbürger Granit hat es ihm angetan.

Ohne, dass es zwickt

Von den außergewöhnlichen Kopfbedeckungen nennt Lankl 14 Stück sein Eigen. Lange war er auf der Suche nach einem funktionellen Kopfschutz. Von ihm verlangte er, dass er bei Bedarf ganz leicht über die Stirn hinunter bis zu den Augen gezogen werden kann. Zudem mussten Gehörschutz, Staubmaske und Schutzbrille darüber passen, "ohne dass es irgendwo zwickt". Eine Wiener Theatervisagistin empfahl ihm den Hutmacherladen Szaszi in der Mariahilfer Straße 4. Herbert Lankl fand zusammen mit dem Hutmacher Shmuel Shapira aus Jerusalem die perfekte Lösung. 20 Jahre ist das her. Und seitdem hat den Künstler wohl kaum jemand ohne die Kopfbedeckung, die ihn schon von weitem identifiziert, gesehen.

Von Steinmetzen profitiert

In den Steinbrüchen der Firmen Baumann und Helgert in Flossenbürg ist er oft zugange und fertigt dort seine Monumente. In den Brüchen seien Künstler gerne gesehene Gäste. Da heiße es dann: "Da hast du Pressluft, Strom und Wasser, du kannst loslegen." Persönlich habe Lankl viel vom Know-how der Steinmetze profitiert, erzählt er.

Vor allem der Flossenbürger Hermann Krapf habe ihn immer wieder beeindruckt, wenn der für die Renommiertesten der Szene Riesensteine gebrochen hat. "Er hat ein unglaubliches Fachwissen und mir des Öfteren über die Schulter geschaut und wertvolle Tipps gegeben."

Bei der Arbeit in den Steinbrüchen, Lankl ist auch bei Würzburg und in Kelheim immer mal vor Ort, habe er viele tolle Kollegen kennengelernt. Helmut Langhammer nennt er im selben Atemzug - und vor allem Paul Schneider aus Merzig im Saarland. Seit zwei Jahrzehnten pflegt Lankl engen Kontakt zum mittlerweile 85-jährigen Kollegen, der einer der agilsten in der Szene sei. In der Heimat teilt Lankl das Schicksal vieler Künstler. "Der Prophet im eigenen Land zählt nicht! Wenn du hier 14 Steine aufbaust, baust du nach der Ausstellung alle wieder ab."
"Deshalb musst du dort fischen gehen, wo auch Fische sind", sagt er. Viele Wettbewerbe hat Herbert Lankl schon mitgemacht und gewonnen. Zahlreiche Aufträge kommen von Kirchen beider Konfessionen. Im vergangenen Jahr gehörte Lankl zum erlesenen Kreis von 13 Oberpfälzer Künstlern, die zu Ehren Papst Benedikts XVI. in der Albergati-Kapelle der Kirche Santa Maria degli Angeli in Rom ausstellen durften.

Im Frühjahr stellte er in der Galerie Mediart in der Grand-Rue in Luxemburg aus. Von 14 Skulpturen wurden fünf verkauft, drei blieben im Depot. "Kein schlechter Schnitt", freut sich der Bildhauer. Am 14. Oktober eröffnet er eine Präsentation in der Galerie Contemporanea in Oberbillig in der Nähe von Trier. In Moosthenning bei Dingolfing hat Lankl für die Kirche Maria Himmelfahrt einen Wettbewerb gewonnen.

Komplette Prinzipalien

Er fertigt dafür die komplette Prinzipalien-Ausstattung wie Altar, Ambor, Tabernakel und Taufbecken. "Meine Werke haben keine Titel. Ich will keine Anleitung liefern. Alles steht im Kontext zur jeweiligen Umgebung. Ich reagiere immer auf den Ort, arbeite mit dem vorhandenen Raum.
"Wenn eine Arbeit abgeschlossen ist, ist sie für immer erledigt. Andererseits ist ein Werk aber nie wirklich fertig. Ich liefere nur momentane Zustände ab. Von manchen Arbeiten trenne ich mich gar nicht gerne. Da erhöhe ich den Preis dann so, dass sie sowieso keiner kauft und wenn doch, ist dadurch wenigstens der Trennungsschmerz einigermaßen kompensiert."

Heimlicher Maler

Lankls Lieblingssteine sind neben dem Flossenbürger Granit Gabbro-Granit aus Tschechien, Trachit, Muschelkalk aus Kirchheim bei Würzburg, Auerkalk aus Kelheim und Schiefer aus Ligurien. Zum Ausgleich malt Herbert Lankl. "Das ist reines Privatvergnügen, das wird auch nirgends gezeigt. Abstract, ziemlich wild in Öl, Aquarell oder Acryl." Mehr verrät er dazu nicht. Jeden Donnerstag arbeitet er als Fachlehrer für Holzgestaltung an der Weidener Fachoberschule. "Dabei halte ich meine Beziehung zum Holz aufrecht und treffe viele künstlerisch talentierte junge Leute."
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