Siegried Mauser, Präsident der Musikhochschule München, bereichert das Team um Kurt Seibert
Der Schwandorfer Klavierfrühling in voller Blüte

Schwandorf. Seit fast einer Woche studiert Kurt Seibert mit seinen Studentinnen und Studenten im Oberpfälzer Künstlerhaus Klavierwerke ein. Werke von Haydn, Mozart und Brahms wurden betrachtet, Beethoven jedoch bildete den Mittelpunkt der Arbeit, etliche seiner Sonaten als auch der Kopfsatz des 1.Klavierkonzerts op 15 wurden vorgetragen und analysiert. Am Donnerstagvormittag kam Siegfried Mauser, der Präsident der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in München dazu, um Gastunterricht zu geben.

Seine eigene Methodik

Sein Unterrichtskonzept ist naturgemäß individuell etwas anders als das von Kurt Seibert, schließlich hat jeder Künstler seine eigene Methodik und Zielvorgabe beim Unterrichten. Für Lernende entsteht damit die einmalige Chance, zu den wichtigen und richtigen Anleitungen ihres Lehrers einen zweiten hochinteressanten Interpretationsansatz kennen zu lernen.

Siegfried Mausers Intention dabei ist unter anderem, der musikalischen Phrase eine konkrete Bedeutung an die Seite zu stellen, also z.B. den Beginn der Sonate op 2/2 als Frage- und Antwortspiel ("Wie geht"s?" - "Ganz gut!") aufzufassen. Frappierend, wie gemäß dieser Vorstellung das Spiel der Noten klarer wird. Zusätzlich wurden Fingersätze erörtert, Phrasierungsmöglichkeiten hinterfragt, Lautstärken überlegt, eben alles, was der normale Konzertbesucher gar nicht bemerkt, weil es vorher erarbeitet und vervollkommnet wurde.
Aufmerksam verfolgten die Lernenden Mausers Ausführungen. Sie fühlen sich eindeutig nicht als Konkurrenten sondern in einem gemeinsamen Team für Beethoven. Untergebracht sind sie im Künstlerhaus II, dort stehen ihnen drei Übungsklaviere zur Verfügung, ganz ersichtlich gefällt ihnen der Aufenthalt in Schwandorf, und das macht sich in ihrem Spiel positiv bemerkbar.

Am Donnerstagabend trug Siegfried Mauser dann selbst zwei Sonaten von Beethoven vor. Energisch zupackend, manchmal extrem in dynamischen Unterscheidungen verdeutlichte er die Spannbreite Beethovenscher Musik. Zunächst erklang die Sonate c-moll op 10/1, deren Schroffheit und Leidenschaftlichkeit Mauser nicht etwa wie manche anderen Pianisten glättete, sondern durch das aberwitzige Tempo des Vortrags noch intensivierte.

Nur kurzzeitige Beruhigung

Gehetztes Vorwärtsdrängen prägte schon das gezackte Auffahren in punktierter Akkordbrechung, auch gedämpftes Zurücksinken kann den Eindruck der Ruhelosigkeit nicht verwischen. Die strömende Ruhe des Mittelsatzes brachte nur kurzzeitige Beruhigung, denn das Finale (einer der beiden Sätze in seinem Schaffen, für die Beethoven die Bezeichnung "Prestissimo" wählte) jagte ungebremst ohne Ruhepunkt dahin. Die zeitgenössische Kritik sprach von einer "Häufung wilder Gedanken" und Mauser betonte durch seine stupende Technik und die daraus folgende brillante Darstellung die geniale für damals neuartige Struktur des Werks.
Eine andere, noch kompliziertere Welt tut sich auf, wenn Siegfried Mauser sich der vorletzten Sonate Beethovens, der in As-dur op 110, zuwendet. In ihr wird Beethovens bekennerhaftes Musikdenken besonders deutlich, dieses Werk prägen viele unterschiedliche musikalische Gesichter: Rezitativ, Fuge, Klagearie und Gassenhauer sind enthalten und zu einem überzeugenden Ganzen verwoben Mauser ging bis zum Äußersten, um darzustellen, wie Beethovens Gespür für Klanggewalt, Struktur und Empfindung auf den Hörer einwirken sollte.

Und so wurde nachvollziehbar, warum Beethoven zu den größten Komponisten des Abendlands zählt. Und wenn man will, kann man den großen Beifall für Mausers Spiel zugleich auch als Hommage an Beethovens Schaffen werten.
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