Silberbüchse kommt unter den Hammer

Hella und Pierre Brice: Nach dem Tod des Winnetou-Darstellers hat seine Frau jetzt große Teile aus dem Nachlass ihres Mannes zur Versteigerung freigegeben. Bild: Kunz

Seine Frau Hella sagt: "Es wäre der Wunsch von Pierre Brice gewesen, dass es so läuft." Fünf Monate nach dem Tod des Winnetou-Darstellers (86) werden jetzt in Mühlenbeck bei Berlin über 1500 Exponate aus seinem Nachlass versteigert.

Der Mann muss alles, was in seinem Leben eine Rolle spielte, aufgehoben haben. Platz genug dafür gab es ja in seinem Schloss bei Paris. Nun hat seine in Fronberg bei Schwandorf geborene und in Amberg aufgewachsene Ehefrau Hella vieles von dem, was sich im Lauf der Zeit ansammelte, zu einer Versteigerung freigegeben. Insgesamt über 1500 einzelne Stücke.

Nicht, um damit größeren finanziellen Gewinn zu machen. Ein erheblicher Teil aus dem Auktionserlös wird der vom Dalai Lama gegründeten "Future4Children"-Stiftung zukommen. Das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus hatten Hella und Piere Brice vor Jahren einmal persönlich getroffen.

Große Anhängerschar

In Oberbayern ist ein Haus gebaut worden, in das Brice zusammen mit seiner Frau und deren beiden Drillingsschwestern Huberta und Gabriele einziehen wollte. Er selbst erlebte das nicht mehr und auch Hella Brice ist noch nicht übergesiedelt. Der Grund: Noch immer ist kein Käufer für das Schloss bei Paris gefunden worden. "So oder so aber hätten wir nie alle unsere Möbel und Erinnerungsstücke mit nach Deutschland nehmen können", sagt die 65-Jährige. Deswegen kommt nun etliches unter den Hammer, was die Fans von Winnetou, dem Häuptling der Apachen, entzücken dürfte.

Die Anhängerschar des französischen Barons, der durch seine Karl-May-Filme im deutschsprachigen Raum schon zu Lebzeiten eine Legende wurde, ist nach wie vor groß. Ihr Blick dürfte sich nun am Samstag, 7., und Sonntag, 8. November, auf den Ort Mühlenbeck bei Berlin richten. "Eine wahre Fundgrube für alle, die Pierre Brice mochten und verehrten", ist Christian Gründel, der Inhaber des Auktionshauses "Historia" überzeugt.

Lange Liste

Film- und Popstars bewahren in der Regel wenig von dem auf, was während ihrer Karriere eine Rolle spielte. Anders Pierre Brice. Er warf nichts weg und schuf eine persönliche Sammlung, die so umfangreich ist, dass daraus ein Museum hätte entstehen können. Das aber geschieht nun nicht.

Seine Verehrer bekommen die Möglichkeit, Stücke aus dem Privatbesitz ihres Idols zu erwerben. Die Liste ist lang. Versteigert werden erlesene Weine, Antiquitäten, Möbel, Familienerbstücke, Gemälde und Uhren. Daneben gibt es Bücher, Schallplatten, Reisegepäck und maßgeschneiderte Anzüge. Auch aus den Winnetou-Filmen ist etliches dabei. Kostüme des Indianer-Anführers, seine berühmte Silberbüchse, Sättel, Zaumzeug der Pferde. Ganz zum Schluss wird vom Auktionator eine Rarität aufgerufen, die nicht ganz billig sein dürfte: Ein von Pierre Brice stets gehegter und gepflegter "Jaguar V6" mit Papieren, die den aus Frankreich stammenden Schauspieler als Besitzer ausweisen.

Weltweit im Live-Stream

Schätze, die nach dem Zuschlag in den Privatkollektionen der Fans verschwinden. Hella Brice ist nicht traurig darüber. Denn was ihr persönlich ans Herz gewachsen ist, will sie behalten und dann wohl auch mit nach Oberbayern nehmen, wenn die Zeit des Umzugs gekommen ist. Die Versteigerung im November wird weltweit über Live-Stream übertragen.

Alle Exponate werden ohne Aufrufpreis in die Auktion gehen. "Mein Mann", unterstreicht Hella Brice, "hat nie vergessen, dass sein Erfolg allein den Fans zu verdanken war." Die Tochter eines Amberger Arztes ist in den letzten Wochen damit beschäftigt gewesen, mit dem Auktionator Michael Lehrberger jedes einzelne Exponat zu besprechen.

___

Weitere Informationen im Internet:

http://www.historia.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Berlin (7520)Paris (591)Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.