Sternsinger aus Neunkirchen bei Angela Merkel
Mit Stern, Charme und Krone

Bundeskanzlerin Angela Merkel verfolgt während des Treffens mit den Sternsingern eine kurze Vorführung der Kinder zum Thema "Gesunde Ernährung". Auf der Tribüne haben Katharina Uschald und Nico Sperrer (zweite Reihe, von links) aus Neunkirchen einen guten Platz ergattert: Sie stehen direkt neben der Bundeskanzlerin. Bilder: Elisabeth Schätzler (3)

Nicht mit dem Kamel geht es auf Reisen, sondern mit dem Zug machen sich die Heiligen Drei Könige auf den Weg. Im Gepäck: Krone, Stern und Umhänge - das Handy darf auch nicht fehlen. Vier Sternsinger aus der Pfarrei St. Dionysius aus Neunkirchen bei Weiden treten die Reise an - nicht nach Bethlehem, aber immerhin nach Berlin.

Nach einer guten Stunde ist alles vorbei. Erleichtert ziehen Nico Sperrer, Thomas Dittrich, Julia Strehl und Katharina Uschald ihre Kostüme aus. "Mit der Zeit wird der Stern schon ganz schön schwer", gesteht Thomas. Auch die anderen - allen voran Begleiterin Maria Gabler - machen glückliche Gesichter und sind sichtlich beeindruckt von der Zeremonie.

Sie waren vier von 108 Kindern, die am Mittwoch Angela Merkel im Bundeskanzleramt besuchten. Schon bei der Generalprobe am Dienstagabend herrscht Aufregung. Die Verantwortlichen erklären den Kindern genau, wer wann wo zu stehen hat. "Immer schön lächeln", geben sie den Rat. "Da stehen viele Journalisten, die ein Foto von euch machen möchten."

Während der sechsstündigen Zugfahrt geben sich Nico, Julia, Thomas und Katharina relativ gelassen. Die lange Zeit vertreiben sich die vier Ministranten mit ihrer Begleiterin Maria Gabler mit Spielen und lernen - die 16-jährige Julia muss sich auf ihre Klausuren vorbereiten. Das Handy ist außerdem ein wichtiger Begleiter: daheim anrufen, Spiele ausprobieren und zur Sicherheit noch einmal die Lieder anhören, die sie im Bundeskanzleramt singen.

Nach der Generalprobe sind die vier froh, ins Bett zu kommen. Nachtruhe ist aber noch lange nicht. "Wir haben noch ein bisschen ,Uno' gespielt, daheim angerufen und geplaudert", erzählen Thomas und Nico. "Um viertel eins sind wir eingeschlafen und um halb sieben ging der Wecker."

Verschlafen sehen die vier am Mittwochmorgen nicht aus. Nach dem Frühstück heißt es Koffer packen und ab in den Bus der Bundespolizei. "Das war total super", sagt Thomas. Um neun Uhr ist gemeinsamer Gottesdienst in der Kirche St. Ansgar. "Der war schön", erzählt die neunjährige Katharina. Und: "Wir waren nicht aufgeregt." Julia fügt hinzu: "Angela Merkel ist auch nur ein ganz normaler Mensch."

Bundespolizei als Taxi

Nach der Kirche geht es weiter zum Bundeskanzleramt. Am Eingang müssen auch sie sich der strengen Kontrolle unterziehen - Heilige Drei Könige hin oder her. Der Weg zum Saal, in dem sich die Kinder umziehen, führt vorbei an den Journalisten. Die Aufregung steigt: Nur noch wenige Minuten, dann stehen sie vor der Bundeskanzlerin. Kronen und Umhänge richten, den Stern in die Hand nehmen - dann heißt es: Aufstellung.

In der Zwischenzeit positionieren sich der Bundespräses des BDKJ, der Präsident des Kindermissionswerks, die Kanzlerin sowie die Staatsminister. Nach dem Alphabet stehen die Gruppen bereit. Vor den Regensburgern sind 21 Gruppen an der Reihe. "Mit jeder Gruppe, die aufgerufen wurde, sind wir weiter vorgerückt", beschreibt der 10-jährige Nico die Minuten vor der Begegnung mit der Bundeskanzlerin. "Ich hab mir gedacht: Hoffentlich stolpere ich nicht."

Dann ist es soweit: Der Moderator kündigt das Bistum Regensburg an. Die fünf gehen los, das Lächeln setzt automatisch ein. Angela Merkel beugt sich zu Katharina und streichelt ihr über den Arm. "Sie hat sich bedankt und mich begrüßt", erzählt die Neunjährige. Auch den anderen schüttelt sie die Hand und wünscht ein gutes neues Jahr. "Sie ist wirklich nett", sagt Julia. "Das ist eine Ehre, der Bundeskanzlerin die Hand zu schütteln", freut sich Thomas.

Nach ein paar Sekunden ist es auch schon wieder vorbei. "Das ging alles so schnell", erinnert sich Julia bei der Heimreise. Ein paar Kameraklicks später gesellen sich die vier Neunkirchener zu den anderen auf die Tribüne. Alles ist glatt gegangen, keiner ist gestolpert. Auf der Tribüne haben Katharina und Nico einen guten Platz erwischt: Sie stehen direkt neben der Bundeskanzlerin.

Dank der Bundeskanzlerin

Schlag auf Schlag geht es weiter: Die 108 Kinder stimmen "Stern über Bethlehem an" und Angela Merkel bedankt sich in ihrer Rede bei den Buben und Mädchen für ihr Engagement. "Wenn man euch sieht, wird einem wirklich warm ums Herz", sagt sie. Dann übergibt sie eine Spende, die sie für eine Einrichtung in Äthiopien vorgesehen hat.

Es geht weiter zur Nordtreppe, die Sternsinger aus Mainz sprechen den Segensspruch, ein letztes Lied und schon ist der Empfang wieder vorbei, die Bundeskanzlerin verabschiedet sich. Den Buben und Mädchen ist die Erleichterung deutlich anzumerken. Sie dürfen endlich ihr wohlverdientes Mittagessen in der Kantine des Bundeskanzleramts genießen. Es gibt Spaghetti.

Ein bisschen Sightseeing muss dann doch noch sein: Die Neunkirchener besuchen das Brandenburger Tor und das Reichstagsgebäude. Mehr ist nicht drin, die Zeit zu knapp, der Zug wartet nicht. Müde und erschöpft nach der kurzen Nacht und der Aufregung fallen die vier in die Sitze des ICE. Schon kurz nach der Abfahrt schlafen Nico, Thomas und Julia ein. Katharina hält sich wacker. Die Grundschülerin hat in der Schule viel zu erzählen.
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