Tatiana Trouvé spielt in der Kunsthalle Nürnberg mit Räumen und Zeiten
Wenn die ganze Welt aus dem Lot gerät

Nürnberg.Ihr Atelier könne überall liegen, sagte Tatiana Trouvé einmal in einem Interview. Die 46-jährige Künstlerin kam im italienischen Cosenza zur Welt, wuchs in Dakar auf, studierte in Nizza und zog später nach Paris, wo sie lange Zeit vom Kunstbetrieb ignoriert wurde. Derzeit überlegt sie, nach Berlin umzuziehen. Der konstante Wechsel, die Entdeckung immer neuer Welten, die Lust am Experimentieren durchzieht auch ihr künstlerisches Universum.

Alles im Lot?

Der Schwerpunkt von Tatiana Trouvés Arbeiten liegt in der Auseinandersetzung mit der vierten Dimension, mit dem Verhältnis von Raum und Zeit. In der Kunsthalle Nürnberg hat sie für ihre Ausstellung "I tempi doppi" mit brachialer Gewalt in den Raum eingegriffen. Die zahlreichen Schnitte in der Wand werden zu einer riesigen begehbaren Zeichnung. Passend zum Titel der Schau spielt sie mit doppelten und bisweilen widersprüchlichen Erfahrungen von Zeitlichkeit. Alltägliche Dinge wie Keile oder Transportkisten, an unerwarteten Orten platziert, wirken da oft fehl am Platz.

Faszinierend ist der Raum mit den schwebenden Pendeln und Loten, die gerade nicht im Lot sind. Schräg ragen sie in den Raum, gehalten von unsichtbaren Magneten im Boden. Schwerkraft und Statik scheint es nicht mehr zu geben. Die Zwiespältigkeit der Wahrnehmung wird auch in ihren Skulpturen deutlich. Schlanke Bronzerohre zeichnen mit großen ungelenken Bewegungen Formen in den Raum. Sie tragen an ihren Enden Glühbirnen, von denen jeweils eine leuchtet, die andere jedoch nicht. Verdoppelung, Spiegelung, Wiederholung und Gegenpoligkeit werden zum durchgängigen Motiv.

Überall zu Hause

Nachdem sie im Oktober 2007 mit dem Prix Marcel Duchamp ausgezeichnet wurde, Frankreichs wichtigstem Nachwuchskunst-Preis, stürzte sich Paris förmlich auf sie. Es gibt dort eben nicht allzu viele junge Künstler. Doch die neue Vorzeige-Französin zieht es schon wieder weiter, nicht der kreativen Atmosphäre wegen, sondern wegen ihres Privatlebens, wie sie im Interview verriet. Wie gesagt - ihr Atelier kann überall liegen.

___

Die Ausstellung von Tatiana Trouvé. "I tempi doppi", Skulpturen und Rauminstallationen, ist noch bis 8. Februar 2015 in der Kunsthalle im KunstKulturQuartier (Lorenzerstraße 32, Nürnberg) zu sehen.

___

Weitere Informationen im Internet:

http://www.kunstkulturquartier.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Kunsthalle (198)November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.