"The Revenant" startet im Kino
DiCaprio brilliert als Überlebenskämpfer

Die Liebe zu seiner verstorbenen Frau ist ein Grund, wieso Hugh Glass so hartnäckig ums Überleben kämpft. Rache treibt ihn an.

Wer Regisseur Alejandro González Iñárritu bisher noch nicht auf dem Bildschirm hatte, sollte sich spätestens nach seinem neuen Film "The Revenant - Der Rückkehrer" diesen Namen merken. Mit ihm bringt er nach "Birdman" das zweite Meisterwerk innerhalb eines Jahres heraus - und könnte nebenbei Leonardo DiCaprio zum langersehnten Oscar verhelfen.

München. Der neue Streifen basiert auf tatsächlichen Ereignissen. Er handelt vom Abenteurer Hugh Glass (Leonardo DiCaprio), der bei einer Expedition tief in der amerikanischen Wildnis von einem Bären angegriffen und von seinen Begleitern, die überzeugt sind, dass er dem Tod geweiht ist, zurückgelassen wird. In seinem Überlebenskampf erleidet Glass nicht nur unerträgliche Qualen, er muss auch erleben, dass sein vermeintlicher Beschützer John Fitzgerald (Tom Hardy) ihn verrät, beraubt und im Stich lässt. Es folgen ein Überlebenskampf und ein Rachefeldzug, die so noch nie auf der Leinwand zu sehen waren.

"The Revenant" ist ein visuelles Erlebnis. Kameramann Emmanuel Lubezki, der schon für "Birdman" eine Oscar erhielt, arbeitet wieder viel mit langen Kameraschwenks. Die Filmemacher haben sich entschieden, komplett auf künstliches Licht zu verzichten. Iñárritu verriet: "Ich wollte die Geschichte erzählen, ohne mich auf Spezialeffekte zu verlassen. Ich habe fünf Jahre damit verbracht, nach den kraftvollsten und unberührtesten Landschaften zu suchen. Mitten in dem felsigen Terrain der abgelegenen kanadischen Wildnis haben wir uns Zeit gelassen beim Drehen, um wirklich tief in den Instinkten der Zuschauer anzukommen." Das sieht man dem Film an. Viele Einstellungen wirken wie ein Kunstwerk.

Rohe Bisonleber gegessen


Hinzu kommt ein brillant aufspielender Leonardo DiCaprio. Dass der US-Amerikaner zu den Besten vor der Kamera weltweit gehört, beweisen seine jeweils zwei Oscar-Nominierungen als bester Neben- und als bester Hauptdarsteller und die Tatsache, dass er so gut wie noch nie für einen schlechten Film unterschrieben hat. Was DiCaprio allerdings in "The Revenant" abliefert, ist extraklasse. Dafür hat der Hollywood-Star auch gelitten. Laut eigener Aussage könne er 30 oder 40 Szenen benennen, die zu den schwierigsten seiner Karriere zählen. Er watete durch eiskalte Flüsse, schlief in Tierkadavern und aß rohe Bisonleber.

Eindringliche Szenen gibt es im Film gleich Dutzende. Für schwache Nerven ist das alles sicherlich nichts. Etwa wenn ein Bär Hugh Glass angreift. Der Trailer deutet die Sequenz nur an. Im Film sieht man, wie der Grizzly beißt, seine Krallen das Fleisch des Jägers durchdringt und ihn fast umbringt. Später drohen die Wunden zu verfaulen. Die Kehle muss nach dem Angriff zugenäht werden. Beim Trinken platzt sie wieder auf und Wasser dringt aus der Wunde. Daraufhin legt sich Glass Schießpulver auf die offene Stelle, nimmt ein Stück glühendes Holz und brennt die Wunde zu.

Schwer vergleichbar


Dabei sieht alles unglaublich real aus. Kurzum: Das, was Hugh Glass im Film durchlebt ist einfach nur krass - auch für den Kinogänger. Ein Zitat aus "The Revenant" umschreibt den Überlebenskampf poetischer: "Der Wind kann einen Baum mit starken Wurzeln nichts anhaben."

Schon im vergangenen Jahr räumte Regisseur Iñárritu mit "Birdman" bei den Oscars ab. Gut möglich, dass er den Erfolg mit seinem neuen Meisterwerk wiederholt, das sich nur schwer mit anderen Filmen vergleichen lässt. Hoffnungen darf sich aber vor allem DiCaprio machen, für den viele schon seit Jahren eine Auszeichnung der Akademie fordern. Mit seiner Leistung in "The Revenant" hätte er sie auf jeden Fall verdient.

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Regie: Alejandro González Iñárritu - Mit: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Will Poulter - Musik: Bryce Dessner, Carsten Nicolai, Ryuichi Sakamoto - 151 Minuten - frei ab 16 Jahren - Im Internet: www.fox.de/the-revenan
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