Tierheim-Mitarbeiter bangen um Welpen
Bruno kämpft ums Überleben

Die Nacht nach der Operation hat der rund drei Monate alte Bruno gut überstanden. Ob der Welpe letztendlich überlebt, zeigt sich laut Tierarzt erst in den kommenden Tagen. Bild: hfz

Vohenstrauß. (doz/uax) Als der rund drei Monate alte Welpe (Schäferhund-Labrador-Mischung) ins Tierheim kam, war er total entkräftet. In einem Facebook-Post, den Wenzl verfasste, schrieb sie: „Der kleine Kerl konnte nicht mal mehr aufstehen, konnte nichts zu sich nehmen, es ist ganz furchtbar, ihn so sehen zu müssen.“ Rund um Bruno gab es viele Spekulationen. Eine Frau meldete sich laut Wenzl im Tierheim. Sie erklärte, dass sie den Welpen in einem Vohenstraußer Waldstück gefunden habe, machte jedoch keine detaillierteren Angaben und hinterließ auch nicht ihren Namen.

Weil der kleine Hund Farbe an den Zähnen hatte, vermutete Wenzl anfangs, dass er eine solche zu sich genommen haben müsse. Eine Röntgenaufnahme ergab jedoch, dass Bruno eine Socke verschluckt hatte und es sich nicht um Farbe, sondern um Kontrastmittel handelte. Für Wenzl ließ das am Mittwochvormittag nur einen Schluss zu: „Ich glaube, Bruno wurde ausgesetzt.“ Zum gleichen Ergebnis kam Dr. Siegfried Schmelcher: „Es ist offensichtlich so, dass Bruno in Behandlung gewesen sein muss.“ Denn ein Kontrastmittel kommt laut dem Tierarzt zum Einsatz, „wenn der Verdacht eines Darmverschlusses besteht oder ein Fremdkörper verschluckt wurde“. Am Dienstagmorgen musste notoperiert werden. Rund 30 Zentimeter des Darms seien entfernt worden. Ob Bruno überlebt, zeige sich erst in den kommenden Tagen.

Besitzer melden sich

Sowohl das Oberpfalznetz, als auch das Weidener Tierheim publizierten die Geschichte auf Facebook. In den Kommentaren waren überwiegend Genesungswünsche für die Welpe und Kritik am Hundebesitzer zu lesen. Dieser Umstand sorgte für eine neue Entwicklung im Fall Bruno. Denn am Mittwochnachmittag meldete sich laut Wenzl ein Pärchen aus dem Raum Weiden im Tierheim. Ein Mann und die Frau, die Bruno als Fundtier abgegeben hatte, sind die Besitzer.

Wenzl sprach vom „schlechten Gewissen“, das die beiden zur diesem Schritt bewogen hätten. „Sie haben sich entschuldigt und die Situation aufgeklärt.“ Das Pärchen habe Bruno vor einiger Zeit in Cham von Privatleuten gekauft. Als sie merkten, dass es dem Hund nicht gut ging, machten sie sich am Sonntag auf den Weg in die Tierklinik nach Regensburg. Eine Röntgenaufnahme hätte 700 Euro gekostet. Geld, das die Frau und der Mann nicht hatten. Also entschieden sie sich, Bruno ein Magentonikum verabreichen zu lassen, das nur rund 100 Euro kostete. Das erklärt auch die Farbe an den Zähnen. Anschließend sei das Paar vom Klinikum „weggeschickt worden“. Wenzl glaubt das: „So etwas ist nicht außergewöhnlich.“

Bruno im Tierheim

Eine Bekannte des Pärchens gab den Tipp, Bruno ins Weidener Tierheim zu geben. „Anscheinend wusste die Freundin, dass wir Fundtiere aufnehmen müssen.“ Das nutzte das Paar.

Aktuell hängt Bruno an einer Infusion in Schmelchers Praxis. Wenzl plante ursprünglich, Anzeige zu erstatten. Davon lässt sie aber ab, weil sich die Besitzer meldeten. Wer letztlich die OP-Kosten übernimmt, ist noch unklar. Wenzl spricht von 1000 bis 1500 Euro, die in vergleichbaren Fällen bezahlt worden seien. Das ist aber erstmal zweitrangig. Aktuell liegt der Hundebesitzerin vor allem eines am Herzen: „Wir hoffen so sehr, dass Bruno überlebt. Fest steht, dass der kleine Schäferhund, sollte er gesund werden, nicht mehr zum Pärchen zurückkehrt, sondern vom Tierheim an andere Besitzer vermittelt wird."

Kein Anspruch auf kostenlose Behandlung

"So etwas kommt häufiger vor, als man meint", berichtet der Sprecher des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn, Marius Tünte. In den rund 500 dem Tierschutzbund angeschlossenen Tierheimen landen seinen Angaben zufolge laut der jüngsten Erhebung aus dem Jahr 2010 rund 300.000 Tiere pro Jahr. "Zwei Drittel davon wegen finanzieller Probleme der Besitzer." Einen Anspruch auf eine Behandlung bei einem Tierarzt oder in einer entsprechenden Klinik gebe es nicht. "Die Bezahlung der Leistung muss sichergestellt sein. Viele Tierärzte akzeptieren aber Ratenzahlungen." Die Sprecherin der Bundestierärztekammer in Berlin, Claudia Pfister, bestätigt dies. "Ein Tierarzt darf gar nicht nichts verlangen, sonst droht Ärger." Ihr Rat in Notfällen. "Mit dem Arzt reden. Und einen Notgroschen zur Seite legen."
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