Torgau in Sachsen gewährt Blick zurück in spannende Zeiten - Nationale Ausstellung "Luther und ...
Vergessener Ort der Reformation

Auf Schloss Hartenfels in Torgau (Sachsen) gibt es heuer die erste Nationale Sonderausstellung "Luther und die Fürsten". Bild: dpa
Majestätisch thront Schloss Hartenfels am Torgauer Elbufer. Das größte vollständig erhaltene Schloss der Frührenaissance in Deutschland ist architektonisches Juwel und Touristenmagnet - aber noch viel mehr: Die einstige Residenz der Kurfürsten von Sachsen war das politische Zentrum der Reformation. "Die Macht der Herrscher schützte Luther, und sie unterstützten die Verbreitung seiner Ideen", sagt der Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer in Dresden, Dirk Syndram.

Diese Bedeutung des authentischen Ortes geriet fast in Vergessenheit. Er wurde in diesem Zusammenhang aus Expertensicht bisher zu wenig beachtet. Das soll sich im Zuge des 500. Jubiläums der Reformation in zwei Jahren ändern. Die Rolle Torgaus bei der wichtigen Umwälzung im 16. Jahrhundert ist heuer Gegenstand der Nationalen Sonderausstellung "Luther und die Fürsten" (15. Mai bis 31. Oktober), die derzeit unter der Regie der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) vorbereitet wird. "Ein vergessener Ort der Reformation wird wiederentdeckt", nennt Kurator Syndram als Ziel.

Meilenstein des Jubiläums

Es ist die erste von vier Präsentationen zum Reformationsjubiläum 2017 - und für Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) "ein Meilenstein auf dem Weg zum Jubiläumsjahr". Der Bund gibt 2,5 Millionen Euro für Sanierung und Rekonstruktion von Schloss Hartenfels sowie weitere 750 000 Euro für die Schau. Sie soll Torgau als Stätte der Reformation wieder ins Bewusstsein rücken - auch international. Dabei predigte Reformator Martin Luther dort und weihte 1544 mit der Schlosskapelle den ersten protestantischen Kirchenbau - entworfen nach seinen Ideen.

Zudem gründeten sich wichtige Bündnisse zum Schutze der Glaubensfreiheit, 1530 wurden die "Torgauer Artikel" als Grundlage der Augsburger Konfession zu Maßnahmen der Kirchenreform und ihrer Verteidigung erarbeitet. "Das ist eine ausgesprochen spannende Zeit", sagt Kurator Syndram. "Wir wollen zeigen, dass Torgau unverzichtbar für die Entwicklung der Reformation war und wie keine andere Stadt das Gefühl dieser Zeit erleben lässt."

In der Sonderschau sollen auch die gegenreformatorische Reaktion der katholischen Seite, die Auswirkungen des Protestantismus auf die Gesellschaft der heutigen Zeit sowie Sprache und Verwaltung Deutschlands betrachtet werden. Die politische Geschichte der Reformation wird ab 1515, dem Jahr des Generalablasses, bis zum Torgauer Bündnis 1591 mit rund 300 Objekten aus Deutschland, Europa und den USA nachgezeichnet.

Bedeutende Exponate

Dafür kommen Objekte großer Fürstensammlungen aus Wien, Madrid, Gotha und Dresden nach Torgau: Harnische aus der Schlacht von Mühlberg von Karl V. und Sachsen-Kurfürst Moritz, das Manuskript von Luthers Übersetzung des Alten Testaments und ein Interimspokal aus dem Lüneburger Ratssilber. Etwa die Hälfte der Exponate stammt aus SKD-Beständen, wie etwa Luthers Siegelring. Textilien, Prunkwaffen und Gemälde ergänzen Hauptstücke wie das Rittergewand des Calatrava-Ordens von Karl V.
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