TV-Dokumentation "Profis" über die Bundesligasaison 1978/79 des FCB auf DVD - Paul Breitner mit ...
Schiri-Frust: "Geh' leck mi am Arsch"

Paul Breitner 1977 im Trikot von Eintracht Braunschweig. Von dort kehrte er nach München zurück, wo er einer der Hauptdarsteller einer Dokumentation über den FC Bayern war. Archivbilder: dpa (2)
München.Der FC Bayern München - nein, er war nicht immer das kommerziell und spielerisch erfolgreichste Fußballteam Deutschlands oder heutzutage gar Europas, wie speziell junge Fans der "Roten" aus der bayerischen Landeshauptstadt glauben möchten. Außer Frage: Die "Bayern" sind deutscher Rekordmeister, der Club ist laut einer Bilanz des britischen "Brand Finance Institute" im vergangenen Jahr mit einem Wert von 669 Millionen Euro der lukrativste Verein der Welt, nach Stand vom 28. November 2014 hat der Club weit über 250 000 Vereinsmitglieder und satte 3774 offizielle Fanclubs hinter sich. Aber nein: Der FC Bayern München kennt auch andere, weniger spektakuläre Zeiten.

Neue Interviews als Zugabe

Von dieser Ära handelt ein Film namens "Profis", der im Jahr 1980 im Fernsehen gezeigt wurde und jetzt, digital neu aufgelegt, plus aktuell geführten Interviews mit den Ex-Bayern-Spielern Paul Breitner und Sepp Maier als DVD vorliegt. Für alle Anhänger des Münchener Vorzeigeteams, vor allem aber für alle Fans der Historie des deutschen Fußballs, ist dieser Kultstreifen ein Muss.

Was war passiert beim heutigen Superteam, als die Regisseure Christian Weisenborn, Jahrgang 1947, und sein fünf Jahre jüngerer Assistent, Filmstudent Michael Wulfes, im Sommer 1978 beschlossen, eine Dokumentation über den FC Bayern München zu drehen? Ihre Ansprechpartner waren Verteidiger Paul Breitner und Stürmer Uli Hoeneß, beide 1951 geboren und die "Jungen Wilden" eines Bundesligavereins, bei dem es Ende der 1970er drunter und drüber ging.

"Ich komme aus Norddeutschland, war dadurch automatisch Hamburger-SV-Fan, das hat sich so gehört bei uns", erinnert sich Christian Weisenborn feixend. "Doch 1970 ging ich nach München, habe - als absoluter Fußballanhänger - an der dortigen Filmhochschule studiert. In jener Phase meines Lebens wurde ich FC Bayern-Fan, lernte ich durch meine regelmäßigen Stadionbesuche Supertalente wie Paul Breitner und Uli Hoeneß kennen. Vor allem mit Paul verbindet mich bis heute eine enge Freundschaft. Wir hatten eines Tages die Schnapsidee, irgendwann mal eine Dokumentation über den FCB zu drehen. Und 1978 haben wir diese Vision in die Tat umgesetzt. Ich hatte zu jener Zeit einige vielbeachtete Filme fürs Fernsehen gedreht, auch einen über die Nachwuchsarbeit beim FC Bayern. Paul und Uli hatten Lust, dass wir gemeinsam einen Film über den Verein durchziehen, bei dem sie gerade spielten. Doch alles kam anders als geplant."

FC Bayern im Umbruch

Tatsächlich war die Bundesligasaison 1978/79, in der "Profis" gedreht wurde, eine Spielzeit, in der die Bayern im Umbruch standen. Trainer war der von den meisten Spielern ungeliebte Gyula Lorant, das Team wurde am Saisonende 1978 gerade einmal Zwölfter in der Tabelle, Paul Breitner kehrte für die Rekordsumme von 1,75 Millionen D-Mark von Eintracht Braunschweig zu seinem Stammteam FCB zurück, was ihm viel Neid einbrachte, Uli Hoeneß saß völlig frustriert, weil er zum Coach keinen Draht fand, die meiste Spielzeit auf der Ersatzbank.

Lorant wurde irgendwann entlassen, Präsident Wilhelm Neudecker ebenfalls, weil sich die Mannschaft komplett gegen ihn stellte, Hoeneß avancierte, 27 Jahre jung, zum Manager des Clubs. Was für ein Trubel, was für ein Chaos in nur einem einzigen Jahr! Mittendrin die beiden Regisseure Weisenborn und Wulfes. Die zusammen mit Breitner und Hoeneß lediglich eine spannende, aber nicht unbedingt spektakuläre Dokumentation drehen wollten. Beides ist allen Beteiligten gelungen. "Es hat ab und zu Freude gemacht - und es war ab und zu verdammt hart", erinnert sich Paul Breitner mehr als 35 Jahre später an die Dreharbeiten zu "Profis". "

Und zwar deswegen, weil wir, als Regisseur Christian mich ansprach und ich dann mit Uli geredet habe, überhaupt nicht gewusst haben, was auf uns zukommt - wirklich überhaupt nicht. Uns eine Saison lang zu begleiten, da haben wir am Anfang gedacht, na ja, okay, vielleicht zweimal im Monat werden wir mit den Regisseuren reden, und dann sind die Kerle bei einigen Spielen dabei. Doch am Ende, gerade heute, und ich sehe ihn ja immer wieder, ist dieser Film aktueller denn je, er ist ein Zeitdokument, wie es das nur einmal gibt. Weil das auch so eine unglaubliche Saison war, die es nur ein Mal geben kann."

Eine Szene bleibt dem "Profis"-Zuschauer ganz besonders in der Erinnerung: Breitner lässt sich bei der Partie am letzten Spieltag der Bundesligasaison 1978/79 vom Kameramann verkabeln, so dass der Beobachter hautnah mitbekommt, wie ein Spieler während der 90 Minuten einer Partie denkt und reagiert. "Wenn der Schiedsrichter das gemerkt hätte oder irgendjemand sonst, dann hätte er mir das Mikrofon abgenommen", ist Breitner überzeugt. "Das ganze Procedere, davon wussten Regisseur Christian, der Tonmann und ich. Niemand sonst hätte es wissen dürfen, das wäre nicht gegangen." Im Nachhinein - gab es keinen Ärger wegen des Mikrofons? "Eigenartigerweise hat sich nie jemand beim DFB beschwert oder aufgeregt. Also überhaupt nicht", lacht Breitner.

"Eine geile Zeit"

Und abschließend schwärmt Breitner von "Profis" aus ganzem Herzen: "In dem Film sind einmalige Momente drin. Eine Mannschaft entlässt den Trainer. Entlässt den Präsidenten. Ein Spieler wird mit 27 Jahren Manager. Das alles muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen. Das ist heutzutage nicht vorstellbar.". "Es war einfach eine geile Zeit für den deutschen Fußball!"

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"Profis - Ein Jahr Fußball mit Paul Breitner und Uli Hoeneß", Sony-DVD, 18,99 Euro.
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