Über 80 Mitwirkende führen komplexe "Aerophonie II" im Luftmuseum auf - Neben klassischen ...
Eine Sinfonie in neun Sätzen und acht Räumen

Amberg.Wilhelm Koch konnte sich ja noch nie über Publikumsmangel bei den meist recht originellen Events, die in seinem Luftmuseum über die Bühne gingen, beklagen. Aber diesmal ging es wirklich eng zu. Das lag aber nicht daran, dass sich zu viele Musikfreunde um die wenigen Sitzplätze rissen, sondern daran, dass sich für die Aufführung der "Aerophonie II" mehr als achtzig Mitwirkende auf die einzelnen Räume verteilten.

Anfang mit zwölf Bläsern

Es ist schon die zweite Komposition, die der Berliner Hans Schanderl exklusiv für das Amberger Luftmuseum zu Papier gebracht hat. Die Aufführung in den zugegebenermaßen etwas klein dimensionierten Ausstellungsräumen erforderte deshalb einiges Organisationsgeschick von den Veranstaltern. Gemeinsam konnten die Zuhörer nur die Ouvertüre und das Finale, die im großen Saal im Erdgeschoss intoniert wurden, erleben. Das Auftaktstück für zwölf Bläser stimmte die Zuhörer auf das Konzept der Aerophonie II ein. Rhythmisch aber ohne eigentliche Melodie entwickelten sich die Sätze aus prägnanten Mustern, die spielerisch variiert und von Register zu Register weitergegeben wurden, mal ganz streng linear dargeboten, ein anderes Mal zum Kanon verflochten, forderten die Klangcollagen von den einzelnen Vokal- und Instrumentalkünstlern ein hohes Maß an Konzentration.

Auch gab es für die Mitglieder des Amadeus-Chors aus Neuendettelsau, und des Multichors Sulzbach-Rosenberg eine etwas spezielle Hürde zu nehmen. Denn Hans Schanderl benutzte für die Vokalpassagen keine Texte, sondern ließ die Sänger wort- aber nicht lautlos agieren, worauf schon Satztitel wie "dn-dn-dn-Na" oder "Jolo-ji" hinwiesen.

Um die einzelnen Sätze, die zwischen der Ouvertüre und dem Finale stehen, genießen zu können, mussten sich die Zuhörer auf die Wanderschaft zwischen den auf drei Etagen verteilten Aufführungsräumen machen. In jedem davon warteten Sängerinnen und Sänger, mit ihren Musikern darauf, dass die Zwischenfanfare, die von Mitgliedern der Knappschaftskapelle und Alphornbläsern auf den Fluren gespielt wurde, eine erneute Zuhörerwanderung signalisierte und sie der nächsten Gruppe ihren Part der neunsätzigen Komposition zum Besten zu geben.

Neben den Tonfolgen, die von den Sängern hochkonzentriert und mit viel Respekt vor der Partitur und sehr engagiert vorgetragen wurden, faszinierten an den einzelnen Sätzen auch die unterstützenden Klangteppiche, bei denen seltsam anmutende Töne zum Einsatz kamen, die manchmal auch recht exotisch anmuteten.

Auch Gläser im Einsatz

So gehörten neben den klassischen Blechbläsern der Knappschaftskapelle auch Bassklarinette und Harmonium zum Arsenal der tonerzeugenden Gerätschaften. Der Komponist persönlich übernahm die Interpretation des dritten Satzes auf den Steel-Drums und auch der hohe Ton von Gläsern, deren Rand mit dem feuchten Fingern zum Schwingen gebracht wurde, gab einem der Sätze ein ganz eigenwilliges Gepräge.

Das Konzert war also nicht nur deshalb faszinierend, weil es mit einem Gang durchs ganze Luftmuseum verbunden war, sondern vor allem auch wegen seiner Originalität und der Spiel- und Sangesfreude aller der zahlreichen Beteiligten.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2014 (8194)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.