Unterwegs auf der dänischen Erlebnisinsel Romo
Zwischen Himmel und Watt

Sankt Clemens, Schutzpatron der Seefahrer, ist die Kirche in Kirkeby geweiht. Im Sommer finden hier auch evangelische Gottesdienste auf Deutsch statt. An der Friedhofsmauer sind die Grabsteine der Kapitäne aufgereiht.
 
Eine Dauerausstellung im Center informiert die Besucher auch über die Tierwelt im Wattenmeer.
 
Schafe auf den Deichen sind typisch für die Insel.

Dass es sich bei der Insel mit zwei Bergen um Jim Knopf's Lummerland handelt, dürfte kleinen und großen Kindern bekannt sein. Es gibt aber auch in Dänemark eine kleine Insel, die mit zwei Bergen aufwarten kann.

Von Stefan Voit

Der Spitzberg (Spidsbjerget) ist ganze 1900 Zentimeter hoch, und der Stageberg schafft es immerhin auf 1800 Zentimeter. Beide Erhöhungen gehören zu Rømø, der südlichsten dänischen Wattenmeerinsel, drei Kilometer nördlich von Sylt gelegen. Von dort oben hat man einen herrlich Überblick über das kleine Eiland, das 128 Quadratkilometer umfasst. Rund 600 Menschen leben dort - und obwohl Rømø, die südlichste dänische Wattenmeerinsel - über einen Damm mit dem Festland verbunden ist, fühlen sich die Einwohner als echte Insulaner.

Geführte Touren


Eine erste und wichtige Anlaufstation ist das "Naturcenter Tønnisgård". Hier finden die Besucher wichtige Informationen über die Insel und das Wattenmeer. In den alten Bauernhof kann man nicht nur - von April bis Oktober - geführte Touren wie zum Beispiel Wattwanderungen, Bunkertouren, Garnelenfang, Fahrrad- und ReitTouren, Safaris, Kanutouren oder historische Wanderungen zur Kirche und dem angrenzenden Friedhof buchen, sondern es gibt auch zahlreiche Bastelaktivitäten für Kinder. Außerdem erfährt man viel über den Lebensraum Wattenmeer. Zahlreiche (ausgestopfte) Tiere wie Meeresvögel, Robben oder ein Walskelett sind nicht nur für Kinder ein besonderer Blickfang.

Watt nennt man die Fläche, die bei Ebbe freigelegt wird. Auf Rømø beträgt der Unterschied zwischen Ebbe und Flut bis zu 1,90 Meter. Nicht versäumen sollte man, an einer er Wattwanderungen teilzunehmen. Im Center wird man mit Gummistiefeln und Regenjacken bestens ausgestattet für den "schlammigen Ausflug". Vor Ort lernt man unter fachkundiger Anleitung viel über den "Lebensraum auf den zweiten Blick" kennen: Dazu gehören nicht nur Pflanzen wie das See- und Schlickgras oder der Staudenwermut, sondern auch Würmer, Muscheln, Schnecken, Austern oder Strandkrabben. Nicht zu vergessen die zahlreichen Seehunde oder Kebelrobben, die sich auf den Sandbänken wohlfühlen und gut vermehren. Auch die zahlreichen Vögel, für die die Insel eine wichtige Raststation auf ihrem Weg in die Brut- oder Sommergebiete ist, spielen eine wichtige Rolle in diesem wertvollen Ökosystem.

Wer Lust hat, kann auf einer geführten Radtour die Insel entdecken. Auf einem gut ausgebauten und -beschilderten Radwegenetz fährt man nicht nur durch eine herrliche Kulturlandschaft, sondern erfährt auch viel über die Geschichte: 1190 wurde Rømø erstmals urkundlich erwähnt, Deutsche und Dänen lebten einst friedlich zusammen und drei Gehöfte zählten als Stadt. Somit gab es dort 18 Städte.

Einst gab es dort auch eine lange Tradition des Walfangs: Es gab zwar vor Ort keinen großen Hafen für Walfangschiffe, aber die Kommandöre von der Insel waren begehrte Kapitäne. Oft waren sie jahrelang auf der Jagd nach den Tieren unterwegs. Grabplatten von reichen Walfangkapitänen, sogenannte Kommandeursteine auf dem Friedhof der "Rømø Kirke" - er stammt aus dem Jahr 1200 - zeugen von dieser langen Tradition, bei der zum Teil schon Kinder mit fünf Jahren zur See fuhren. In Inneren des Gotteshaus sind kostbare Votivschiffe zu sehen.

Da es so gut wie keine Bäume und Steine auf der Insel gab, musste alles "angeliefert werden: die Steine wurden vom Festland per Schiffe oder bei Ebbe mit Karren hergebracht, das Holz, das zum Teil noch in den alten Häusern zu sehen ist, stammt von gestrandeten Schiffen. Lohnenswert ist auch ein Besuch der alten "Toftum Skole". Die Gästeführerin, die bereits in der 11. Generation auf dem Eiland lebt, erzählt, dass dort bis zu 40 Kinder in einem winzigen Klassenzimmer zum Teil von ehemaligen Kommandören unterrichtet wurden. Zum Heizen mussten sie ihr eigenes Holz mitbringen. Das Gebäude von 1784 zählt als kleinste und älteste Schule Dänemarks. Die Insel war von 1864 bis 1920 deutsch, dann dänisch. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs kam ein deutscher Pfarrer auf die Insel, der die Idee hatte, Rentiere anzusiedeln und sie zu züchten. Die Tiere fielen allerdings während des Krieges dem Hunger der Bevölkerung zum Opfer.

Über 50 Bunker


Mit der Besetzung Dänemarks 1940 durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg änderte sich auch das Leben auf Rømø. Eingebunden in den Atlantikwall, waren dort 60 Bunker geplant, 54 hat man gefunden. Bevor die Besatzer kamen, gab es keinen Damm und keinen Hafen. Nur 700 Menschen lebten auf der einsamen Insel ohne Strom und Autos. Als Fahrzeuge gab es nur ein Taxi und einen Arzt-Pkw.

Zu den Einwohnern kamen auf einmal 800 (teilweise bis zu 1200) Soldaten hinzu. Alles, was für Bauten benötigt wurde, musste vom Festland herangeschafft werden. Dänemark wurde damals als "Schlagsahne-Front" bezeichnet: Es gab so gut wie keine Kampfhandlungen, und die Soldaten konnten viel Zeit mit Sonnenbaden verbringen, da die Bunkermannschaften erst nachts im Einsatz waren.

Die Insel war eine wichtige Radarstation mit bis zu zehn unterschiedlichen System. Das größte Gerät, der "See-Elefant", war 100 Meter hoch. Die Wehrmacht nutzte die Anlagen, um die deutsche Bucht zu überwachen. Da britische Angriffe befürchtet wurden, baute man große Bunkeranlagen, von den es 16 verschiedene gab, die zum Teil bei einer Führung besichtigt werden können.

Rømø hat natürlich nicht nur Geschichte zu bieten: lange Strandspaziergänge laden zum Erholen, kleine Dörfer zum Bummeln ein. Auch ein Besuch aufs Festland ist empfehlenswert. In den nächstgrößeren Städten Tønder und Ribe gibt es zahlreiche Geschäfte und Museen zu besichtigen. So kann man mit ruhigen Gewissen die kleine Insel mit den zwei Bergen, mitten im Nationalpark Wattenmeer gelegen, als Familien- und Erholungsinsel empfehlen.

InformationenDänemarks offizielle Tourismuszentrale: VisitDenmark, Glockengießerwall 2, 20095 Hamburg, Telefon 01805/326463, Fax 040/3202-1111. www.visitdenmark.de

Rømø Turistbureau , Nørre Frankel 1, Havneby, DK 6792 Rømø, Telefon +45 7475 5130, E-Mail: romo@romo.dk www.romo.de

Naturcenter Tønnisgard , Havnebyvej 30, DK 6792 Rømø, Telefon +45 7475 5257. E-Mail: info@tonnisgaard www.tonnisgaard.dk/deutsch

Feriepartner Rømø , Nørre Frankel 1, Havneby, DK 6792 Rømø, Telefon + 45 7475 5139. www.feriepartner.de/roemoe

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