Valencias Oper im Zwielicht

Der Palau de les Arts des Stararchitekten Calatrava hatte zu einem Opernhaus von Weltruf werden sollen. Dazu holten die Spanier eine ehemalige Karajan-Mitarbeiterin nach Valencia. Eine Serie von Pannen und Skandalen zehrt jedoch am Ansehen der Oper.

Mannschaftswagen der Polizei stehen vor dem Opernhaus von Valencia. In den Geschäftsräumen des Palau de les Arts durchsuchen Beamte der Sondereinheit für Wirtschafts- und Steuervergehen die Akten und Computerdateien des Musiktempels der ostspanischen Hafenstadt.

Die österreichische Intendantin Helga Schmidt und der frühere Geschäftsführer Ernesto Moreno werden kurzzeitig festgenommen. Die Justiz leitet Ermittlungen wegen des Verdachts der Veruntreuung, des Amtsmissbrauchs und des Betrugs ein.

Die Polizeiaktion lässt das Opernhaus wieder einmal in einem schlechten Licht erscheinen. Die Oper ist in ihrer noch jungen Geschichte immer wieder von Pannen und Affären heimgesucht worden. Dabei hatte sie einmal zu "einem der besten Musiktheater der Welt" werden sollen. Dies jedenfalls war der Auftrag gewesen, den die Wienerin Schmidt, eine frühere Mitarbeiterin des Stardirigenten Herbert von Karajan, im Jahr 2000 bei ihrer Verpflichtung in Valencia erhielt.

Pleiten, Pech und Pannen

Die Voraussetzungen schienen günstig zu sein. Das Opernhaus ist aufgrund seiner geschwungenen, spektakulären Architektur des Baumeisters Santiago Calatrava für sich schon eine Attraktion. Es fehlte anfangs auch nicht am Geld, denn in der Gegend von Valencia blühten der Tourismus und die Bauwirtschaft. Nach der Eröffnungsgala 2005 musste das - in den Gebäudekomplex der "Stadt der Künste und der Wissenschaften" eingebettete - Opernhaus jedoch für ein Jahr geschlossen werden, weil die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen waren.

Weitere Pannen folgten. In der ersten Spielzeit versagte an der Hauptbühne die Technik. Ein Jahr später verursachte eine Überschwemmung Schäden in Millionenhöhe. Vor gut einem Jahr musste die Oper vorübergehend geschlossen werden, nachdem sich am Dach Teile der Keramikverzierung gelöst hatten.

Helga Schmidt holte aufgrund ihrer guten Kontakte und ihres Verhandlungsgeschicks Weltstars wie Lorin Maazel, Zubin Mehta oder Plácido Domingo nach Valencia. Die "eiserne Intendantin", wie sie in Valencia genannt wurde, musste sich von den Linksparteien im Regionalparlament jedoch häufig überhöhte Reise- und Repräsentationskosten vorwerfen lassen. Wegen der Wirtschaftskrise wurde das Budget der Oper drastisch gekürzt. 2014 kehrte der Stardirigent Mehta Valencia den Rücken, weil der gebürtige Inder nicht für ein "Provinztheater" arbeiten wollte.

Der jetzige Finanzskandal wurde ausgelöst durch die Behauptung eines Ex-Angestellten der Oper, "Doña Helga" habe Aufträge zur Sponsorenwerbung einer Firma erteilt, deren Vorstand sie selbst angehört haben soll. Auch in einem Bericht der Regionalregierung ist von Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe die Rede. In der Presse wurde die Österreicherin gar beschuldigt, Provisionen kassiert zu haben. Schmidt wies die Vorwürfe empört zurück. "Die Ehrenhaftigkeit war immer das oberste Prinzip meiner Arbeit für diese Institution", betonte sie. "Ich habe als Intendantin nie irgendwelche Provisionen erhalten."

Schmidt weiter im Amt?

Die Regionalregierung stellte sich auf die Seite der Musikmanagerin. "Die Polizeiaktion war unnötig, überzogen und schädlich für das Ansehen Valencias", beklagte Regierungschef Alberto Fabra. Dennoch entband das Kulturministerium die Intendantin vorerst von ihren Aufgaben. Anfang der kommenden Woche soll entschieden werden, ob Helga Schmidt weiter im Amt bleiben wird.
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