Vier Oscars für Hollywood-Satire
«Birdman» im Höhenflug

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Ein satirisches Künstlerdrama triumphiert bei den Oscars. Einige Gewinner sorgen für politischen Zündstoff. Und in Deutschland regen sich Hardcore-Fans über eine Fernsehpanne auf.

Hollywood. (dpa) Komödien-Oscars, Dankesreden mit Botschaft, ein braver Moderator und eine deutsche Panne: Das war die 87. Oscar-Verleihung in Los Angeles. Das Wichtigste aus der Nacht zum Montag.

Die Gewinner-Filme: Hollywood kann über sich selbst lachen, auch wenn das Lachen zuweilen im Halse stecken bleibt. Ausgerechnet eine bitterböse Satire über das Showbusiness, über Star-Allüren und irre Schauspieler hat bei den Oscars abgeräumt. «Birdman oder Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit» von Regisseur Alejandro G. Iñárritu gewann in den Königskategorien bester Film und beste Regie und bekam den Oscar für Kamera und Original-Drehbuch. Wes Andersons Groteske «Grand Budapest Hotel», eine deutsche Ko-Produktion, heimste ebenfalls vier Oscars ein - jedoch in Nebenkategorien.

Trailer: Birdman oder Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit



Die Gewinner-Stars: Die Darsteller-Oscars gingen an Filme, die nicht zu den großen Abräumern gehörten. Für ihre Hauptrollen wurden der Brite Eddie Redmayne (33) und die Amerikanerin Julianne Moore (54) geehrt - er für seine Darstellung des Physikers Stephen Hawking in «Die Entdeckung der Unendlichkeit», sie für das Alzheimer-Drama «Still Alice - Mein Leben ohne Gestern». In den Nebenrollen konnten sich J.K. Simmons (60) und Patricia Arquette (46) durchsetzen. Er spielt einen aggressiven Musiklehrer in «Whiplash», sie eine Mutter in dem über zwölf Jahre gedrehten (!) Jugenddrama «Boyhood».

Trailer: Die Entdeckung der Unendlichkeit


Trailer: Still Alice


Trailer: Boyhood


Trailer Whiplash



Die Verlierer: Die US-Filmakademie kennt eigentlich keine Verlierer. Deswegen heißt es seit Jahren auch nicht mehr «The winner is», sondern «The Oscar goes to». Dennoch, wer mit acht Nominierungen ins Rennen geht und nur einen Oscar nach Hause bringt - so wie der Historienthriller «The Imitation Game» - darf durchaus als Verlierer gelten. Auch Wim Wenders ist kein strahlender Sieger: Zum dritten Mal war er nominiert, zum dritten Mal ging der Deutsche leer aus.

Die Politik: Viele Oscars für Komödien, kaum für kontroverse Filme. Die politischen Akzente setzten die Ausgezeichneten. Patricia Arquette für Frauenrechte: «Nun ist endlich unser Moment gekommen - für gleiche Löhne und gleiche Rechte für Frauen in den Vereinigten Staaten von Amerika.» John Legend (bester Filmsong «Glory», Bürgerrechtsdrama «Selma») für Rechte von Schwarzen: «Es sind heute mehr Schwarze unter Kontrolle der Justiz als zu Zeiten der Sklaverei 1850.» Autor Graham Moore (bestes adaptiertes Drehbuch «The Imitation Game») fürs Recht aufs Anderssein: «Bleib schräg, bleib anders.»

Der Moderator: Neil Patrick Harris (41) moderierte bereits zweimal die Emmys. Er ist frech, aber nicht böse - also der richtige Mann für die Oscars? Naja, sein Start in die Show mit einer Musical-Einlage quer durch die Filmgeschichte war gelungen, sein kritischer Gag über die weißesten, äh, hellsten Sterne Hollywoods saß angesichts weniger schwarzer Nominierter, doch danach wurde er brav. Lag es an ihm oder an der Beißhemmung seiner Gagschreiber? Das Superstar-Selfie seiner Vorgängerin Ellen DeGeneres konnte er sowieso nicht toppen.

Die Panne: Auf der Bühne im Dolby Theatre ging alles glatt. Nur im fernen Deutschland schauten die Fans kurz nach dem Start in die Röhre. Etwa sieben Minuten lang sahen sie nur das Oscar-Logo statt der Verleihung. Dutzende empörten sich bei Twitter. Der Grund für die Panne: «Leitung abgerauscht», teilte ProSieben mit.

Die Deutschen bei den Oscars

Fünf Oscars gingen in diesem Jahr an Deutschland - zumindest teilweise. Immerhin wurde die Komödie «Grand Budapest Hotel» mit vier Goldjungen ausgezeichnet. Das Werk von Wes Anderson ist eine deutsche Ko-Produktion und wurde unter anderem im Studio Babelsberg und in der sächsischen Stadt Görlitz gedreht. Der Film mit Stars wie Ralph Fiennes, Tilda Swinton, Jude Law und Bill Murray erzählt von den Geschehnissen im gleichnamigen Hotel in dem osteuropäischen Fantasieland Zubrowka.

Trailer Grand Budapest Hotel



«Citizenfour», ebenfalls eine deutsche Ko-Produktion, gewann den Oscar für die beste Dokumentation. Das Werk von US-Regisseurin Laura Poitras über den NSA-Whistleblower Edward Snowden entstand mit Unterstützung des Norddeutschen Rundfunks (NDR), Bayerischen Rundfunks (BR) und des Deutschen Filmförderfonds (DFFF).

Trailer Citizenfour



Die Dokumentation setzte sich gegen «Das Salz der Erde» über das Werk des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado durch, dem Film von Regisseur Wim Wenders. Es war die dritte Oscar-Nominierung für den 69-jährigen Deutschen. Auch der in Frankfurt am Main geborene Komponist Hans Zimmer ging leer aus. Der 57-Jährige war mit seiner Musik für den Film «Interstellar» im Rennen - die Trophäe ging an Alexandre Desplat für «Grand Budapest Hotel».

Trailer: Das Salz der Erde